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Neues Förderzentrum in Trier geplant

Neues Förderzentrum in Trier geplant

Die Medard-Förderschule in Trier-Süd soll im kommenden Schuljahr zum Förder- und Beratungszentrum werden. Unter anderem sollen Lehrer an Regelschulen, die behinderte Kinder aufnehmen, dort Unterstützung finden.

Trier. Seit Sommer 2014 haben Eltern behinderter Kinder die Wahl, ob ihr Nachwuchs eine spezielle Förderschule oder eine Regelschule besuchen soll. Ein Trend ist nach gut 1,5 Jahren noch nicht zu erkennen. "Inwieweit die Eltern von diesem Recht Gebrauch machen, kann noch nicht genau beziffert werden", heißt es dazu in einem Papier der Trierer Stadtverwaltung. Tendenziell sei allerdings mit rückläufigen Schülerzahlen an den Förderschulen zu rechnen (siehe Extra).

Um sowohl Förder- als auch Regelschulen, die Kinder mit Behinderung inklusiv unterrichten, zu unterstützen, soll die Medard-Förderschule in Trier-Süd zu einem Förder- und Beratungszentrum werden. Das Zentrum soll mit verschiedenen Angeboten insbesondere die Qualität des Unterrichts und der pädagogischen Betreuung von Kindern mit Behinderung an Regelschulen sichern.Konzept wird noch abgestimmt


Die fünf Regelschulen in Trier, die Voldocco-Schule Helenenberg (Schwerpunkt: sozial-emotionale Entwicklung) und die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Neuwied) haben dazu gemeinsam eine Kooperationsvereinbarung ausgearbeitet. Das konkrete Beratungskonzept des Förder- und Beratungszentrums wird derzeit noch abgestimmt.
In der jüngsten Sitzung des Trierer Stadtrats haben bis auf die AfD alle Fraktionen dafür gestimmt, dass die Medard-Schule zum Förderzentrum werden soll. Über die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier kann nun ein entsprechender Antrag beim Bundesbildungsministerium gestellt werden. Zum 1. März soll der Antrag eingereicht werden, das Förderzentrum möglichst zum Schuljahr 2016/17 seine Arbeit aufnehmen.

Weil die Schülerzahl an der Medard-Schule in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, stehen Klassenräume leer, die für die Beratungsleistungen des künftigen Zentrums genutzt werden können. Der Stadt als Schulträger entstehen daher keine Kosten für die Einrichtung des Förderzentrums.
Michael Frisch, Fraktionsvorsitzender der Trierer AfD, äußerte bei der Diskussion im Stadtrat Zweifel an der Inklusion behinderter Kinder an Regelschulen: "Wenn ich mir vorstelle, eine Klasse mit 30 Schülern, einer davon körperlich behindert, einer geistig behindert, einer mit Lernschwäche - selbst bei zusätzlichen Förderlehrern habe ich Zweifel, dass das funktioniert."

Wolfgang Schmitt von der Fraktion Die Linke parierte die Zweifel mit einer ganz persönlichen Geschichte: "Es ist möglich, behinderte Kinder in eine normale Klasse aufzunehmen! Mein Sohn ist in der Keune-Grundschule gewesen, mit vier weiteren behinderten Kindern in einer normalen Klasse. Das hat wunderbar geklappt! Die nicht behinderten haben den behinderten Kindern geholfen. Mein Sohn kann lesen, rechnen, schreiben - vielleicht wäre er an einer Förderschule nicht so weit gekommen!"Extra

In Trier gibt es zwei städtische Förderschulen, die Medard-Schule in Trier-Süd und die Treverer-Schule in Heiligkreuz, mit den Schwerpunkten Lernen und Sprache sowie motorische Entwicklung. Dazu kommt die vom Land getragene Wilhelm-Hubert-Cüppers-Schule in Tarforst für Gehörlose und Schwerhörige. Weiter gibt es die Bischöfliche FörderschuleSt. Josef mit dem Förderschwerpunkt Lernen und die Porta-Nigra-Schule in Trägerschaft der Lebenshilfe mit dem Schwerpunkt Ganzheitliche Entwicklung. Abgerundet wird das Angebot in der Stadt durch eine Außenstelle der evangelischen Martin-Luther-King-Schule Traben-Trarbach mit dem Schwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung. Die Gesamt-Schülerzahl der Förderschulen ist in den vergangenen Jahren gesunken: Besuchten 2012/13 noch insgesamt 491 Schüler die fünf Förderschulen in Trier, sind es im aktuellen Schuljahr nur noch 467. woc