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Neue Straße über alten Rohren

Neue Straße über alten Rohren

Der Ausbau der L 48 zwischen Leiwen und Zummet hat noch nicht begonnen, trotzdem ist die schmale Landstraße seit dem 8. August dicht. Der Grund sind die Druckrohre des Dhronkraftwerks, die unter der L 48 hindurchführen. Dieser Durchlass muss zunächst der neuen Straßenplanung angepasst werden. Dann beginnen die Arbeiten an der Landstraße.

Leiwen. Viel verändert wurde seit dem Bau des Dhronkraftwerks im Jahr 1913 nicht: Hoch oben im Hang verlassen die zwei 1,20 Meter dicken grünen Druckwasserrohre einen Stollen und überwinden als offene Fallleitungen die letzten 350 Meter hinunter zum Kraftwerk.
Zuvor kreuzen die von Rebflächen umgebenen Rohre noch die L 48 durch eine Art Betonblock unterhalb der Fahrbahn, den die Experten "Rohrleitungsfestpunkt" nennen.
Am Ende schießt das Wasser aus der Kilometer entfernten Dhrontalsperre in fünf urtümliche Francis-Turbinen des Herstellers Voith, die jeweils einen Stromgenerator von Siemens & Schuckert antreiben.
Rohrdurchlass wird umgebaut


Da der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier den Ausbau der L 48 mit breiterer Fahrbahn und leicht geänderter Trassenführung plant, passt der alte Rohrdurchlass nicht mehr und muss umgebaut werden, denn die neue breitere Fahrbahn würde sonst über die Ränder des alten Betonbauwerks ragen.
Also muss Kraftwerksbesitzer RWE zunächst seine Hausaufgaben erledigen, bevor die Straßenbauer anrücken können.
Und entgegen ursprünglichen Meldungen bleiben dabei die beiden Druckwasserrohre unberührt. Sie werden weder verlegt noch unterbrochen - das Kraftwerk kann auch während der Arbeiten normal weiterbetrieben werden. Nach Angaben von RWE-Ingenieur Holger Schwarz hatte die beauftragte Wittlicher Betonbaufirma BIS Engineering am 11. August mit den Arbeiten am Rohrleitungsfestpunkt begonnen. Seitdem ist die direkte Straßenverbindung von Leiwen hinauf zum Zummet unterbrochen.
Ausbau beginnt Mitte Oktober


Zunächst hatte die Baufirma die Fahrbahndecke und die darunter liegende Aufschüttung entfernt. Darunter befindet sich der alte Betonblock, durch den die Rohre hindurchführen.
Dieser kann mitsamt den Rohren an Ort und Stelle verbleiben, während darüber nun eine neue Betonplatte eingebaut wird. Sie entspricht dann in Breite und Ausrichtung den Maßen der neuen L 48. "Sobald wir hier fertig sind, wird der Landesbetrieb Mobilität mit dem Straßenausbau beginnen", erklärt Bauleiter Richard Kruppert. Dies werde Mitte Oktober der Fall sein.Extra

Als die Trierer Stadtwerke (SWT) vor 101 Jahren das Kraftwerk und die Dhrontalsperre bauten, genügte seine damalige Sechs-Megawatt-Leistung, um fast ganz Trier mit Strom zu versorgen. Seither ist der Strombedarf im Privatbereich und der Wirtschaft enorm gestiegen. Das in den 20er Jahren auf acht Megawatt ausgebaute Werk reicht heute zur Versorgung von rund 3000 Haushalten. In den 20ern übernahmen die RWE den Leiwener Betrieb. Heute ist die als technisches Denkmal geltende Anlage Eigentum der RWE Innogy GmbH mit Sitz in Essen, einer für erneuerbare Energien zuständigen RWE-Tochter. Sie ist auch Eigentümerin der Laufwasserkraftwerke an den Moselschleusen oder des Leiwener Anlage ähnelnden historischen Wasserkraftwerks in Heimbach/Nordeifel. f.k.