Neuer Demokratieraum in Schweich: Ein Raum für Zusammenhalt

Soziales : Ein Raum für Zusammenhalt

In Schweich wurde der Demokratieraum in der Brückenstraße eröffnet. Er soll Austausch und Projekte für das Miteinander fördern.

Die zwei homosexuellen Männer, die am Freitag bei der Eröffnung des Demokratieraums in Schweich dabei waren, konnten der Rede von Dirk Marmann nur zustimmen. Ein paar Tage zuvor seien sie in der Öffentlichkeit wegen ihrer sexuellen Ausrichtung beleidigt worden, sagte einer von ihnen.

Marmann, Gesamtprojektleiter „Demokratie leben“ der Verbandsgemeinde Schweich, sagte in seiner Eröffnungsansprache vor Dutzenden Gästen: „Populisten in der ganzen Welt finden Gehör und versprechen den Menschen einfache Lösungen für schwierige Fragestellungen. Es werden wieder Versuche unternommen, Grenzen des sag- und machbaren zu verschieben. Wir erleben Provokationen und politisch motivierte Straftaten bis hin zu Morden. Dies alles sind in unseren Augen Testläufe, wie unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft nachhaltig beschädigt werden kann.“

Es sei unsere Verpflichtung, diesen Kräften entgegenzutreten und nicht in der schweigenden Mehrheit unterzugehen. „Daher ist ein Ort wie dieser, der zu Diskussionen und zum Austausch anregen soll, wichtiger denn je“, meint Marmann. Schon seit 2016 macht die VG Schweich am Bundesprogramm „Demokratie leben“ mit. „Wir schaffen einen Raum für Begegnungen, Austausch, Ausstellungen, Seminare und Projekte, die so in der Öffentlichkeit präsenter werden sollen“, sagt Marmann.

Fedor Gehlen vom DRK ist Koordinator und Fachberater von „Demokratie leben“ in Schweich. Das Rote Kreuz verwaltet den Raum. Gehlen wird im Demokratieraum ein Büro beziehen und für Einzeltermine sowie jeden Donnerstag von 15 bis 19 Uhr dort sein um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und bei Projekten zu beraten – etwa gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, für das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft oder gegen Hass im Internet.

Zur Eröffnung ist in den Schaufenstern eine Kunstinstallation zu sehen, welche Teilnehmer eines Erwachsenen-Workshops der Künstlerin Annamalt geschaffen haben – eine Variation von Picassos Gemälde Guernica, das seinerzeit eine Antwort auf die fast vollständige Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch deutsche Bomber war.

Die Nazis unterstützen den Kampf des spanischen Putschisten Franco gegen die Republikaner. Die Interpretation des Gemäldes greift nun Kriege, Krisen und bedenkliche gesellschaftliche Entwicklungen unserer heutigen Zeit auf.

Der Demokratieraum ist für jeden zugänglich. Fedor Gehlen sagt: „Ich hoffe, dass sich der Raum mit Leben füllt und ihn viele Bürger und Gruppen nutzen.“ Auch Passanten sollen gerne einfach mal hereinschauen.

Mehr von Volksfreund