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"Niemand verlässt freiwillig seine Heimat" - Was aus den Auswanderern von Mosel, Eifel und Hunsrück wurde

"Niemand verlässt freiwillig seine Heimat" - Was aus den Auswanderern von Mosel, Eifel und Hunsrück wurde

Spurensuche: Autorin und Historikerin Monika Traut-Bonato hat auf rund 200 Seiten zusammengefasst, was sie über die Auswanderer des 19.Jahrhunderts von Mosel, Eifel und Hunsrück in Erfahrung bringen konnte. Ein Buch, das auch zeigt: Geschichte wiederholt sich.

Hetzerath/Trier. Sie heißen Schmitz, Welter, Schröder und Winter, die Menschen im südbrasilianischen Städtchen Bom Principipo (Winterschneiss). Sie schwätzen Hunsrückisch und singen volkstümliche Lieder. Lieder, die im Hunsrück und an der Mosel längst verstummt sind. Monika Traut-Bonato ist den Nachfahren der Auswanderer von Mosel, Eifel und Hunsrück, die ihre Heimat vor 200 Jahren verließen, auf einer Reise nach Brasilien begegnet. Danach wollte sie mehr wissen, über die Menschen, die ihre Wurzeln in der Region Trier haben.Eine Reise nach England


24 Monate, zahlreiche Gespräche, Recherchen in Archiven und eine Reise ins englische Falmouth später, hat sie auf über 200 Seiten zusammengefasst, was sie in Erfahrung bringen konnte: Hungersnöte und Armut in Eifel, Hunsrück und an der Mosel trieben Familien im 19. Jahrhundert an, auszuwandern. "Begehrte Ziele waren Nord- und Südamerika", schreibt Traut-Bonato. Die Menschen hätten viele Risiken auf dem Weg in ein erhofftes besseres Leben auf sich genommen. "Krankheiten, Unfälle und Schiffsuntergänge ließen nicht alle in der neuen Heimat ankommen", schreibt sie. Und der Leser erfährt, dass Hunderte Auswanderer dort strandeten, wo sie ursprünglich nicht hin wollten: 1846 gingen mehr als 800 Menschen in Algerien von Bord. Unterstützt von französischen Soldaten errichten die Auswanderer in der neuen afrikanischen Heimat ganze Dörfer, etwa La Stidia. 1848 hatte das Dorf laut Traut-Bonatos Recherche 467 Einwohner - hauptsächlich Menschen aus dem Raum Trier. Offenbart hat sich der Autorin auch, dass sich Geschichte zu wiederholen scheint: Im Februar dieses Jahres berichteten die Medien von katastrophalen Zuständen in den Flüchtlingslagern bei Dünkirchen. Und dass eine Nichtregierungsorganisation das Allerschlimmste abwendete. "Auch bei den 1846 in Dünkirchen vom Hungertod bedrohten Menschen aus der Moselregion waren es Zivilisten, die die Initiative für die Notleidenden übernommen hatten", schreibt Traut-Bonato. Die Schwierigkeiten während der Reise und im Ankunftsland ähnelten denen der heutigen Menschen auf der Flucht frappierend. Dünkirchen war für viele Auswanderer Zwischenstation. Ebenso Falmouth in Südengland. Die 55-Jährige berichtet auch über die neuen Familienbande, die nach zwei Jahrhunderten zwischen Moselanern und Brasilianern geknüpft wurden, über Auswanderungswellen, die Rolle von zwielichtigen Agenten und sie zeigt viele Fotos. "Niemand verlässt seine Heimat freiwillig", resümiert sie. Sie selbst ist unverhofft in Brasilien auf entfernte Verwandte getroffen. Für diejenigen, die sich nicht aufmachen in andere Länder, um auf Spurensuche zu gehen, gibt sie auf mehreren Seiten Tipps für die Familiensuche in Archiven. Die Autorin schreibt: "Wer wissen will, wer er ist, muss wissen, woher er kommt."Extra

Monika Traut-Bonato liest am 27. Oktober um 18 Uhr in der Mayerschen Interbook Buchhandlung in Trier aus ihrem Buch. Der Eintritt ist frei. "Verlassene Heimat Mosel - Niemand geht freiwillig" ist im Kamo1-Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro. kat