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Nicht saarländisch, sondern moselfränkisch

Nicht saarländisch, sondern moselfränkisch

LONGUICH. (DAJ) Die Mundart-Tournee "Mussik, Sprooch un Wein" des SWR ist im Land unterwegs. In Longuich präsentierten Künstler aus dem Saarland Lieder und Gedichte zum Nachdenken und zum Schmunzeln.

"Es ist die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken kann", sagt der Liedermacher Hans Walter Lorang aus Berus bei Saarlouis über das Moselfränkische. Hochdeutsch war für ihn früher wie eine Fremdsprache, in der ersten Schulklasse wurde noch auf Platt übersetzt. Dass auch an der Saar Moselfränkisch gesprochen wird, hat einen einfachen Grund. "Eigentlich gibt es gar kein Saarländisch", erklärt der Sänger. Geteilt wird das Land nämlich entlang einer Linie etwa von Völklingen nach Sankt Wendel in ein rheinfränkisches und ein moselfränkisches Dialektgebiet. Seit mehr als zwei Jahrzehnten steht Lorang inzwischen mit der Gitarre auf der Bühne und trägt seine Mundartlieder vor. Begleitet wird er dabei von Komponist und Keyboarder Richard Bauer. Das Publikum im gut gefüllten "WeinKulturgut" Longen-Schlöder in Longuich ist wie Lorang in den besten Jahren, überwiegend zwischen vierzig und sechzig. Es ist die Generation, für die "Platt schwätzen" noch selbstverständlich war. Unter Jugendlichen geht der Gebrauch der Mundart dagegen zurück. "Pass gut drauf auf, sonst geht sie dir verloren", heißt es daher auch in "Mei Sprooch", einer Liebeserklärung an den heimischen Dialekt, der hier alles andere als platt wirkt. Neben vielen nachdenklichen Tönen darf aber auch gelacht werden, etwa wenn Lorang seine Zuhörer mitnimmt auf "Toskana-Tour mit dem Kirchenchor" und das "r" dabei ganz unsaarländisch rollt wie ein Tenor. Und wenn Richard Bauer "Das Pferd" mit schnalzender Stimme durch den Refrain traben lässt, dann darf auch das Publikum mitsingen und hat sichtlich Freude daran, die Mundartreime zu ergänzen. Aus der Saarpfalz und damit dem rheinfränkischen Teil des Saarlandes stammt dagegen Relinde Niederländer. Verständigungsprobleme gibt es an der Mosel dennoch nicht. In Geschichten und Gedichten "midde aus em Lääwe" beschreibt sie Szenen aus dem Alltag - beim Friseur, in der Familie oder im Wartezimmer der Arztpraxis, eben überall dort, wo noch geredet wird, wie der Schnabel gewachsen ist. Darin liegt die Stärke des Dialektes, er lässt die Situationen lebensnaher erscheinen.