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Gastronomie: „Normalerweise ist es nicht so nackig“

Kostenpflichtiger Inhalt: Gastronomie : „Normalerweise ist es nicht so nackig“

Wie es sich anfühlt, nach Wochen wieder auswärts zu essen, hat unsere Reporterin in einem Selbstversuch getestet. Sie beschreibt, was für ein sicheres Mittagsmenü alles gemacht werden muss – von Datenspeicherung bis Mundschutz.

„Schmecken tut’s schon einmal wie vor Corona“, höre ich die zwei Gäste hinter mir zur Bedienung sagen, während ich mich gegen 12.30 Uhr an einen dunklen Holztisch ohne Tischdecke setze, den Mundschutz abnehme und dabei das Desinfektionsmittel an meinen Händen rieche.

Auf dem Tisch in Mittler’s Restaurant und Hotel in Schweich liegen zwei Din-A3-Speisekarten, in der Mitte steht ein kleines grünes Pflänzchen im Glas. Die Bedienung – sie trägt einen dunkelgrünen Mundschutz – reicht mir Kugelschreiber und ein Kärtchen mit der Aufschrift „Besucherregistrierung“, auf das ich meine Kontaktdaten schreibe.

Es wirkt kühl in dem großen Raum, in dem nur noch sechs Tische stehen. Durch die offene Eingangstür zieht frische Luft herein. Zwei weitere Tische sind außer meinem besetzt – mit Stammkunden, wie mir Restaurant-Chefin Sylvia Mittler später erklärt. Auf der Terrasse sitzen noch andere Gäste, aber üblich seien zu dieser Zeit mehr. Fast die Hälfte der Tische habe sie wegnehmen müssen, erklärt Mittler, und: „Normalerweise ist es nicht so nackig bei uns.“ Aber da sie nach jedem Gast Tellerdeckchen und Kerzen desinfizieren müsste, hat sie die Tischdeko reduziert.

Schon bei der Reservierung am Telefon hatte mir eine Mitarbeiterin gesagt, dass ich meinen Mundschutz nicht vergessen soll und dass nicht mehr als die Angehörigen zweier Haushalte an einem Tisch erlaubt sind. Ich komme allein, das macht’s einfach. Am Eingang des Restaurants stehen unumgänglich eine grüne Spray-Flasche mit Desinfektionsmittel und ein Schild mit der höflichen Aufforderung, dieses zu nutzen. Die Tischzuweisung erfolgt dann durch das Personal.

Ich bestelle – meiner oberschwäbischen Herkunft treu – Maultaschen mit Salat und nutze die Wartezeit, um die Toilette zu besuchen. Meine Tischnachbarn wissen, dass ich dazu den Mundschutz wieder aufsetzen muss. Am Waschbeckenspiegel des stillen Örtchens klebt ein Schild, das genau erklärt, wie ich mir die Hände waschen soll. Auch das Desinfektionsmittel ist nicht zu übersehen.

Nach sehr kurzer Wartezeit kommen meine dampfenden Maultaschen. In ungewöhnlich ruhiger Atmosphäre genieße ich und wärme innerlich auf. Es ist schön, nach einem vollen Arbeitsvormittag wieder das HomeoOffice verlassen zu können und nicht selbst kochen zu müssen.

An den dezent sterilen Geruch an den Fingern und die Abstände zwischen den Tischen kann ich mich gewöhnen. Wer genau hinsieht, erkennt das nun verdeckte Lächeln hinter dem Mundschutz der Bedienungen noch immer.

Meine Kontaktdaten muss das Restaurant nach einem Monat wieder löschen. Sie sollen dazu dienen, mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen, so steht es in der Handreichung Gastgewerbe – Hygiene- und Schutzmaßnahmen des Landes Rheinland-Pfalz.

Wer falsche Angaben mache zum Haushalt, müsse mit hohen Geld­strafen rechnen, erfahren meine Tischnachbarn auf Nachfrage von einer Bedienung. Die Chefin will und darf aber keine Ausweise kontrollieren. Eine Reservierung habe sie im Vorhinein ablehnen müssen, sagt Mittler, weil eine Familie mit zwei Söhnen und deren beiden Freundinnen zum Essen habe kommen wollen. Das sei dann ja schon ein Haushalt zu viel gewesen.

Sie klärt mich auf, dass Kunden die Türen auch schließen dürfen, wenn ihnen kalt ist. Diese offen zu halten, stehe in keinen Regeln. Auch sonst benötige es mit der neuen Situation mehr Kommunikation und Erklärungen, aber daran gewöhne man sich schon.

Am Eingang von Mittler’s Restaurant in Schweich gelten neue Regeln – wie überall in Rheinland-Pfalz. Foto: TV/Katharina Fäßler

Das Bezahlen geht wie gewohnt: Ich nehme die Karte, nur beim Trinkgeld soll es Bargeld sein. Beim Hinausgehen vergesse ich fast, den Mundschutz wieder aufzusetzen, so normal fühlt sich schon alles an. Dann sprühe ich meine Hände vor der Tür noch einmal kräftig mit dem neuen Alltagsduft ein und fahre mit sicherem Gefühl zurück zur Arbeit – nach Hause.