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Noch eine Baustelle an der Kyll

Noch eine Baustelle an der Kyll

Die Sanierung des Ehranger Ortskerns wird fortgesetzt. Im kommenden Jahr steht der Ausbau der Straße Zur Stadtmauer auf dem Plan. In einer gut besuchten Anwohnerversammlung hat die Stadt über das Projekt informiert. Die Planung fand nicht ungeteilten Beifall.

Trier-Ehrang. Was erwartet die Anrainer beim Ausbau der Straße Zur Stadtmauer? Welche Auswirkungen hat die Maßnahme auf Niederstraße, August-Antz- und Gartenstraße? Antworten auf diese Fragen erhofften sich fast 100 Ehranger Ortskernbewohner, die Ortsvorsteher Thiébaut Puel im Bürgerhaus begrüßte. Das Wort hatten dann Sandra Klein und Rolf Weller vom Planungsamt und Eric Krischel vom Tiefbauamt.
Zunächst erläuterten die städtischen Planer die geplante Gestaltung: Die engen Bürgersteige entfallen, die Straße Zur Stadtmauer wird komplett gepflastert. Vor der neuen Kita ist eine platzähnliche Fläche mit Haltepunkten vorgesehen - Dauerparkplätze wird es dort nicht geben. Im vorderen Straßenbereich zur Einmündung Garten-/August-Antz-Straße befindet sich ein heute noch überwachsenes städtisches Grundstück, auf dem öffentliche Parkplätze, aufgelockert durch Grünflächen, eingerichtet werden sollen. Auch neben der Kita wird es einige Parkplätze geben, die aber den dort Beschäftigter vorbehalten bleiben.
Die neugestaltete Straße Zur Stadtmauer soll als verkehrsberuhigte Zone ausgewiesen werden. Das heißt: Kein Vorrang für Fahrzeuge und Schrittgeschwindigkeit. Die Einbahnstraßenregelung bleibt weitgehend erhalten. Gegenläufiger Verkehr wird aber in einem kurzen Bereich zur Einmündung Garten-/August-Antz-Straße eingeführt, um von dort die direkte Zufahrt zu den neuen Parkplätzen zu ermöglichen. Zudem vorgesehen ist eine Fußverbindung durch das bebaute Gebiet von der Nieder- zur Gartenstraße, wozu aber laut Verwaltung noch über Grundstückserwerb aus Privathand verhandelt werden muss.
Änderungen soll es auch für Busbenutzer im Viertel geben: Die Planung sieht vor, die Buslinien nebst Haltestellen komplett aus der Niederstraße abzuziehen. Der Linienverkehr soll künftig nur noch durch August-Antz- und Gartenstraße rollen. Neue Haltestellen dort werden barrierefrei und mit Unterstellmöglichkeiten gestaltet.
Förderung vom Land


"Welche Kosten kommen auf die Anlieger zu?", war die erste Frage aus dem Zuhörerraum. Zunächst hatten die städtischen Vertreter Beruhigendes mitzuteilen: "Da hier ein ausgewiesenes Sanierungsgebiet betroffen ist, werden die Ausbauten zu 90 Prozent von Bund und Land gefördert - eine Anliegerbeteiligung kann daher entfallen." Doch die Ruhe im Saal schwand, als die Verwaltungsvertreter ankündigten, dass die Stadt bestimmte Anliegergrundstücke auf eine mögliche Wertsteigerung wegen des Straßenausbaus überprüfen werde. In diesem Fall könne von den Grundstückseigentümern "ein entsprechender Ausgleichsbeitrag erhoben werden".
Es folgten erboste Reaktionen von Zur-Stadtmauer-Anrainern, die sich durch den monatelangen LKW-Verkehr zur Kita-Baustelle schon genug benachteiligt sehen. Für lauten Protest sorgten auch von der Stadt angekündigte Grundstücksaufkäufe im Zuge der Ausbaumaßnahmen. Rufe wie "Was ist, wenn einer nicht verkaufen will? Wird der dann enteignet? Verteilt die Stadt hier schon Grundstücke, die ihr nicht gehören?" flogen durch den Saal.
Ruhig zog Ortsvorsteher Puel mit dem Mikro durch die Reihen, damit die Bewohner zu Wort kommen sollten, während sich vorne die Verwaltungsvertreter den Attacken erwehren mussten.
Dass die Stimmung geteilt war, zeigten Gegenstimmen, die eine Sanierung des Ehranger Ortskerns ausdrücklich begrüßten - und dafür auch Applaus erhielten. Dem schloss sich Ortsvorsteher Puel an: "Wenn diese Maßnahmen die Attraktion unseres Stadtteils verbessern, dann ist das nur zu begrüßen."
Extra

Unübersehbar ist die Großbaustelle der B-422-Umgehung zwischen Friedhofstraße und Kyllbrücke. Der Neubau wird den täglichen Durchgangsverkehr von und nach Kordel am engen Ortskern vorbei leiten. Insbesondere die Anwohner von Friedhof-, Ober- und Kyllsstraße eine deutliche Entlastung. Zu Anwohnerprotesten an der Friedhofstraße und Heide führte die Ankündigung, dass deren Durchfahrt zum Ort wegen der Arbeiten über Monate gesperrt werden müsse. Sie erhalten nun einen Anlieger-Notweg durch den Wald hinunter nach Quint (der TV berichtete). Nach Fertigstellung der neuen B 422 mit Kreisel vor der Kylbrücke geht es mit der Brücke selbst weiter. Seine Instandsetzung bei Vollsperrung wird nochmals rund neun Monate in Anspruch nehmen. f.k.