Neues Shoppingcenter: Drei Interessenten, ein Zuschlag

Neues Shoppingcenter: Drei Interessenten, ein Zuschlag

Maklerfirmen wittern bereits Geschäfte, dabei soll der Stadtrat erst Ende Mai entscheiden, ob Trier mit dem Shoppingcenter-Entwickler ECE überhaupt in Verhandlungen tritt. Der Vertrag sieht eine Exklusivitätsklausel vor - doch auch andere Investoren haben Interesse an Trier.

Trier. "Unterschriftsreif" sei der Vertrag zwischen seinem Unternehmen und der Stadt, erklärte ECE-Projektleiter Gerd Wilhelmus bei einem Pressegespräch am 18. April. Der Kontrakt soll festschreiben, wie die ECE - einer der größten Projektentwickler für Einkaufscenter in Europa - und das Rathaus gemeinsam die Einkaufstadt Trier in den nächsten Jahren bestmöglich nach vorne bringen könnten. Aus ECE-Sicht insbesondere hinsichtlich eines oder sogar zweier neuer Shoppingcenter.

Doch trotz der Unterschriftsreife Mitte April haben die Fraktionen des Trierer Stadtrats das Vertragswerk erst am Montagabend erhalten. Bei der Sitzung des Steuerungsausschusses am Donnerstag, 23. Mai, sollen die Kommunalpolitiker über das Papier in nichtöffentlicher Sitzung beratschlagen. Dem TV liegt die Beschlussvorlage vor, die nach der Diskussion im Steuerungsausschuss in der Stadtratssitzung am 28. Mai öffentlich gemacht werden soll.
Trier verliert an Attraktivität



Die Einkaufsstadt Trier habe in den vergangenen knapp zehn Jahren an Einzelhandelszentralität verloren, heißt es in dem Papier. Die Einzelhandelszentralität beschreibt, wie viel Geld Kunden von außerhalb in Trier ausgeben. Sinkt diese Quote, bedeutet das, dass Trier an Attraktivität verliert und sich die Wettbewerbsposition der Stadt verschlechtert hat. Dass in Luxemburg in den nächsten Jahren bis zu 68 500 Quadratmeter neue Verkaufsfläche in Centern entstehen soll, würde für Trier einen "weiteren Kaufkraftrückgang in Höhe von 45 bis 55 Millionen Euro pro Jahr" bedeuten, so die Vorlage. Es sei notwendig zu überlegen, wie die Innenstadt zukunftsfähig gemacht werden könne.

In diesem Kontext stehen laut Beschlussvorlage die Absichten der ECE, die seit mehr als 15 Jahren an Trier interessiert sei. Die zunächst allgemeinen Gespräche seien vor acht Monaten konkretisiert worden. Dabei sei das "Einverständnis herbeigeführt worden, dass die Investitionsabsichten der ECE hinsichtlich Standortfestlegung, Größendimensionierung und Sortimentierung und damit die Verträglichkeit zur gegebenen Einzelhandelsstruktur - insbesondere bezogen auf die Innenstadt - gemeinsam voruntersucht werden soll", erklärt Oberbürgermeister Klaus Jensen in der aus seinem Dezernat stammenden Beschlussvorlage.

Einen Namen hat das unter städtischer Regie geführte Konzept bereits: Strategisches Entwicklungs- und Nutzungskonzept Innenstadt (Seni). Externe und von der Stadt bezahlte Moderatoren, Berater und Fachbüros sollen dieses Konzept zusammen mit der ECE, Bürgern, Institutionen, Verbänden und Einzelhandel erarbeiten.
In spätestens zwei Jahren soll Seni fertig sein. ECE und Stadt sollen dann frei entscheiden, ob der Bau von keinem, einem oder gar zwei Shoppingcentern sinnvoll ist. Fällt Seni für die ECE positiv aus, wäre eine Investition schneller möglich, als wenn die Stadt ein solches Konzept zunächst alleine entwickeln und dann auf Investorensuche gehen würde. So könne "wichtige Zeit im Wettbewerb mit anderen Standorten gewonnen werden", argumentiert Jensen.Stadt bootet Investor aus


Für die Dauer der Konzeptentwicklung verpflichtet sich die Stadt laut Paragraf 4 des Vertrags "keine Verhandlungen mit anderen Entwicklern, Bauträgern und Investoren zu führen". Diese Exklusivitätsklausel könnte Kritiker auf den Plan rufen. Insbesondere, weil zwei weitere Shoppingcenter-Entwickler ebenfalls Interesse bekundet haben: Die MFI AG aus Essen ist allerdings offenbar bereits ausgebootet worden. "Wir sind einer der größten Entwickler innerstädtischer Handelsquartiere und waren seit 2011 mit Trier im Gespräch. Leider erhielten wir von der Stadtverwaltung Mitte 2012 ein Schreiben, dass kein Interesse an der Entwicklung eines Handelsquartiers bestehe", beschwert sich MFI-Vertreter Armin Elsen in einem Schreiben an die Stadtratsfraktionen.

