Nicht akzeptabel

Leserbrief zum Beitrag "Engstirnig und lebensfremd":

Dass sich der Bischof oder der Caritasverband in ihren Entscheidungen von bestimmten Gruppierungen, die ihre Kritik ziemlich rabiat vortragen, bestimmen ließen - dazu braucht es schon eine blühende Phantasie, die wenig von unserer Arbeitsweise kennt. Ebensowenig lassen wir uns aber beeinflussen von einer effekthaschenden Berichterstattung und phantasievollen Kommentaren. Dafür sind uns die Menschen, um die es geht, zu wichtig. Bis heute ist noch niemand, der Beratung oder Hilfe benötigte, in einer Caritaseinrichtung nach seiner religiösen Überzeugung gefragt worden. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Auffassungen innerhalb und außerhalb der Kirche gehört für uns zur alltäglichen Arbeit und hat nichts Spektakuläres an sich. Dass der Caritasverband aus dem Regionalen Aidsbeirat ausscheidet, ist eine Erfindung des TV, von der wir bis heute selber nichts wissen. In unserer Stellungnahme ist die Rede von einer "Überprüfung der Kooperation", um strukturelle Fragen dieses Gremiums zu klären. Als katholischer Verband ist es für uns nicht akzeptabel, ohne unser Wissen für eine Ausstellung vereinnahmt zu werden, deren Konzeption und Methodik wir in bestimmten Teilen ablehnen. Diese Auseinandersetzung um ein christliches Menschenbild ist das Gegenteil von Engstirnigkeit. Wir lassen uns auch von einer breiten Meinungsströmung nicht ausreden, dass verantwortete Sexualität etwas mit verlässlichen Beziehungen zu tun hat und sich die Probleme nicht einfach mit technischen oder pharmazeutischen Produkten lösen lassen. Unser soziales Engagement speist sich aus der Dynamik des christlichen Glaubens. Wer auf billige Art die "Menschen" und das "Dogma" als sich ausschließende Welten darstellt, hat weder unseren Glauben noch unsere alltägliche Arbeit verstanden. Aids-Kranke sind nach wir vor besonders benachteiligte Menschen, die immer noch stigmatisiert werden und besondere Unterstützung und Solidarität brauchen. Dies gilt umso mehr, als von Aids zunehmend die sozial Schwachen unserer Gesellschaft betroffen sind. Sie bleiben eine Aufgabe der Caritas. Franz Josef Gebert Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes Trier