Nie mehr Sickergruben mit Überlauf

Nie mehr Sickergruben mit Überlauf

Laut EU-Richtlinie müssen bis Ende 2012 alle Haushalte an vollbiologische Kläranlagen angeschlossen sein. Für fast 500 Hauseigentümer in Außenbereichen der Verbandsgemeinde Trier-Land bedeutet das, dass sie ihre Sickergruben nicht mehr betreiben dürfen.

Trier/Kordel. Mit der Richtlinie 2000/60/EG, auch bekannt als Wasserrahmenrichtlinie, will die Europäische Union (EU) den Gewässerschutz vorantreiben. Ziel ist es, dass kein Abwasser mehr ungeklärt in die Umwelt gelangt. Umsetzen müssen das die Länder. Im Landeswassergesetz von Rheinland-Pfalz wird festgelegt, dass bis spätestens 22. Dezember 2012 keine der bisher üblichen Zwei- oder Dreikammer-Hauskläranlagen mehr zulässig sind. Das bedeutet das Aus für mechanische Absetzanlagen. Diese werden überwiegend in Außenbereichen betrieben, die nicht ans öffentliche Kanalnetz angeschlossen sind, etwa bei landwirtschaftlichen Gehöften und Wochenendhäusern.

479 Eigentümer betroffen



In den weitaus meisten Fällen handelt es sich um Gruben mit Überläufen - der flüssige Bestandteil des Abwassers läuft ab, während sich die Feststoffe unten absetzen. Sie müssen von Zeit zu Zeit von einem Entsorgungsunternehmen abgefahren werden. Nicht betroffen von der EU-Richtlinie sind geschlossene Gruben, in denen das ganze Abwasser zurückgehalten wird. Davon gibt es allerdings nur wenige, nicht zuletzt, weil sie wegen der größeren Masse, die dort anfällt, häufiger abgefahren werden müssen und dementsprechend teurer sind. Auch sind sie nur dort erlaubt, wo nicht dauerhaft gewohnt wird.

Alleine in der Verbandsgemeinde Trier-Land sind nach Angaben von Bürgermeister Wolfgang Reiland 479 Eigentümer von Außenbereichsgrundstücken ermittelt worden. Diese seien schriftlich von den VG-Werken über die Neuerung in Kenntnis gesetzt worden; ab Ende März sollen die Betroffenen in Versammlungen über Wege der Umsetzung informiert werden. Als Lösungen bieten sich entweder geschlossene Gruben oder handelsübliche Kleinkläranlagen an.

Werkleiter Jürgen Karst schätzt die Kosten für Anschaffung und Einbau einer Kleinkläranlage, die für ein Einfamilienhaus mit vier Bewohnern ausgelegt ist, auf 8000 bis 10 000 Euro. Hinzu kommen jährliche Betriebs- und Wartungskosten von 425 Euro. Auf den ersten Blick viel Geld, aber laut Karst auf die Dauer nicht teurer als ein Anschluss ans öffentliche Kanalnetz: "Die Leute im Außenbereich müssen keine Abwassergebühren und keine Oberflächenentwässerung zahlen. Sie stehen sich nicht besser oder schlechter als andere." Die VG-Werke Trier-Land, zuständig für die Überwachung von Hauskläranlagen und die Entnahme von Proben, gehen einen anderen Weg als beispielsweise die VG Irrel, wo die Werke die Hausanlagen in eigener Regie errichten und die Nutzer mit Gebühren belasten. Reiland: "Wir wollen den Leuten nicht vorschreiben, welche Anlage sie nehmen müssen."

Meinung

Mit Kanonen auf Spatzen

Sauberes Wasser ist ein hohes und schützenswertes Gut. Es steht außer Frage, dass gerade in einem hochtechnisierten Land wie Deutschland auch die besten Standards zur Abwasserbehandlung herangezogen werden müssen. Dies gilt insbesondere für Industrie und Landwirtschaft. Bei den Hauskläranlagen in Außenbereichen schießt die EU allerdings mit Kanonen auf Spatzen. Den Kommunen werden teure Kanalleitungen aufgezwungen für wenige Anschlussnehmer; zahlen muss die Allgemeinheit. Der Bauer vom Aussiedlerhof muss in eine Hauskläranlage investieren, obwohl doch der Überlauf aus seiner Sickergrube Bachwasserqualität aufweist. Was seine Kühe nebenan auf der Weide so alles an organischen Abfällen in die Natur fallen lassen, scheint jedoch niemanden zu stören - noch. Vielleicht lässt sich die EU dafür ja auch noch eine Richtlinie einfallen … a.follmann@volksfreund.deEXTRA

Verbandsgemeinde Ruwer: Betroffen von der EU-Richtlinie sind laut Bürgermeister Bernhard Busch nur wenige Wochenendhäuser und Gehöfte. Im Bereich Holzerath und Pluwig habe man wegen unverhältnismäßig hoher Kosten im Vergleich zu geschlossenen Gruben von der Verlegung einer Kanalleitung Abstand genommen. Verbandsgemeinde Schweich: Der Anschlussgrad an biologische Kläranlagen liege bei 99 Prozent, Tendenz steigend, sagt Büroleiter Wolfgang Deutsch. Zu den Einrichtungen, die mit Sammelgruben oder Hauskläranlagen mit Überlauf entsorgt würden, zählten unter anderem Grillhütten und Schützenhäuser. (alf)

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