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Neues Schulgebäude soll erst auf dem Wolfsberg, dann in Trier-West stehen

Neues Schulgebäude soll erst auf dem Wolfsberg, dann in Trier-West stehen

Die Stadtverwaltung Trier schlägt überraschend eine Lösung für zwei gravierende Raumprobleme vor. Ein Komplex mit 24 Klassenräumen aus Holz soll während der Sanierung der Integrierten Gesamtschule auf dem Wolfsberg störungsfreien Unterricht ermöglichen. Anschließend könnten die Module in Trier-West als Grundschule dienen.

Baudezernent Andreas Ludwig und seine Amtsleiter verblüfften den Schulträgerausschuss des Trierer Stadtrats mit einem völlig neuen Konzept, das sie anschließend Medienvertretern präsentierten (der TV berichtete am Freitag).
Die Ausgangslage: Für 19 Millionen Euro baut die Stadt Trier die Gebäude C (ehemalige Cusanus- Hauptschule) und L (ehemalige Ludwig-Simon-Realschule) auf dem Wolfsberg zu einer Integrierten Gesamtschule (IGS, derzeit 628 Schüler der Klassenstufen fünf bis zehn) um. Bisher wird im laufenden Betrieb gearbeitet - mit Beeinträchtigungen des Unterrichts. Mensa und Fachklassen sind bereits in gemietete Stahlcontainer ausgelagert.
Das Problem: "Wir werden nicht rechtzeitig fertig, um 2016/17 die ersten Oberstufenschüler der IGS in den bestehenden Gebäuden aufnehmen zu können", erklärt Ludwig. Zu der Verzögerung trugen auch Schwierigkeiten bei einer Ausschreibung und ein Rechtsstreit mit einer Firma bei.
Die Optionen: Die Stadt könnte weitere Stahlcontainer mieten und sie eingeschossig auf großer Grundfläche aufstellen. Kosten für drei Jahre: 1,6 Millionen Euro. Stattdessen gebrauchte Container zu kaufen, würde 2,3 Millionen Euro kosten. Frank Simons, Leiter des Amts für Gebäudewirtschaft, gibt zu bedenken: "Raumgröße, Belichtung, Belüftung und Akustik sind bei solchen Containern nicht so gut."
Die neue Idee: Die Stadt lässt für 4,5 Millionen Euro ein dreigeschossiges Gebäude aus Holzmodulen errichten, das im Idealfall zum Schuljahresbeginn 2016/17 bezugsfertig ist. Die neuen Elftklässler und weitere Klassenstufen nutzen dieses Ausweichquartier, so dass C- und L-Gebäude als Großbaustelle bearbeitet werden können. Die 24 Holzklassenräume werden weitgehend in der Fabrik gefertigt, zum Standort transportiert und dort zusammengefügt und gestapelt. Aus Praxisbeispielen in Hessen verspricht sich die Verwaltung eine durchaus ansprechende Optik und nahezu Passivhausstandard. Zum Beheizen ist eine Luftwärmepumpe vorgesehen. Im Unterschied zum ebenfalls "gestapelten" neuen Studierendenwohnheim Enercase auf dem Petrisberg gibt es keine Betondecken.
Die Zweitverwendung: Laut Schulentwicklungsplan sollen die Grundschulen Reichertsberg (94 Schüler) und Pallien (41) im Trierer Westen zusammengelegt werden. Die Sanierung des maroden Gebäudes Reichertsberg würde Millionen kosten. Das Gebäude Pallien ist zu klein und liegt nicht zentral genug. Daher sollen die Holzmodule auf dem Wolfsberg nach drei Jahren abgebaut, in Trier-West aufgebaut werden und dort ab 2019/20 als Grundschule dienen.
Die Standorte im Westen: Die Verwaltung favorisiert den Schulhof der Kurfürst-Balduin-Realschule plus (285 Schüler) als späteren Standort für die Holzmodul-Grundschule. Weitere Option: der Sportplatz Don Bosco, der allerdings nicht der Stadt gehört.

EXTRA So geht es weiter
Der Schulträgerausschuss stimmte dem Vorschlag der Verwaltung bei einer Enthaltung einstimmig zu. Detaillierte Informationen und Meinungsbildung in den Fraktionen folgen. "Wir werden eine Informationsfahrt per Bus nach Hessen anbieten, dort können sich Teilnehmer Schulen in Holzmodulbauweise anschauen", kündigt Dezernent Ludwig an. Die Entscheidung, ob das Konzept zum Tragen kommt, fällt der Stadtrat im November.

Meinung
Die Idee hat eine Chance verdient
Triers Baudezernent Andreas Ludwig ist gerade fünf Monate im Amt, Ähnliches gilt übrigens für Amtsleiter Frank Simons. Ludwig hat ein schwieriges Erbe übernommen und muss sich gewaltig strecken, um für alle Baustellen kurz- bis langfristige Lösungen zu finden.
Sporthallenkrise, Baumsturzkrise, Flächennutzungsplankrise: Es rumort an vielen Ecken. Bisher beweist Ludwig starke Nerven, diplomatisches Geschick und Mut zu unkonventionellen Ansätzen. Mit dem jüngsten Vorschlag lehnt er sich weit aus dem Fenster, denn 4,5 Millionen Euro Kosten wären für die hoch verschuldete Stadt zunächst eine weitere Belastung. Zudem stehen hinter der für die Wirtschaftlichkeit entscheidenden Anschlussnutzung der Holzmodule noch viele Fragezeichen. Sollte die politisch breit unterstützte Kurfürst-Balduin-Realschule plus mangels Nachfrage doch irgendwann geschlossen werden, stünde deren Gebäude als Grundschule zur Verfügung.
Insgesamt hat die ganze Idee aber Charme und sollte intensiv geprüft werden.
m.hormes@volksfreund.de