Notfalls auch gegen den Willen der Eltern
Kell/Trier/Zerf · Die Macher der Regionalstrategie für den Landkreis Trier-Saarburg sehen angesichts der Bevölkerungsentwicklung schwarz für zwei Realschulen plus. Als Alternative zur Schließung wird deshalb eine Abschaffung der Wahlfreiheit bei der Schulwahl angedacht.
Kell/Trier. Es hätte so feierlich sein können. Über Monate hinweg haben sich Kommunalpolitiker und Behördenmitarbeiter darüber Gedanken gemacht, wie die Zukunft des Landkreises Trier-Saarburg gestaltet werden soll. Dies ist im Rahmen des Aktionsprogramms Modellvorhaben der Raumordnung (Moro) geschehen, das vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung finanziell unterstützt wird. In der jüngsten Sitzung des Kreistags ist es nun darum gegangen, die Ergebnisse als Regionalstrategie abzusegnen und am kommenden Dienstag (siehe Extra) der Öffentlichkeit zu präsentieren. Doch die SPD im Kreistag ist vor allem mit den Überlegungen zur Schulentwicklung nicht so recht einverstanden und hat in diesem Punkt gegen den Entwurf gestimmt.Wieder Schulbezirke einführen?
Teil des mehr als 100 Seiten starken Moro-Abschlussberichts ist eine Bevölkerungsprognose. Die geht davon aus, dass neben den Gemeinden im Speckgürtel rund um Trier vor allem Orte entlang der Grenze zu Luxemburg bis 2030 wachsen oder wenigstens nicht stark schrumpfen werden. Im Gegensatz dazu steht der Raum Kell/Zerf, in dem die Zahl der Menschen um teilweise mehr als 15 Prozent im Vergleich zu 2011 zurückgeht. Dies bedeutet auch einen starken Rückgang der Schülerzahlen.
Deshalb ist innerhalb der zuständigen Arbeitsgruppe insbesondere die Schließung der Realschulen plus in Kell/Zerf und Waldrach unter gleichzeitiger Schaffung eines zentralen Angebots für den gesamten Hochwaldbereich in Hermeskeil diskutiert worden. Auch ist man sich einig gewesen, dass auf Dauer nicht alle Grundschulstandorte zu halten sind.
Diese Thesen stehen im Gegensatz zur Haltung vieler Kommunalpolitiker in den betroffenen Teilen des Landkreises. Und so findet sich dann auch eine Formulierung im Abschlusspapier, die vielen Eltern nicht gefallen wird. Denn sollten alle derzeit vorhandenen Schulstandorte erhalten bleiben, könnte mit dem Land über die Einschränkung des Wahlrechts der Eltern sowie eine Wiedereinführung der Schulbezirke oder anderer steuernder Instrumente gesprochen werden.
Es sieht aktuell jedoch nicht so aus, als ob das Bildungsministerium Kinder in bestimmte Realschulen plus zwingen möchte, um Standorte am Leben zu erhalten. Das Land hat vielmehr angekündigt, alle Realschulen plus mit weniger als 180 Schülern zu schließen. Laut Moro-Abschlussbericht sei bei den Schulen in Waldrach - wo am heutigen Samstag von 9 bis 13 Uhr ein Tag der offenen Tür in der Ruwertalschule stattfindet - und Kell/Zerf mittelfristig zu befürchten, dass ein Unterschreiten der genannten Mindestgrößenordnung eintreten kann. "Daher besteht an dieser Stelle akuter Handlungsbedarf."Meinung
Überkommene StrukturenSchulen müssen für Schüler da sein, nicht Schüler für Schulen. Dies scheinen Kommunalpolitiker vergessen zu haben, die notfalls Kinder in eine Realschule plus zwingen wollen, damit diese Schule bestehen bleiben kann. Doch Schüler sind keine Viehherde, die man so hin- und hertreiben kann, wie es einem in den Kram passt. Statt an überholten Strukturen festzuhalten, sollte der Kreistag zeitnah den Schulentwicklungsplan von 2009 aktualisieren. In diesem Plan muss auch endlich das Thema Grundschulen angepackt werden. Denn auch wenn der Kreis keine Grundschulen schließen kann, ist der Kreistag der richtige Ort, um eine gemeinsame Linie für alle Verbandsgemeinden zu finden. Bleibt alles beim Alten, gibt es bald reihenweise Zwergschulen mit Kombiklassen. Und falls das nicht hilft, werden möglicherweise irgendwelche Strategen am Ende auf die Idee kommen, dass auch Grundschulkinder zwangsweise irgendwelchen kränkelnden Standorten zugewiesen werden. Damit überholte Strukturen noch ein paar Jahre länger künstlich am Leben erhalten werden. Wollen wir das?
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Das Projekt Moro wird auf der Abschlussveranstaltung am Dienstag, 29. November, ab 19 Uhr im Bürgerzentrum in Schweich (Stefan-Andres-Straße 1) präsentiert. In der Abschlussveranstaltung wird die Strategie mit ihren Lösungsansätzen vorgestellt. Außerdem steht eine Podiumsdiskussion unter dem Thema "Die Regionalstrategie leben" auf dem Programm. Aus organisatorischen Gründen bittet die Kreisverwaltung um eine Anmeldung bei Anja Saupe, Telefon 0651/715-336, E-Mail moro@trier-saarburg.de