Neujahrsempfang der Trierer SPD: Lob für die Partei, ein Plädoyer für Europa und ein Helau auf die Vielfalt

Neujahrsempfang der Trierer SPD: Lob für die Partei, ein Plädoyer für Europa und ein Helau auf die Vielfalt

Mehrere Hundert Gäste haben in Trier zusammen mit der SPD den Neujahrsempfang in den Viehmarktthermen begangen. Darunter waren gleich zwei närrische Tollitäten, zahlreiche aktuelle wie frühere SPD-Größen und als Gastredner ein profilierter, bundesweit bekannter Journalist.

Wenn die Trierer SPD in der Regel am ersten oder zweiten Sonntag im neuen Jahr zum Empfang in den Viehmarktthermen lädt, dann ist das so etwas wie ein Klassentreffen für viele Genossen: Da kommen viele ehemalige sozialdemokratische Größen aus der regionalen wie überregionalen Politik zusammen - etwa der Ex-Bundestagsabgeordnete Karl Diller, Ex-Landtagspräsident Christoph Grimm, Ex-ADD-Präsident Josef-Peter Mertes, Ex-Oberbürgermeister Klaus Jensen und die Ex-Dezernenten Peter Dietze, Walter Blankenburg und Jürgen Grabbe. Da sind aber auch viele heutige SPD-Prominente wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer, SPD-Generalsekretärin Katharina Barley und der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Daneben natürlich viele Parteimitglieder vom Säugling bis zum Greis, Gäste aus den anderen Parteien und Honoratioren aus der Stadt.

Auch gleich zwei närrische Hoheiten kann SPD-Chef Sven Teuber an diesem Sonntag in den Viehmarkt-Thermen begrüßen: die gerade am Vorabend inthronisierte Prinzessin Tanja I. und den Ehranger Prinzen Andrew I.. Letzterer, gebürtiger Südafrikaner, bekennt sich auch gleich als überzeugter Sozialdemokrat, hält eine kurze Rede über den hohen Wert von Toleranz und lässt die Gäste ein Helau auf Ehrang, die SPD und die Vielfalt schmettern. Die Trierer Bundestagsabgeordnete Katarina Barley macht dann, was sie bis zur Bundestagswahl im September in ihrer Funktion als SPD-Generalsekretärin noch oft tun wird: Sie macht ihrer Partei Mut. "Zeiten des Wandels waren immer Zeiten, in denen die Sozialdemokraten besonders gebraucht wurden", sagt sie und verweist angesichts der eher düsteren Umfragewerte für die Bundespartei darauf, dass dies vor einem Jahr in Rheinland-Pfalz auch nicht viel besser ausgesehen habe. Eine Vorlage, die Ministerpräsidentin Malu Dreyer dankbar aufnimmt. Von einem Rückstand von fast zehn Prozentpunkten auf die CDU habe die Partei es bei der Landtagswahl dennoch auf einen Vorsprung von fünf Prozentpunkten geschafft. "Das kann niemals eine Person alleine, dafür braucht es viele Unterstützer", sagt Dreyer. Fürs neue Jahr gibt sie sich kämpferisch: "Ich habe über Weihnachten ausgeschlafen und starte mit großer Tatkraft." Sie ruft dazu auf, sich für die Demokratie einzusetzen - und nimmt als konkretes Beispiel die geplante Kundgebung rechtspopulistischer europäischer Parteien, die sich am 21. Januar zu einer Kundgebung in Koblenz treffen wollen (volksfreund.de berichtete).

Der europaweit zunehmend erfolgreichere Rechtspopulismus, nationalistische und anti-europäische Bewegungen - all das macht auch Heribert Prantl Sorgen. Der bundesweit bekannte Politik-Journalist, Mitglied der Chefredaktion bei der Süddeutschen Zeitung, hält als Gastredner ein engagiertes Plädoyer für die europäische Idee. Ausgehend von einer Interpretation der biblischen Weihnachtsgeschichte ruft er die Segnungen der europäischen Vereinigung in Erinnerung. "Aus dem Traum Europa, so scheint es, ist ein Alptraum geworden", sagt Prantl, stellt dieser skeptischen Sicht angesichs von Euro-Krise, Bürokratismus und nationalistischen Bestrebungen aber die grundsätzlich positive Einschätzung der europäischen Vereinigung entgegen: "Wir haben verlernt, das Wunder zu sehen, das Wunder Europas." Trotz aller Schwächen sei die europäische Einigung "ein welthistorisches Friedensprojekt". Die Menschen müssten wieder erleben, dass Europa ihr Leben einfacher macht und Probleme löst, die ein einzelner Staat nicht lösen kann. "Wir brauchen nicht mehr Europa, nicht weniger Europa, wir brauchen ein besseres Europa", sagt Prantl und bekommt für seine Rede langanhaltenden Beifall.

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