Neuer Ball im Spiel

Gerade hat der Trierer Stadtrat mit dem Wolfsberg und dem alten TGT-Gelände die ersten Standorte für eine Gesamtschule und eine "Realschule plus" festgelegt, wird schon munter über weitere diskutiert. Vor allem Trier-West, in der Planung bislang unterrepräsentiert, meldet Interesse an.

Trier. Dass allenthalben mit den Hufen gescharrt wird, hat seinen Grund: Bis 2013, so die Vorgabe des Landes, sollen die Kommunen die neuen "Realschulen plus" auf den Weg gebracht haben. Da man in Trier von einem Bedarf für fünf weiterführende Schulen neben den Gymnasien ausgeht, herrscht ein gewisser Zeitdruck.

Eine erste Welle hat der Stadtrat mit der IGS auf dem Wolfsberg und der "Realschule plus" im Pestalozzi-Komplex neben der Feuerwache bereits beschlossen. Nach den Planungen im Rathaus stünden danach drei weitere "Realschulen plus" in Trier-Nord, am Mäusheckerweg und in Zewen auf der Agenda - letztere in Kooperation mit der VG Trier-Land. Alternativ denkbar wäre eine weitere Gesamtschule.

Im Stadtteil Trier-West stoßen die Überlegungen auf wenig Gegenliebe. Denn die dortige Kurfürst-Balduin-Hauptschule ist allenfalls noch als Anhängsel zum künftigen "Feuerwachen-Standort" auf der anderen Moselseite vorgesehen. Offensichtlich sieht man bei Stadt und Rundem Tisch das vor wenigen Jahren renovierte Gebäude eher als künftige gemeinsame Grundschule für den Stadtteil Trier-West/Pallien.

Dass es damit ausgerechnet im sozialen Brennpunkt keine weiterführende Schule mehr gäbe, damit will sich eine Allianz aus Kirchen, Sozialverbänden, Stadtteil- und Schulvertretern nicht abfinden. "Die enge Kooperation von schulischen und außerschulischen Partnern, das vorbildliche Angebot und das klare Profil wären dann kaputt", befürchtet Uli Müller, der das benachbarte Caritas-Sozialzentrum leitet.

Dem Protest folgt nun ein konkreter Vorschlag. Der Rektor der Kurfürst-Balduin-Hauptschule, Eugen Lang, sieht sein Haus als potenziellen eigenständigen "Realschule plus"-Standort.

Bessere Struktur durch Ganztags-Verpflichtung



"Wir wollen eine Ganztagsschule in verpflichtender Form anbieten", sagt Lang und verweist auf die große Erfahrung mit Ganztagsarbeit. Die Kooperation mit den Umfeld-Institutionen ließe sich aus seiner Sicht gut in ein pädagogisch ambitioniertes, den kompletten Tag umfassendes Unterrichtsschema einbinden. "Ganztags" hieße dann nicht mehr morgens normale Schule plus nachmittags Betreuung, sondern würde einen komplett neuen Schulablauf bedeuten.

Ein solches Modell, da ist sich Uli Müller sicher, würde Schüler aus der ganzen Stadt anziehen. So könnte die bislang zweizügige Hauptschule die für eine "R-plus" notwendige Dreizügigkeit erreichen. "Das würde auch ins Konzept ,Soziale Stadt' passen", meint Ortsvorsteher Klaus Blum unter Verweis auf das große Förderprogramm für Trier-West.

Allerdings würde ein Standort im Westen wohl zwangsläufig zulasten einer möglichen Konkurrenz in Zewen gehen. Aber ob dort die angestrebte Kooperation mit Trier-Land überhaupt zustande kommt, weiß derzeit niemand. Wenn die ohnehin zähe Stadt-Land-Koordination hakt, könnte Trier-West der Gewinner sein. Wobei die größte Hürde dann freilich noch anstünde: Das jetzige Balduin-Gebäude ist nicht in der Lage, die zusätzlichen Klassen aufzunehmen. Auf die Stadt kämen also umfängliche Baumaßnahmen zu.

Und was sich da auftürmt, wird der Stadtrat demnächst schmerzhaft lernen: Allein die Umbau-Kosten für die bereits beschlossenen Projekte Wolfsberg und Pestalozzi könnten sich zwischen 20 und 30 Millionen Euro bewegen. Geld, das schlicht nicht da ist.