Neue Töne aus Kürenz

KÜRENZ. (lüd) Dem Männergesangsverein Kürenz (MGV) mangelt es an Nachwuchs. Statt sich damit s abzufinden, beschreiten die Sänger (Durchschnittsalter: 60 Jahre) ungewöhnliche und neue Wege, um attraktiv fürs Jungvolk zu werden.

"Bei den ersten Strophen von ,Knocking on Heaven's Door' waren alle blass", erinnert sich Chorleiter Konrad Degenhardt lachend. "Aber als die jungen Mädchen dann auf die Bühne gehüpft sind, haben die Männer so richtig aufgedreht." Auf dem Altstadtfest im vorigen Jahr war das so, beim Auftritt der Gesangsveteranen zusammen mit einer Rock-Coverband. "Alle Sänger waren auf einen Schlag zehn Jahre jünger", versichert der 50-jährige Taktgeber. Gewöhnlich tritt die Concordia vor allem in den eigenen Reihen auf: "Bei Jubiläen, Krankenhausaufenthalten, in Altersheimen und - immer öfter - bei Trauerfeiern", erklärt Vereinsvorsitzender Karl Lübeck. Auf gut 20 Konzerte komme man so pro Jahr - einschließlich der großen Chorfahrten und dem "Tag der Sänger": Beim diesem großen Fest platzte der Saal im Vereinslokal aus allen Nähten, als die Ehrennadeln für 25- bis 50-jährige Treue zum MGV übergeben wurden. "Durch die Bank krankt es am Nachwuchs in den Männergesangsvereinen", sagte Lübeck. 15 Vereine gebe es noch in Trier, vielleicht 180 im ehemaligen Regierungsbezirk. "Chöre sind einfach nicht mehr in, und Jugendarbeit wird zu klein geschrieben", bedauerte Degenhardt. Dabei könnten Kinder und Jugendliche hier nicht nur ihre Stimme ausbilden, sondern gleichzeitig selbstsicheres Auftreten lernen. "Ein sehr guter Mann", bescheinigte Kurt Hennig dem Chorleiter, und Christoph Ressler ergänzte: "der die Jungen motivieren und die Alten zu neuem Leben erwecken kann". Die beiden Tenöre ( 36 und 38 Jahre) sind mit Degenhardts 20-jährigem Sohn die Benjamine der Gesangstruppe. "Wir suchen uns jetzt eine Nische. Von Bläck Fööss bis Paul Simon ist alles drin", erklärt Ressler. Eine jüngere Gruppe mit zehn Sängern trifft sich montags vor der Probe des alten 32-köpfigen Chors. "Erst gibt es eine halbe Stunde Gitarrenunterricht, dann modernen Chart-Gesang. Und es dürfen auch Mädchen kommen", erklärte Degenhardt, der mit seinen Einfällen "bei den hohe Literatur gewohnten Sängern schon teilweise aneckt". Sein jüngster Revoluzzer-Streich fürs männliche Zentralorgan: "Nächstes Jahr wollen wir - wieder mit Rockband-Unterstützung - in der Halbzeitpause bei der Eintracht singen. Das ist abgemachte Sache."