Neustraße Trier: Wenig Begeisterung für mehr Fußgängerzone

Verkehr : Neustraße Trier: Wenig Lust auf mehr Fußgängerzone

Der Trierer Stadtrat hat die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zur Verkehrsberuhigung der Neustraße zu erarbeiten. Passiert ist wenig. Die Idee einer Fußgängerzone scheint für Anlieger keine Priorität zu haben.

Die Fußgängerzone von Trier ist in Kombination mit den vielen Zeugnissen der Geschichte der Schlüssel für den Erfolg als Einkaufsstadt und Touristenziel. Insbesondere die sich in südlicher Richtung anschließende Neustraße hat sich den Ruf erworben, mit ihren kleinen Geschäften und Gastronomiebetrieben besondere Einkaufserlebnisse zu bieten. Wer in dem offiziell verkehrsberuhigten Straßenabschnitt zwischen Kaiser- und Pfützenstraße aber bedenkenlos bummeln will, muss sich vorsehen: Zeitweise massenhaft fahrende und parkende Autos machen das unmöglich. „Unsere Straße ist ein Juwel unter den Trierer Einkaufsstraßen“, sagt Beatrix Reitemeyer, Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Neustraße. „Die Verkehrssituation wird diesem Image jedoch nicht ganz gerecht.“

Erkannt hatte das im vergangenen Jahr auch der Trierer Stadtrat. Der Antrag der SPD-Fraktion, die komplette Straße noch 2018 zur Fußgängerzone zu machen, fand zwar keine Mehrheit. Einstimmig beauftragten in jener Sitzung im Juni aber alle Fraktionen die Verwaltung, zum ersten Quartal 2019 ein Konzept zu erstellen, wie – inklusive der Option Fußgängerzone – die Situation in der Neustraße verbessert werden kann. Geschäftsbetriebe, Grundstückseigentümer und der Ortsbeirat Mitte-Gartenfeld sollten daran beteiligt werden.

Foto: TV/Schmitz, Alexandra

Als die Sozialdemokraten im Trierer Rat nun in der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl nachfragten, klang die Antwort von Dezernent Andreas Ludwig (CDU) eher kleinlaut. Es habe mit der IG Neustraße einen Termin am 13. März gegeben, zu dem acht Anlieger gekommen seien. „Das Thema Fußgängerzone wurde nicht vonseiten der Anlieger thematisiert. Im Wesentlichen ging es um Themen der Gestaltung in der Straße beziehungsweise die Frage, wie der Parksuchverkehr unterbunden werden kann.“ Auch die Möglichkeit der Reduzierung von Parkplätzen und Kontrollen zur Verkehrsüberwachung seien Themen gewesen. „Eine Beteiligung des Ortsbeirats fand noch nicht statt.“

Die Skepsis der Verwaltung zu einer Ausweitung der Fußgängerzone auf die Neustraße gab Ludwig zu. Wegen der erheblichen negativen Auswirkungen auf die anliegenden Straßen und die Konsequenzen für den Verkehr im Viertel um das Angela-Merici-Gymnasium (AMG) seien weitere Untersuchungen und ein neuer Termin notwendig.

SPD-Ratsmitglied Rainer ­Lehnart war mit diesen Antworten nicht zufrieden. „Das ist mehr als dürftig“, warf er dem Dezernenten vor. Wie umstritten das Thema bei den Anliegern der Neustraße selbst ist, zeigt die Recherche des Trierischen Volksfreunds. So will IG-Sprecherin Beatrix Reitemeyer das „Teufelswort Fußgängerzone“ am liebsten gar nicht nennen. Es gebe keine repräsentative Umfrage dazu. „Unter den Mitgliedern der IG Neustraße gibt es allerdings sowohl Befürworter als auch Gegner einer Fußgängerzone. Auf jeden Fall ist es wichtig, den Verkehr auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, denn Fußgänger fühlen sich durch die vielen Autos belästigt und in ihrer Sicherheit gefährdet.“

Vorschläge, wie das erreicht werden könnte, haben die Geschäftsleute gemacht: „Das Wegfallen gekennzeichneter Parkplätze würde den Parksuchverkehr reduzieren, Autofahrer dürften dann nur noch für ein zügiges Be- und Entladen anhalten.“ Wichtig sei auch, eine Ausweichmöglichkeit für den Verkehr zu finden, der durch das Bringen und Abholen der AMG-Schülerinnen entstehe. „Und das allabendliche Zuparken der Straße müsste durch Kontrollen am Abend unterbunden werden.“

Die TV-Redaktion hat am Freitag gegen 13 Uhr vor dem Angela-Merici-Gymnasium Passanten zu einer möglichen Fußgängerzone an dieser Stelle befragt. Christa Heinz (56) aus Trier meint: „Mir täte es gut, allerdings müssten Anlieger noch ihre Wohnungen erreichen.“ Ihre Tochter Louise (25) stimmt ihr zu: „Mich haben die ganzen Autos schon wieder genervt.“ Auch Wiebke Bürner (30) aus Trier ist entschieden für eine Fußgängerzone in der Neustraße.

Nicht schwer war es allerdings, vor der Schule auch Gegenstimmen zu finden: „Ich bin dagegen. Wie soll ich meine Kinder denn von der Schule abholen?“, kommentierte zum Beispiel eine Mutter, die namentlich nicht erwähnt werden will.

Welche Lösungen sind sinnvoll, um die Situation in der Neustraße  zu verbessern? Der amtierende Stadtrat wird darüber nicht mehr entscheiden. Die Anlieger der Neustraße werden aber definitiv dafür sorgen, dass die Stadtverwaltung das Thema nicht mehr vergisst.

Wie ist Ihre Meinung zu einer Erweiterung der Fußgängerzone? Schreiben Sie uns an echo@volksfreund.de (Bitte vollständige Adresse angeben).

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