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"Nicht geschockt, aber erstaunt"

"Nicht geschockt, aber erstaunt"

Reibungslos gelaufen ist am Trie rer Stadttheater offenbar nicht viel, seit Generalintendant Karl Sibelius das Ruder übernommen hat. Das hat die Untersuchung des Rechnungsprüfungsausschusses ergeben (der TV berichtete). Dass die Misere eine Grundsatzdebatte auslöst, ob Trier überhaupt ein Theater benötigt - und wenn Ja, dann vielleicht in abgespeckter Form - scheint allerdings unwahrscheinlich.

Trier. Nein, geschockt sei er von dem Ergebnis der umfangreichen Untersuchungen der Theater-Misere nicht, erklärt Wolfram Leibe auf TV-Nachfrage. Schließlich war er nicht nur als Oberbürgermeister, sondern auch als Mitglied des Rechnungsprüfungsausschusses an der Aufdeckung der Missstände beteiligt und habe daher geahnt, was letztlich alles ans Tageslicht kommen könnte. "Aber ich bin durchaus erstaunt darüber, bis in welche Details da handwerkliche Fehler gemacht wurden."
Tatsächlich ist das Fazit des Prüfungsausschusses vernichtend: "Es gibt keine Finanzplanung und Kostenkalkulation. Ein zielführendes Finanzcontrolling fand weder intern im Theater noch seitens des Dezernats statt. Die Anzahl der Gastkünstler und Aushilfskräfte wurde erheblich gesteigert, jedoch nicht durch entsprechende Einsparungen bei den sonstigen Personalkosten kompensiert", heißt es in dem Bericht. Zudem lasse "die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen und Abteilungen des Theaters zu wünschen übrig". Wiederholte Spielplanänderungen und die vielen Aufführungen an anderen Spielstätten - Walzwerk, Kasino, Landgericht - hätten zu "erheblichen personellen, finanziellen und organisatorischen Problemen" geführt. Insgesamt habe sich die vom Stadtrat beschlossene Umstrukturierung des Theaters "mit der Einstellung eines Intendanten mit Managementschwerpunkt nachträglich als Fehlentscheidung herausgestellt."
Prüfungsausschuss tagt heute


Die Wurzel allen Übels steht für Oberbürgermeister Wolfram Leibe fest: "Es war ein Fehler, die Stelle eines Generalintendanten mit voller Verantwortung für Kunst und Finanzen auszuschreiben, aber nicht die Strukturen und das Backoffice zu schaffen, die für das Funktionieren einer solchen Konstruktion notwendig sind."
Bei der nichtöffentlichen Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses am heutigen Dienstag soll es daher auch darum gehen, wie das Theatergefüge und die Organisation verändert werden müssen. Öffentlich informieren will Leibe über den Prüfbericht und den Sachstand der Beratungen in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 17. November.
Ums Theater wird's bei dieser Sitzung ohnehin gehen: Die AfD hat beantragt, den vom Rat 2013 gefassten Grundsatzbeschluss aufzuheben, das Trierer Kulturhaus als Drei-Sparten-Betrieb mit Schauspiel, Oper und Tanz zu erhalten. Grund dafür sei nicht die aktuelle Misswirtschaft am Theater. Vielmehr erscheine ein Drei-Sparten-Betrieb angesichts der allgemeinen Finanzlage der Stadt und "veränderter gesellschaftliche Verhältnisse, die sich im Kulturbetrieb zunehmend niederschlagen", nicht mehr "zeitgemäß", erklärt AfD-Chef Michael Frisch. "Nachlassendes Publikumsinteresse und ein großes alternatives Angebot im Kulturbereich verbieten ein starres Festhalten an überkommenen Strukturen mit exorbitant hohen öffentlichen Suventionen." Dazu komme, dass eine Sanierung des Theaters als Drei-Sparten-Haus viel teurer sei als in einer abgespeckten Version.
Kein Spielball der Machtpolitik


CDU und Grüne haben dem Vorschlag der AfD eine klare Absage erteilt. "Wir stehen zum Drei-Sparten-Haus", hat CDU-Chef Udo Köhler bei einer Info-Veranstaltung zum Theater erklärt. "Wir stehen nach wie vor voll umfänglich zum Erhalt des Drei-Sparten Hauses", teilt auch Grünen-Sprecherin Petra Kewes per Pressemitteilung mit, in der es weiter heißt: "Das Theater ist für diese Stadt zu wichtig, als dass wir es als Spielball verschiedener machtpolitischer Ränkespiele kaputt gehen lassen dürfen. Die ganze Diskussion um Spartenschließung, künftige Struktur des Hauses und die Rolle einzelner Personen spielt vor allem denjenigen in die Hände, welche aus populistischen Gründen das Theater in Gänze infrage stellen."Extra

Oberstaatsanwalt Peter Fritzean hat am Montag den Eingang eines von der AfD gestellten Strafantrags gegen Kulturdezernent Thomas Egger und Intendant Karl Sibelius bestätigt. Die Partei hat Anzeige wegen des Verdachts auf Veruntreuung gestellt. "Wir prüfen jetzt, ob der Sachverhalt Anlass bietet, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten", erklärte Fritzen auf TV-Nachfrage. Auf einen Zeitraum, binnen dessen die Sache entschieden werde, könne er sich nicht festlegen. woc