Neue WCs am Trierer HBF: Das Ende vom Ende der Toilettenkultur

Kostenpflichtiger Inhalt: Neues WC eröffnet : Toilettengang kostet am Trierer Hauptbahnhof jetzt einen Euro

Die neue WC-Anlage am Trierer Hauptbahnhof ist eröffnet. Davor war der Gang auf’s stille Örtchen dort eine eklige Angelegenheit – und vielen gehbehinderten Menschen erst gar nicht möglich.

Trier ist Römerstadt – und damit, zumindest weitläufig, auch Toilettenstadt. Denn die Kulturgeschichte des Klosetts begann vor 2000 Jahren in der römischen Antike. Zwar hatten die alten Ägypter zuvor auch schon stille Örtchen – auf die gute Idee, mit Wasser nachzuspülen, sollen allerdings erst die Römer gekommen sein.

Lange Zeit sah es nun so aus, als ob die Kulturgeschichte des Wasserklosetts in der Römerstadt Trier auch ihr Ende fände. Zumindest gemessen am Zustand der bisherigen WC-Anlage am Trierer Hauptbahnhof. Eine enge, dunkle Treppe führte zu dem Ort des Grauens. Gestank und Zustand der völlig überalterten Sanitäranlage waren so widerlich, dass Menschen sich sogar bemüßigt fühlten, Leserbriefe an den Trierischen Volksfreund zu richten. „Die dunklen, verschmutzten Gänge zu den Toiletten wirkten beängstigend, aber der Anblick der Damentoiletten waren derart erschreckend, dass ich die Räumlichkeiten so schnell wie nur möglich wieder verlassen habe. Ich müsste bei der Beschreibung der Örtlichkeiten jetzt Wörter benutzen, die ich nicht benutzen möchte. Noch nie in meinem Leben habe ich derart verschmutzte, eklige öffentliche Toiletten gesehen, und ich bin dienstlich sehr häufig auf Reisen“, schrieb eine Touristin noch im August 2019.

Saniert wurde der Abort über viele, viele Jahre nicht. Die Bahn wartete lieber auf den seit 2006 geplanten Neubau rechts vor dem Bahnhofsgebäude, in dem auch das neue WC entstehen sollte. Der Anbau wurde, nach Planungsschwierigkeiten bei der neuen Radstation, die auch dort untergebracht ist, allerdings erst Ende 2018 fertig.

Ein knappes Jahr später hat kürzlich nun auch die neue Toilette endlich eröffnet.

Mit Ausbau und Betrieb der Anlage an Gleis 11, Bahnsteigabschnitt A, hat die Deutsche Bahn die Firma Sanikonzept beauftragt. Das Familienunternehmen aus Burbach im Siegerland ist seit Ende der 1970er Jahre im Toilettengeschäft. „Wir betreiben an 96 Bahnhöfen in Deutschland WC-Anlagen – zum Beispiel an den Hauptbahnhöfen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Essen“, sagt Burkhard Strunk, Leiter Facilitymanagement bei Sanikonzept. Neben den Toiletten für die Deutsche Bahn hat die Firma deutschlandweit rund 6000 weitere Sanitäranlagen für Städte und Kommunen im Betrieb.

In Trier sind auf einem insgesamt etwa sechs mal acht Meter großen Areal ein Abteil für Frauen und ein Abteil für Männer entstanden mit je drei Sitztoiletten-Kabinen. Für die Männer gibt es noch drei Pissoirs extra. Dazu kommt eine barrierefreie Toilettenkabine nach DIN 18040 für Rollstuhlfahrer, gebhinderte und blinde Menschen. Außerdem gibt es drei Wickeltische: einen bei den Frauen, einen bei den Männern und einen im Vorraum.

Die Kabinen sind in Weiß, Grau und Anthrazit gehalten, die Fliesen groß. Bei den Klosetts handelt es sich um den Typ „hängende Tiefspüler“, wie es in der Fachsprache heißt. Dazu gibt es leise Musik. „Das sorgt für eine entspannte Atmosphäre“, sagt Facilitymanager Strunk. Zweimal pro Tag kommt eine Reinigungskraft vorbei, um für Sauberkeit zu sorgen.

Der Eintritt in die Toilettenanlage kostet einen Euro. Bons kann man an einem Automaten ziehen, mit Bargeld, EC-Karte oder über die spezielle Sanikonzept-Handy-App. Das Ticket ist gleichzeitig eine Art Gutschrift über 50 Cent. „Die kann man entweder an dieser oder einer anderen unserer Anlagen beim nächsten Toilettengang einlösen oder ab einem Mindesteinkaufswert von 2,50 Euro bei unseren Shop-Partner in und um die Bahnhöfe einlösen“, erklärt Strunk. In Trier sind das bislang das Schnellrestaurant Burger King und der Zuckerbäcker Dunkin Donuts.

Die Bahn leiste zur Toiletteneinrichtung, der Miete an die Stadtwerke für die Räumlichkeiten und den täglichen Betrieb der Anlage einen „kleinen Zuschuss“, sagt Toilettenfachmann Strunk. „Den Rest müssen wir über die Eintrittsgelder und über eine Vertragslaufzeit von 15 Jahren finanzieren.“

Die alten Toiletten im Bahnhofskeller hatte die Deutsche Bahn noch selbst betrieben – und auch dafür bereits 50 Cent Nutzungsentgelt erhoben. Mittlerweile überlässt der Bahnkonzern Dienstleistern wie Sanikonzept oder Sanifair das Toilettengeschäft.

Hauptbahnhof Trier neue Toilettenanlage. Foto: Christiane Wolff

Womit wir wieder bei der Kulturgeschichte des Stillen Örtchens sind. Denn wissen Sie, woher die Redewendung „sein Geschäft machen“ kommt? Aus der Römerzeit. Damals hockten vornehmlich die Männer nämlich nebeneinander auf Löchern in langen Steinbänken, um ihr Geschäft zu verrichten. Gemeint war damit allerdings keineswegs das, was unten rauskommt, sondern das, was oben rumkommt. Sprich: Die Römer nutzten die Gelegenheit des Herumhockens, um die ein oder andere Geldangelegenheit, Käufe oder Ähnliches mit ihren Toilettennachbarn zu besprechen und zu erledigen.

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