Nikolaus tritt gegen Weihnachtsmann an

Nikolaus tritt gegen Weihnachtsmann an

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Trier erregt im Internet mit einer kuriosen Advents-Aktion Aufmerksamkeit: "Vorfahrt für den Nikolaus" fordert der Verband. Die Initiative richtet sich gegen Konsumwahn in der Adventszeit und will den Weihnachtsmarkt in den Hintergrund rücken.

Trier. Ein Bischof aus Myra gegen eine Konsumfigur mit rotem Mantel? Zumindest im Internet entbrennt zum ersten Advent ein Duell zwischen dem heiligen Nikolaus und dem Weihnachtsmann um die symbolische Vormachtstellung in der Vorweihnachtszeit. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Trier wirbt auf einer gleichnamigen Website um "Vorfahrt für den Nikolaus" und will damit den katholischen Heiligen wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen rufen.
Im Netz findet der Leser Hintergründe über das Leben des Nikolaus und erfährt, was den Heiligen von der Figur des Weihnachtsmannes unterscheidet. Per Mausklick können auf der Website zudem Schokoladen-Nikoläuse und Infomaterialien für Schulklassen bestellt werden.
"Der Weihnachtsmann steht für Konsum und Kommerz, er ist eine Werbefigur", findet Frank Kettern, der als Vorsitzender des BDKJ Trier die Aktion mitinitiierte. "Wir wollen auf den ursprünglichen Sinn der Adventszeit hinweisen: Das ist der Nikolaus."
Der heilige Nikolaus lebte vermutlich im vierten Jahrhundert nach Christus in Myra, einem Ort im Südwesten der heutigen Türkei. Als Bischof von Myra ranken sich viele Legenden um ihn: Er setzte sich für Kinder ein, bewahrte die Stadt vor einer Hungerkatastrophe und half Benachteiligten mit seinem eigenen Vermögen. Damit wurde er zur Symbolfigur für das Gabenbringen und die Besinnlichkeit in der Adventszeit.
Eine Tradition, die der BDKJ gerade in Zeiten von ausuferndem Konsum in der Weihnachtszeit wiederbeleben möchte. Ein Schwerpunkt der Aktion liegt deshalb auf dem Werben für kritischen Konsum. "Bei der Ernte von Kakaopflanzen etwa werden die Kleinbauern oft ausgebeutet, sogar Kinderarbeit ist keine Seltenheit. Hier hat man als Konsument die Möglichkeit, die Produzenten ausreichend am Profit zu beteiligen", erklärt Frank Kettern.
Die auf der Website vertriebenen Schokoladen-Nikoläuse tragen daher ein Siegel für fairen Handel. Zudem können Kunden den Erlös der Nikoläuse spenden, etwa an Tafeln oder die Bolivien-Partnerschaft des BDKJ.
Die Resonanz auf das Projekt ist groß: "Wir hatten ursprünglich 3000 Nikoläuse bestellt und sind mittlerweile bei 10 000 Stück angelangt", freut sich BDKJ-Vorsitzender Kettern. Zudem erhalte der BDKJ gerade von älteren Menschen positive Rückmeldungen, da der Nikolaus für sie weiterhin eine "Herzensangelegenheit" sei, sagt Frank Kettern.
Kettern findet jedoch auch versöhnliche Worte in Richtung des Konkurrenten vom Nordpol: "Es geht uns nicht darum, den Weihnachtsmann zu verbieten, sondern die Konsumenten zum Nachdenken anzuregen und eine positive Botschaft zu senden."
Weitere Infos zur Aktion gibt es im Internet unter www.vorfahrt-fuer-den-nikolaus.de

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