Nicht nur Mainstream

TRIER. Schon seit zehn Jahren veranstaltet das Referat für Kirchenmusik im Bistum Trier alljährlich eine Werkwoche für angehende und bereits tätige Kirchenmusiker der Diözese. Für die in Ausbildung befindlichen Musiker gehört diese intensive Arbeitsphase zur Ausbildung, für die anderen ist es ein Weiterbildungsangebot.

Abschluss der Woche war auch in diesem Jahr ein Chorkonzert in der Trierer Basilika St. Paulin, bei dem es eine Gegenüberstellung von zeitgenössischer und klassischer Literatur der Musica sacra gab. Interpreten waren dabei ein Chor, der sich aus den Teilnehmern der Werkwoche bildete, die beiden Regionalkantoren Bernd Kämpf und Christoph Schömig als Organisten, der Saxophonist Michael Ludwig sowie einige Teilnehmerinnen, die als Vocalsolisten in Erscheinung traten. Das Konzert stand, wie die gesamte Werkwoche, unter dem Thema "Seligpreisungen" und nahm damit einen direkten Bezug auf das Neue Testament und den darin enthaltenen Leitlinien für das menschliche Leben. Aus dem klassischen Repertoire hatte man Arien und ein geistliches Konzert von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Antonin Dvorák und Felix Mendelssohn Bartholdy ausgewählt. Niemand erwartet, dass Kirchenmusiker auch als Gesangssolisten eine herausragende Rolle spielen müssen. Deshalb muss man den verschiedenen Sopranistinnen durchaus für ihre Beiträge Respekt zollen. Auch der Chor, der ja nur für dieses Projekt gebildet wurde, konnte mit einer respektablen Leistung aufwarten. Eine andere Frage ist, ob die Programmzusammenstellung und Abfolge wirklich glücklich war. Hier trafen die schon erwähnten klassischen Werke auf insgesamt fünf Kompositionen von Thomas Gabriel, dem, fast möchte man sagen, Haus- und Hofkomponisten der katholischen Großveranstaltungen. Sehr deutlich wurden doch die kompositorischen Qualitätsunterschiede zwischen den alten Meistern und den Werken Gabriels, die sich am Niveau des neuen Geistlichen Liedes orientierten. Ganz anders dagegen das zusätzlich im Programm aufgenommene Werk "Herr, bleibe bei uns" von Joachim Reidenbach. Er versuchte nicht, sich mit seiner für zwei Chöre und zwei Orgeln gesetzten Motette dem kirchenmusikalischen Mainstream anzupassen. Fraglich blieb allerdings, warum dieses klassische Abendgebet nicht an den Schluss des Konzertes gesetzt wurde. Von der Programmatik her hätte es mehr Sinn ergeben. Herzlicher Beifall dankte den Akteuren des Konzertes.