Neue Töne für St. Michael

Für rund 33 000 Euro hat die Kirchengemeinde Mariahof eine gebrauchte Orgel erstanden. Die 2500 Orgelpfeifen lagern im Kindergarten, aufgebaut werden soll das gute Stück im nächsten Frühling.

Trier-Mariahof. Als Provisorium war die Orgel gedacht, die beim Bau der Mariahofer Pfarrkirche St. Michael in den 70er Jahren aufgestellt wurde. Doch daraus wurde ein Dauerzustand. "Dabei ist die Orgel viel zu klein für die große Kirche", klagt Dekanatskantor Burkard Pütz. "Da entsteht kein ausreichender Klang, noch nicht mal für die Begleitung der Gemeinde."

Dass eine neue, größere Orgel her muss, darüber sind sich Bistum und Pfarrgemeinde einig. Allein das Geld fehlt. Rund eine halbe Million Euro würde ein neues Instrument kosten. Und obwohl das Bistum einen Spezialisten geschickt hat, der per Gutachten bestätigt, dass die alte Orgel nichts taugt: "Das Geld für eine neue muss die Gemeinde alleine aufbringen", erklärt Reinhold Bonertz vom Pfarrverwaltungsrat.

Angesichts der horrenden Summe hatte die Gemeinde schon fast die Hoffnung aufgegeben. Wie ein Gotteszeichen mag da so manchem der Zufall erscheinen, der St. Michael doch noch eine erstklassige Orgel beschert hat: Der Sohn eines Gemeindemitglieds arbeitete einst als Kirchenmusiker in Essen. Und im Stadtteil Frintrop der Ruhrgebiets-Metropole wird demnächst eine Kirche abgerissen, wovon der Exil-Mariahofer Wind bekommen hatte. "Als er mir von der Orgel erzählte, hatte ich direkt die Hoffnung, dass das Instrument in unsere Kirche passen könnte", erzählt Pütz. Denn noch lange nicht eigne sich jede Orgel für jedes Gotteshaus. "Normalerweise werden Orgeln ja speziell für die Gegebenheiten einer Kirche gebaut", erklärt der Organist. Flugs reiste er ins Ruhrgebiet zum Probespielen und Inspizieren von Registern, Pfeifen und Mechanik. "Ich war sofort hellauf begeistert."

Gebaut wurde das Instrument 1970 von der Bonner Orgelbaufirma Klais - die auch die Trierer Dom-Orgel gefertigt hat. "Die Orgel hat eine neo-barocke Disposition, wie es in den 70ern modern war", erklärt Organist Pütz, "hätte man für St. Michael eine Orgel gebaut, wäre sie ähnlich ausgefallen."

33 000 Euro für die Orgel, 130 000 für den Einbau



Vorige Woche reisten schließlich drei Messdiener, Reinhold Bonertz und Bernward Keiper vom Pfarrverwaltungsrat und Gemeindereferent Sven Riehn nach Essen. Unter Anleitung von Mitarbeitern der Orgelbau-Firma Fasen aus Oberbettingen in der Vulkaneifel wurden die 2500 Pfeifen der über neun Meter hohen Orgel abgebaut. Die komplizierte Mechanik, Gehäuseteile, Luftschläuche - alles wurde sicher in Kisten verpackt. "Wir hatten 12-Stunden-Tage", erzählt Bonertz.

Mittlerweile lagern die zwischen 20 Zentimeter und 4,80 Meter langen Orgelpfeifen im Mariahofer Kindergarten. "In der Orgelbaufirma Fasen haben wir einen sehr guten Partner gefunden, der das Instrument reinigen, neu zusammensetzen und intonieren wird", sagt Organist Pütz. Im Januar sollen die Arbeiten beginnen, im Mai könnte die Orgel erstmalig in St. Michael erklingen.

Bis dahin muss die Gemeinde allerdings noch viel Geld zusammenbringen. Denn gratis ist die knapp 40 Jahre alte Orgel nicht zu haben: "Für das Instrument müssen wir 33 000 Euro zahlen, für die Arbeit der Orgelbaufirma fallen noch mal rund 130 000 Euro an", rechnet Bonertz zusammen. "Finanzielle Hilfe können wir daher sehr gut gebrauchen", ergänzt Organist Pütz.

Die Gemeinde bittet um Spenden auf das Konto 928 200 der Kirchengemeinde St. Michael, Trier-Mariahof, bei der Sparkasse Trier, BLZ 585 501 30, Verwendungszweck: "Förderkreis Orgelbau".