Die Sonae Sierra GmbH aus Düsseldorf, die weltweit mehr als 70 Einkaufszentren betreibt, hat ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen: "Als Spezialist für Einzelhandelsentwicklung sind wir sicher, dass wir einen wertvollen Beitrag leisten können, um die beste Lösung für die Stadt Trier zu finden", schreibt Sierra-Deutschlandchef Thomas Binder an Jensen und die Fraktionen. Er vertraue darauf, dass Trier die "notwendigen Maßnahmen ergreift" und die möglichen Standorte "im Rahmen eines öffentlichen Investorenwettbewerbs vergibt".Extra

Obwohl noch nichts entschieden ist, sorgt die potenzielle Ansiedlung eines ECE-Shoppingcenters bereits für Wallung. Vor wenigen Tagen haben mehrere Trierer Immobilienbesitzer ein Schreiben in ihren Briefkästen gefunden. Darin postuliert die Düsseldorfer Maklergesellschaft Comfort, in Trier gäbe es "konkrete Planungen, ein weiteres Shoppingcenter zu realisieren". Die Comfort-GmbH habe "ähnliche Entwicklungen in vielen Städten bundesweit analysiert", heißt es weiter. Das Ergebnis: "Es wird Lagen geben, die an Bedeutung verlieren, und es wird eine Phase geben, da ist der Centerentwickler so stark im Mietermarkt aktiv, dass Vertragsabschlüsse in den A-Lagen schwieriger werden und Mieten sinken." Ein "Verkauf" oder auch eine "Neuvermietung" könne daher bereits "zum jetzigen Zeitpunkt unter Umständen einen deutlichen Mehrwert bringen", erklärt Comfort weiter - um sich selbst im nächsten Satz als Berater für solche Immobiliengeschäfte anzubieten. Triers Wirtschaftsdezernent Thomas Egger findet diesen Akquiseversuch "zumindest fragwürdig". Die Comfort-GmbH argumentiere "mit Mutmaßungen und Hypothesen. Hier versucht man, mit spekulativen Annahmen Unsicherheit zu erzeugen", kritisiert Egger. "Nichts lag uns ferner, als mit unserem Schreiben zu verunsichern", rechtfertigt sich Comfort-Geschäftsführer Frank Kaiser. Man habe lediglich "Immobilienbesitzer frühzeitig informieren und sensibilisieren" wollen. Liefen Mietverträge in der Phase aus, in der das Center seine Flächen vermietet, könnte es schwierig werden, bisherige Pachthöhen zu halten. Deshalb habe Comfort den Immobilienbesitzern einen "Informationsaustausch" angeboten. Dass ein solcher Beratungsbedarf bestehe, würde die Zahl der Rückmeldungen zeigen. wocExtra

Wie geht es weiter mit dem Einzelhandel in Trier? Wie viele Geschäfte braucht die Stadt, um gegen die drohende Konkurrenz in Luxemburg zu bestehen? Wie bedrohlich ist ein neues Einkaufszentrum für den gewachsenen Einzelhandel in der City? Diese und weitere Fragen macht der Volksfreund zum Thema eines TV-Leserforums. Geplanter Termin ist Mittwoch, der 12. Juni, in der Europahalle in Trier. Beginn: 19.30 Uhr. Eingeladen werden Vertreter des Einzelhandels, der Stadt Trier, des Entwicklers ECE und Entscheider aus den Stadtratsfraktionen. Und auch die Besucher kommen an diesem Abend natürlich zu Wort. Das TV-Forum werden wir mit einer ausführlichen Vorberichterstattung zum Thema Einzelhandel und Shoppingcenter in den kommenden Wochen vorbereiten. Fragen oder Anregungen zum TV-Forum können Sie uns per E-Mail an trier@volksfreund.de stellen. mic

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