Neustart für Dachmarke Mosel

Regionalentwicklung : Die Moselkrone hat ausgedient

Es läuft offensichtlich nicht rund bei der Dachmarke Mosel. Deshalb soll nun ein Geschäftsführer die Sache in die Hand nehmen.

Fehlende Klarheit, geringe finanzielle und personelle Ausstattung der Marke, mangelnde Herausarbeitung der Mehrwerte, fehlende Vermittlung des Wir-Gefühls und so weiter. Das Urteil über den Misserfolg der Dachmarke Mosel stammt aus dem Jahr 2016 und stellt zwei Jahre später mehrere Kreistage und den Stadtrat Trier vor die entscheidende Frage: Soll die seit 2006 bestehende Initiative fortbestehen, oder soll die gelbe Mosel-Krone als Zeichen der Marke still und leise zu Grabe getragen werden?

Geht es nach den Kommunalpolitikern im Landkreis Trier-Saarburg, hat die Dachmarke eine Zukunft. Laut Beschlussvorlage für die Kreistagssitzung am Montag soll der Kreis analog zum Landkreis Bernkastel-Wittlich sowie die Stadt Trier in den kommenden Jahren jährlich jeweils 29 000 Euro für die Fort­entwicklung der Dachmarke zahlen. Der Landkreis Cochem-Zell soll 20 000 Euro zahlen, Mayen-Koblenz 10 000 Euro. 

Das vorläufige Ja der Trier-Saarburger ist offensichtlich kein uneingeschränktes. In der vorbereitenden Kreisausschusssitzung hat es sieben Ja-Stimmen, zwei Neinstimmen und zwei Enthaltungen gegeben. Landrat Günther Schartz hatte für eine Unterstützung geworben. Die Dachmarke Mosel werte die regionalen Erzeuger auf, gleichwohl müsse sie nachhaltiger ausgerichtet werden. Das geschehe bisher meist nur über EU-Förderprogramme. Schartz erinnerte daran, dass Lothringen bei der Mosel in die Vollen geht. Die französische Moselregion werde jährlich mit 4,5 Millionen Euro gefördert.

Sabina Quijano (Grüne) ist gegen eine Förderung gewesen. Die Dachmarke habe genügend Zeit gehabt, sich „zu berappeln“, diese Zeit aber nicht genutzt. Auch Alfons Maximini (SPD) bezweifelte, dass die Dachmarke viel bringt. Selbst Mitglieder wüssten nicht, was die Initiative mache. Karl-Georg Schroll (Piraten) sagte, es fehle das Bewusstsein für die Marke. In den Dörfern habe sich nichts entwickelt, was sich dem Bürger aufdränge. Für eine Unterstützung haben sich hingegen Claus Piedmont (FDP) und Markus Thul (CDU) ausgesprochen. Es mangele zwar an der Vernetzung und am Bekanntheitsgrad, so Thul, aber in einzelnen Gemeinden gäbe es bei der Zertifizierung von Betrieben und Produkten positive Ansätze (siehe Info).

Der Kreistag Bernkastel-Wittlich hat der Gründung des neuen Vereins und der Finanzierung einer entsprechenden Stelle für fünf Jahre am Montag einstimmig zugestimmt. Landrat Gregor Eibes hatte sogar, analog zur Entscheidung des Kreises Cochem-Zell, auf einen Beschluss für eine dauerhafte Finanzierung gehofft und machte deutlich: „Wenn eine der Kommunen ausschert, ist das Thema wahrscheinlich gegessen.“

Der Stadtrat Trier hat sich noch nicht entschieden, ob er beim Neustart mitmacht. Erst muss sich der zuständige Ausschuss mit dem Thema erneut befassen. Das geschieht aufgrund eines Änderungsantrags der SPD. Dazu sagt Carl-Ludwig Centner: „Es gibt noch einige Fragen zu klären.“ Unter anderem möchte er, dass es eine sogenannte Meilensteinprüfung gibt. Denn es müsse ein Korrektiv geben, um entscheiden zu können, ob die Neuausrichtung erfolgreich sei oder nicht.

Der Kreistag Cochem-Zell wird sich wie das Trier-Saarburger Gremium am kommenden Montag mit dem Thema befassen. Der Kreistag Mayen-Koblenz hat der Fortführung bereits Ende November mit einer Einschränkung zugestimmt. Nach drei Jahren soll geprüft werden, ob sich das weitere finanzielle Engagement lohnt.

Machen alle Kommunen wie geplant mit, stehen jährlich 117 000 Euro zur Verfügung. Dafür soll eine Geschäftsstelle in Wittlich betrieben  und ein Projektmanager bezahlt werden. Das kostet zusammen 72 000 Euro. Das restliche Geld soll für Kommunikation nach innen, Online-Plattform, Broschüren, Moselkongress und Marktforschung ausgegeben werden.

Das bisher verwendete Erscheinungsbild WeinKulturLand Mosel mit seinem gelben Schriftzug soll nicht mehr benutzt werden. Künftig soll der Schriftzug Mosel in Anlehnung an das Logo des Werbeauftritts der Weinwirtschaft als Klammer dienen. Anders als bisher sollen nicht nur die Bereiche Kultur, Natur und Landschaft beworben werden. Angedacht ist auch der Bereich Wirtschaft.

Verabschieden wollen sich die Macher von den bisherigen strengen Kriterien, die ein Produkt erfüllen musste. Stattdessen setzt man auf eine Selbstverpflichtung der Betriebe. Es ist von einem niederschwelligen Zugang zur Marke die Rede, „um möglichst viele Betriebe mitzunehmen“. Jeder Bereich soll seine eigenen Qualitätsansprüche selbst festlegen. Zudem soll die derzeit als loses Netzwerk miteinander verbundene Regionalinitiative „künftig in einer verbindlichen und handlungsfähigen Struktur organisiert werden“.

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