Nicht mehr der Mann für die schwierigen Fälle
Trier/Konz · Klaus Rümmler, früherer Vorsitzender von SPD und Arbeiterwohlfahrt Trier, bedauert es nicht, als Ruheständler nicht mehr im Rampenlicht zu stehen: "Das habe ich auch in aktiven Zeiten nicht gerne getan." Morgen, Sonntag, feiert er seinen 70. Geburtstag im kleinen Kreis.
Trier/Konz. Um Triers einstigen Vorzeige-Sozialdemokraten ist es merklich ruhiger geworden. "Ich sehe das positiv", weist Klaus Rümmler jegliche Vermutung weit von sich, er leide unter Publicity-Entzug. Durchaus nachvollziehbar, denn im politischen Rampenlicht hat er als "Mann für die schwierigen Fälle" meist dann gestanden, wenn es gewaltig gekracht hatte. Zum Beispiel, als er 1992 die Trierer SPD in ihrer tiefster Krise übernahm und als Vorsitzender wieder auf Kurs brachte. Oder 2000, als es galt, die Trierer Arbeiterwohlfahrt (Awo), oder das, was nach Misswirtschaft und Konkurs von ihr übrig geblieben war, wieder zukunftsfähig zu machen.
Den Awo-Vorsitz hatte Rümmler noch bis vor wenigen Monaten inne und ihn dann an Detlef Schieben (60) übergeben. Von Partei-Ämtern und dem Stadtratsmandat hatte er sich bereits in den späten 90er Jahren verabschiedet - ohne jegliches Getöse, aber mit beachtlicher Leistungsbilanz.
Klaus Rümmlers große Stärke war allerdings auch seine Schwäche: Immer für andere da sein, verfahrene Karren wieder flott machen und sich in ungezählten Stunden ehrenamtlicher Arbeit für die Partei und die Awo aufreiben - aber vor lauter Aufopferungsbereitschaft und Pflichtbewusstsein das eigene Ego ganz hinten anstellend und nie autoritär werdend. "Doch auch das hat letztendlich seine Vorteile. Man erkennt irgendwann, wer die wahren Freunde sind und wer einen ausnutzen will", sagt der gelernte Schriftsetzer, der seine Berufszeit als Stadtwerker beendete, ganz ohne Bitterkeit.
Parteipolitische Ambitionen hegt der 1969 in die SPD eingetretene untypische Ex-Funktionär "schon lange nicht mehr". Das einzige (Ehren-) Amt, das er noch bekleidet, ist das des Vorsitzenden des Awo-Betreuungsvereins Trier. Damit soll 2015 Schluss sein.
Neue Heimat in Konz
Auch, weil seine Gesundheit es nicht mehr zulässt. Was Anfangs "nur" nach Rheuma aussah, hat sich als Autoimmun-Erkrankung entpuppt. Rümmler, der niemals in eigener Sache jammern oder wehklagen würde, sagt darüber nur - mit ironischem Unterton - : "Mein Gesundheitszustand lässt ein wenig zu wünschen übrig."
Dennoch hofft er, "mit etwas Glück noch 15 oder 20 Jahre zu schaffen. Ich will bei allem Übel ja auch mein neues Heim genießen." Seit Anfang des Jahres wohnen Rümmler und seine Frau Ursula (57) mit Tochter Tina (32) und Schwiegersohn Andreas in Konz-Niedermennig unter einem Dach. Seine geliebte alte Heimatstadt Trier sieht der "waschechte Kraonenser" (aus dem Krahnengelände stammend) "oft genug - schon wegen der medizinischen Behandlungen."
Früher war Lesen sein Lieblingshobby, jetzt ist es Sam: So hat er seinen Bordercollie genannt, "der mich ganz schön auf Trab hält. Deshalb auch sind meine Ärzte so begeistert von ihm. Ich muss mich ja viel bewegen, auch wenn ich mal absolut keine Lust dazu habe." Hat er denn überhaupt Lust, seinen 70. Geburtstag zu feiern und dabei notgedrungen doch wieder im Mittelpunkt zu stehen? "Oh ja, damit kann ich ausnahmsweise gut leben, weil am Sonntag die ganze Familie zusammenkommt."
Sohn reist aus Abu Dhabi an
Sohn Marc (35) reist eigens aus Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) an, wo er als Manager eines großen Gesundheitszentrums arbeitet.
Gefeiert wird am Sonntagnachmittag in einem kleinen Kreis im Pavillon der Rudergesellschaft Trier am Zurlaubener Ufer - "ganz ohne Brimborium. Die Gäste sollen sich wohlfühlen, und ich will das auch tun." Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wunsch nach einem hohen Wohlfühlfaktor in Erfüllung geht, ist nach Klaus Rümmlers Einschätzung "ziemlich hoch. Die Zeiten, in denen ich immer wieder angehauen wurde: ,Da gibt es ein Problem\' und ,Klaus, kannst Du mal …?\', die sind ja längst vorbei".