Neues Domizil für Triers amtliche Ankläger
Trier · Es ist eine logistische Herausforderung: Bei laufendem Betrieb ist die Trierer Staatsanwaltschaft vom Irminenfreihof in das Ex-Reichsbahngebäude am Balduinsbrunnen umgezogen. Heute beginnt dort der Betrieb. Damit ist das 20-Millionen-Projekt der Triwo so gut wie abgeschlossen.
Trier. 3500 Kisten. Gestapelt, aneinandergereiht, in Rollwagen verstaut. Sie füllen die Gänge in allen Stockwerken im alten Heim der Staatsanwaltschaft am Irminenfreihof. 18 Umzugshelfer verfrachten sie in große Lastwagen.
"Das kann ja nicht wie Kraut und Rüben rübergehen!", sagt Spediteur Fritz Mallmann und zeigt fein säuberlich gezeichnete Pläne. Darin sind alle Abteilungen und Etagen der Anklagebehörde in unterschiedlichen Farben eingezeichnet. Mit entsprechenden Markierungen soll sichergestellt sein, dass die Beschäftigten ihr Büromaterial am neuen Arbeitsplatz wieder vorfinden. Das scheint an diesem Tag auch ganz gut zu klappen. Nur bei einem vom Frühling übrig gebliebenen Deko-Vogelhäuschen herrscht am neuen Standort im Mehrgenerationenhaus zunächst etwas Ratlosigkeit, wo dieses denn nun hingehört.
Seit den frühen 1990ern war die Trierer Staatsanwaltschaft am Irminenfreihof untergebracht. "Mit damals 70 Mitarbeitern gab es da schon keine Raumreserve", erinnert sich Triers Leitender Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer. Kein Wunder, dass die mittlerweile 95 Mitarbeiter das Platzangebot sprengten.
Mit einem minutiösen Ablaufplan steuert die Behörde den Umzug in das Ex-Reichsbahngebäude. Und zwar bei laufendem Betrieb: Fünf Notfallarbeitsplätze sind eingerichtet. Dort gehen Anrufe ein, von Beschuldigten oder Anwälten etwa. Nötig sind die Notfallarbeitsplätze auch für mögliche Haftentlassungen oder Kapitaldelikte.
Bei 45 000 Ermittlungsverfahren im Jahr werde sich im Laufe der Umzugstage vom vorigen Mittwoch bis zum zurückliegenden Wochenende ein gewisser Rückstau ergeben, meint Brauer. Daher gilt es, so schnell wie möglich die Akten am neuen Standort auszupacken. Höchste Priorität: der Aufbau und Neuanschluss der EDV. Am neuen Standort in der Christophstraße 1 begrüßt im dritten Stock ein großzügiger Empfangsbereich die Besucher. Kurze Wege liegen zwischen den einzelnen Büros und Besprechungsräumen.
Doch es gibt noch einiges zu tun. "Am Montag hängt am Eingang unten das Schild ,Staatsanwaltschaft\'!", schmunzelt Brauer - im Gefolge Sohn Jan (15), der auch mithelfen will. Dafür gibt es noch weitere Gelegenheit: Im Frühjahr zieht das Archiv der Staatsanwaltschaft mit den erledigten Akten um, die noch aufbewahrt werden müssen - in 10 000 Kisten.Die Staatsanwaltschaft Trier hat 95 Mitarbeiter, davon 29 Staatsanwälte, acht Amtsanwälte, fünf Rechtspfleger, zwei Gerichtshelfer. Die übrigen Mitarbeiter verwalten Akten oder sind als Wachtmeister tätig. Seit Mittwoch wurden die Akten der laufenden Verfahren täglich mit 14 bis 16 Lastwagenfuhren vom Irminenfreihof zum neuen Standort transportiert. Die neue Telefonnummer der Staatsanwaltschaft lautet 0651/99204-0. Mit dem Einzug der Staatsanwaltschaft in das Gebäude an der Ecke Christophstraße/Balduinstraßeist ist das 20-Millionen-Umbauprojekt der Triwo fast abgeschlossen. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten an den Fassaden fertig sein, teilt Berthold Breser von der verwaltenden Trierer Triwo AG mit. gsb