Noch reichlich Steigerungs-Potenzial

Gezielte Nachfrage, steigender Zuspruch: Im dritten Jahr beginnt sich die Fahrrad-Garage in der ehemaligen Unterführung an der Porta Nigra fest zu etablieren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club kritisiert das städtische Angebot aber als zu halbherzig und fordert längere Öffnungszeiten.

Trier. Wenn Garagen-Wächter Johann Klein mal zur 100 Meter entfernten Toilette muss, dann sputet er sich mächtig. Die ruhigen Zeiten sind vorbei. "Vor zwei Jahren kam stundenlang keiner. Heute geht es oft Schlag auf Schlag", berichtet der 59-Jährige. Es sei "keine Seltenheit mehr, dass ganz plötzlich eine zehnköpfige Gruppe vor der Tür steht und ihre Räder bei uns abstellen will".

Neues Angebot: Zehnerkarte für sieben Euro



Früher wurde gerne erst mal lange um die Porta herum gekurvt und geschaut, wo man den Drahtesel abstellen kann - "Jetzt kommen viele Radtouristen ganz gezielt." In ihrem dritten Betriebsjahr beginnt sich die Fahrrad-Garage in der ausgedienten Fußgängerunterführung an der Porta Nigra fest zu etablieren. "Mit dem Bekanntheitsgrad steigt der Zuspruch", sagt Hans-Albert Becker (53), Chef der Tourist-Information (Tit), die mit dem Segen der Stadt die Fahrradgarage betreibt. 2008, im zweiten Betriebsjahr, wurden 8500 Kunden gezählt - 25 Prozent mehr als im Start-Jahr. "Die neue Saison ist gut angelaufen. Vielleicht schaffen wir es diesmal, die 10 000er Marke zu knacken." Platz gibt's reichlich. Die Ex-Unterführung hat ein Fassungsvermögen von 400 Velos und war bislang bestenfalls halb voll.

Die Tit versucht nun laut Becker, "mehr Anreize zu schaffen". Einer davon ist die Zehnerkarte für sieben Euro, die gegenüber der normalen Parkgebühr (ein Euro pro Tag und Fahrrad) eine deutliche Ersparnis bietet und auch als Gruppenticket genutzt werden kann. Vor allem aber soll sie Einheimische als Nutzer gewinnen. Für Matthias Bellmann (45), Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Trier, ist das aber vergebliche Liebesmüh: Die Öffnungszeiten (Mai bis Oktober; montags bis samstags 9 bis 18 Uhr, sonntags 10 bis 17 Uhr) gingen "an den Bedürfnissen vorbei. So grenzt man einen Großteil potenzieller Nutzer aus. Die Fahrradgarage als solche begrüßen wir. Aber das Angebot ist viel zu halbherzig."

Markus Schröder (37), Betreiber des benachbarten Hotel-Restaurants "Christophel", stimmt aus Erfahrung zu: "Die Radtouristen unter unseren Gästen stellen ihre Drahtesel bei uns ab, weil sie mit den Öffnungszeiten der Garage nichts anfangen können und ihr Eintreffen in Trier oder ihre Abfahrt nicht danach ausrichten wollen." Hans-Albert Becker sieht allerdings "derzeit keine Chance, auf unsere Kappe die Öffnungszeiten auszuweiten. Und zwar aus finanziellen Gründen. Die Einnahmen decken jetzt schon nicht unsere Betriebskosten."

Meinung

Rathaus muss Farbe bekennen!

Unbestritten: Trier als Touristen-Metropole und vom Autoverkehr gebeutelte Stadt braucht attraktive Angebote und Anreize für Radfahrer. Die Velo-Garage in der Porta-Nigra-Unterführung könnte ein solches sein, sie ist es aber - noch - nicht wirklich. Das liegt weniger an der durchaus moderaten Gebühr als an den starren Zeiten, zu denen man sie nutzen kann. Schon mit einer Ausweitung um täglich zwei Stunden (8 bis 19 Uhr) ließen sich mehr potenzielle Kunden gewinnen. Die zu begeistern aber kann nicht alleinige Aufgabe der Tourist-Information Trier sein. Hier muss das Rathaus Farbe bekennen und mit Flexibilität zeigen, wie ernst es gemeint ist, Trier zu einer fahrradfreundlichen Stadt machen zu wollen. Ein Testlauf bietet sich schon zum Altstadtfest an. Eine Garage, die um 17 oder 18 Uhr dicht gemacht wird, nutzt Festbesuchern mit Rädern nämlich gar nichts. r.morgen@volksfreund.de

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