Neuschnee in Massen: Großkampftag auch für Abschleppdienste in der Region Trier

Wetterfolgen : Neuschnee in Massen: Großkampftag auch für Abschleppdienste in der Region Trier

Autos, die in den Graben gerutscht waren, und ein LKW, der auf der A1 drohte, die Böschung abzustürzen: Viel zu tun hatten am Donnerstag auch die Bergungsunternehmen in der Region Trier.

„Alles normal - zumindest für dieses Wetter“, berichtet Jürgen Elsen von der Trierer Firma Autohilfe Buschmann. Das Unternehmen transportiert nach Unfällen kaputte Fahrzeuge ab. Liegen diese tief im Graben, kommen auch schonmal Autokräne zum Einsatz. Gegen 3 Uhr in der Nacht zum Donnerstag ging’s bei heftigem Schneefall für die acht Buschmann-Fahrer los. Bis zum Mittag waren es 30 Aufträge. „Bei so einer großen Zahl an Einsätzen müssen wir Prioritäten setzen“, sagt Elsen. Zuerst werden die Autos und Kleintransporter geborgen, die für Verkehrsbehinderungen und Rückstaus auf den Straßen sorgen. Damit die Unfallgefahr gebannt ist und der Verkehr wieder fließen kann. „Wer irgendwo in den Graben geraten ist, wo er im Grunde niemanden stört, muss dafür leider schonmal länger warten“, sagt Elsen. Am Donnerstag konnten das auch schonmal drei Stunden sein.

Noch viel länger ausharren musste der Fahrer eines LKW, der sich bereits am Mittwochnachmittag im ersten dichten Schneegestöber auf einem Feldweg bei Waldrach mit seinem 40-Tonner festgefahren hatte. Was der riesige Sattelzug auf einem Feldweg zu suchen hatte? „Das wissen wir auch nicht, aber der Fahrer ist wohl strikt nach Navi gefahren und dachte aus unerfindlichen Gründen offenbar, über den Feldweg, das wird schon richtig sein“, berichtet Gerd Alt von der Trierer Firma Steil Kranarbeiten, die Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen birgt. Der Sattelzug des von seinem Navi fehlgeleiteten LKW-Fahrer hatte sich so verkeilt, dass er beim ersten Versuch der Bergung nicht los kam. Und am Donnerstag musste dieser Feldweg-Fall dann warten, bis die anderen, wichtigeren Notfälle erledigt waren. Erst gegen 16 Uhr war der verirrte LKW wieder fahrbereit.

Die Steil-Fahrer waren im Drei-Schicht-Betrieb zuvor die ganze Nacht mit drei Abschleppwagen unterwegs: Die großen Vierachser mit Allradantrieb, Schneeketten und so genannter Achsdifferential-Technik, die dafür sorgt, dass auf rutschigem oder abschüssigem Gelände die Antriebsräder weiter greifen, also Grip haben.

Schließlich müssen die Bergefahrzeuge überall hinkommen - auch, wenn ein Streu- und Räumfahrzeug, das ja eigentlich die Straßen für andere frei von Eis und Schnee halten soll, mal in Schieflage geraten ist. So wie am Freitag in einem kleinen Ort hinter Morbach im Hunsrück: „Ja, auch Streufahrzeuge müssen wir hin und wieder bergen - das sind aber ja auch die, die Mitten in der Nacht und im dicksten Gestöber unterwegs sind, was natürlich überhaupt nicht ungefährlich ist“, sagt Elsen.

Apropos Gefahr: „Alle unsere Fahrer, die an den beiden Tagen jetzt im Einsatz waren, haben mir unisono berichtet, dass häufig Autofahrer mit Schuld daran waren, wenn LKWs ins Rutschen gerieten“, berichtet Elsen. Sind Laster auf der Autobahn langsam, aber stetig unterwegs, würden manche Autofahrer meinen, Überholen sei eine gute Idee. „Wenn die Autos dann vor den LKW einscheren und dann selbst langsam machen, muss der LKW-Fahrer vom Gas gehen. Das kann schon dafür ausreichen, dass die LKW-Reifen ihren Grip verlieren und der Sattelzug ins Rutschen gerät. Und wenn so ein großer Lastwagen erstmal rutscht, dann ist es meist schon zu spät“, sagt Elsen.

Der Unfall, bei dem ein 40-Tonner am Freitagmittag auf der A1 bei Mehring in eine abschüssige Böschung geraten war, sei womöglich genau so verursacht worden, meint Elsen. Die Auswirkungen waren heftig: Der LKW hing so schief im Graben, dass er laut Polizei abzustürzen drohte. Zur Bergung musste zeitweise die komplette Fahrbahn der A 1 gesperrt werden.

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