Nicht länger ratlos in Ruinen

Trier · In Amphitheater, Porta Nigra und Kaiserthermen wurde jetzt der erste Teil eines Besucherleitsystems umgesetzt - fast zehn Jahre nach dessen Planung.

Trier. Besucher von Porta Nigra, Amphitheater und Kaiserthermen erhalten seit einigen Wochen am Eingang ein Faltblatt, das sie durch die Anlage lotst: Auf einer Seite zeigt es eine Grafik des Denkmals, die von informativen Texten umrahmt ist. Die Blätter beenden ein lange bestehendes Missverhältnis zwischen der Bedeutung der Denkmäler und deren Präsentation.
Denn wer bisher ohne separat gekauftes Tourenheft etwa die Kaiserthermen besichtigte, fand sich nach dem Verlassen des Besucherzentrums ratlos in den Ruinen - hier und da hängen eher lapidare Blechschilder ("Frigidarium"), von denen man fast annehmen könnte, ein Römer habe sie einst aufgehängt.
Dabei waren die neuen Faltpläne schon lange angekündigt: 2002 rief das Land Rheinland-Pfalz einen europaweiten Wettbewerb ins Leben: Gefordert wurde die "Entwicklung eines Informations-, Leit- und Orientierungssystems (ILOS) für die staatlichen Burgen, Schlösser und Altertümer des Landes Rheinland-Pfalz".
Verzicht auf sperrige Schilder


Das Rennen um das Preisgeld von 20 000 Euro und die Verwirklichung ihrer Entwürfe machten im Januar 2003 die Kommunikations-Designer Adler & Schmidt in Kooperation mit dem Architekturbüro Meuser. Damit konnten sie sich gegen 127 Mitbewerber durchsetzen.
Die beiden Berliner Firmen konzipierten das durchgängige System mit den Faltblättern, welches die über 70 Liegenschaften präsentieren soll - und zwar so, dass man auf sperrige Schilder möglichst verzichten konnte. Am Denkmal selbst sollen nur an zentralen Orientierungspunkten dezente Beschriftungen oder Piktogramme angebracht werden. Weitere multimediale Mittel oder - für Besucher mit Sehbehinderungen - tastbare Modelle sollen das System je nach Objekt ergänzen.
Nach der Preiswürdigung durch die Jury, der Entwurf setze "die gestellte Aufgabe eigenständig, nahezu poetisch um" und sei an jedem der vorgegebenen Orte einsetzbar, ging es zügig an die Realisierung: Bereits 2004 wurde das System an der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz installiert - dort hat als Teil der "Generaldirektion Kulturelles Erbe" (GDKE) auch die Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer (BSA) ihren Sitz: Sie will das kulturelle Landeserbe sichern und Denkmäler verständlich und lebendig präsentieren.
Doch nachdem auch einige Liegenschaften im Mittelrheintal mit dem System ausgestattet wurden, scheint der Elan etwas nachgelassen zu haben: In Trier wartete man bisher vergeblich auf Faltblättchen und Metallbuchstaben.
Zeitplan wurde rasch Makulatur


Die GDKE verweist bei Nachfrage auf die Tatsache, dass die Liegenschaften aufgrund ihrer hohen Anzahl nicht gleichzeitig, sondern gruppiert in aufeinanderfolgenden Bauabschnitten bearbeitet würden. Trier gehöre dabei zum zweiten Abschnitt, dessen Ausführung planmäßig für die zweite Jahreshälfte 2011 vorgesehen sei.
Der erste Zeitplan war allerdings schnell Makulatur: Der GDKE-Generaldirektor Thomas Metz sicherte bereits im Juni 2006 zu, das Besucher-Leitsystem werde rechtzeitig zur Konstantin-Ausstellung, also im Frühjahr 2007, installiert sein.
Nachdem jahrelang lediglich eine Videoanimation im neuen Besucherzentrum der Kaiserthermen von den einstigen Multimediaplänen Zeugnis ablegte, ist anlässlich des Tags des offenen Denkmals im September jetzt Bewegung in die Sache gekommen. Unsicher ist allerdings weiterhin, ob die Elemente, die unmittelbar an den Denkmälern angebracht werden sollen, tatsächlich noch vor der nächsten Saison an ihren Platz kommen.
Immerhin finden sich zumindst einige der speziell entworfenen Piktogramme schon seit Jahren in den Kaiserthermen: auf den Türen zu den Toiletten.