Nichts ist, wie es scheint

TRIER. Skulpturen und Reliefs aus Papier zeigt die Bildhauerin Ute Krautkremer noch bis zum 19. November in der Tufa Trier. Zentrales Thema der Ausstellung mit dem Titel "Inside-Out" ist die Verflechtung von Innen und Außen, ein Spiel mit unterschiedlichen Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Bizarre Objekte in warmen Farben schweben unter der Decke des Ausstellungsraums oder sinken von dort vermeintlich schwer auf stützende Würfel nieder. Fast augenblicklich verleiten sie zu Vergleichen und Einordnungen. Man meint überdimensionierte Kettenglieder oder rostige Schrottfragmente, an der Wand auch steinerne Reliefs wahrzunehmen. Aber bei Ute Krautkremer ist nichts, wie es scheint. Ihre Plastiken täuschen und täuschen vor. Was wie rostendes Metall aussieht, ist federleicht, dreht sich im Lufthauch und gibt plötzlich den Blick auf ungeahnte Hohlräume frei, entlarvt sich als bloße papierne Hülle. Die steinernen Reliefs in gebrochenen Weißtönen entpuppen sich als Holzkästen, auf die plastisch gegossenes Papier gespannt ist. Und sie bergen eine weitere Überraschung: Bildelemente, die der Betrachter sofort wahrgenommen hat, weil sie als positive Form in den Raum ragen, sind nicht bestimmend, sondern nur Überbleibsel eines Gestaltungsprozesses, der sich mit dem Negativ, der Vertiefung auseinander setzt. Das Spiel mit den Ambivalenzen hat bei Ute Krautkremer mit einer Weiterentwicklung ihrer ursprünglich keramischen Plastiken begonnen. "Ich wollte Kompaktes aufbrechen und nicht nur aufbauen" sagt sie. Die Negativform habe sie gereizt, das Innen, nicht nur das Außen. Weil die Keramik Grenzen setzte, ging sie zum Werkstoff Papier über, mit dem sie zunächst die Keramiken umhüllte. Die Hüllen verselbstständigten sich und sind heute Ausdruck eines spielerischen, aber auch gewachsenen Prozesses. Lange Trocknungszeiten bei Guss und Schichtung führen dazu, dass immer mehrere Werke gleichzeitig entstehen, die sich gegenseitig befruchten. Appell an das Assoziationsvermögen

Lust am Gestalten spricht aus allen Arbeiten sowohl in konsequenter Formgebung als auch opulenter Farbigkeit mit glasiert wirkenden Elementen. Es macht Spaß, den Objekten buchstäblich auf den Grund zu gehen, immer wieder die eigenen gewohnten Wahrnehmungen und Vorstellungen zu überprüfen. Auch mit den in der Ausstellung gezeigten Drahtbildern appelliert die Künstlerin an das Assoziationsvermögen des Betrachters. Aus flüchtigen Skizzen ragen Drähte, die durch Lichteinfall Schatten und damit ergänzende Linien aufs Bild werfen. Einige deuten Gläser mit ihrer Leichtigkeit und Transparenz an, andere verlieren sich im Abstrakten. Inside-Out ist ein spannender Ausflug in sich ständig ändernde Wirklichkeiten. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 17 Uhr; Donnerstag 17 bis 20 Uhr; Samstag und Sonntag von 11 bis 15 Uhr.

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