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Nun geht's in die Verlängerung

Nun geht's in die Verlängerung

Ein enges Dorfsträßchen als "Hauptverkehrsader", über die unablässig eine Blechlawine rollt? Dieses Kuriosum kann zurzeit in der Sauergemeinde Langsur bestaunt werden. Der Ort trägt seit Wochen die Hauptlast für eine Teilsperrung der luxemburgischen Route Nationale (RN10) Wasserbillig-Echternach auf der anderen Seite der Sauer. Nun erfuhren die Langsurer, dass der "Spaß" noch länger als zunächst geplant andauern wird.

Langsur. Der Ausbau der RN 10 zwischen der Einmündung der Langsurer Sauerbrücke und dem Ortseingang von Wasserbillig hatte im Frühjahr begonnen (der TV berichtete). Im August erreichten die Arbeiten den Abschnitt zwischen dem Ortsausgang Wasserbillig und dem Autobahnanschluss zur A 64/Grenzübergang Mesenich. Die Fahrbahn soll dort hochwassersicher über Pfeiler zwischen Sauer und Felshang entlanggeführt werden. Wegen der beengten Situation dort sind die Arbeiten nur während einer mehrwöchigen Vollsperrung möglich. In dieser Zeit bildet der Weg über Langsur und seine Sauerbrücke die kürzeste Verbindung von Wasserbillig zum Autobahnzubringer und zu den luxemburgischen Sauergemeinden. Da nun ein gewaltiger Ansturm auf die einspurige Brücke vorhersehbar war, wurde dort für die Zeit der RN-10-Sperrung eine Ampelregelung eingeführt. Für schwere Laster über 7,5 Tonnen wurden Brücke und Ortsdurchfahrt gesperrt. Das luxemburgische Straßenbauamt "Ponts et Chaussées" ging zunächst von einer Sperrung bis Ende Oktober aus. Inzwischen steht fest, dass man wegen der schwierigen Bodenverhältnisse im letzten Bauabschnitt diesen Zeitplan nicht einhalten kann. Pierre Wies von Ponts et Chaussées: "Das Dolomit-Kalkgestein ist dort poröser als erwartet, so dass die Stahlanker für die Pfeiler viel tiefer als geplant in den Fels getrieben werden müssen." Wies geht davon aus, dass die Sperrung erst am 16. November aufgehoben werden kann. Anschließend werde diesen letzte Bauabschnitt bis Anfang Januar einspurig passierbar sein. Mit dem endgültigen Abschluss aller Arbeiten sei zum Jahresende 2008 zu rechnen. Also doch noch kein Aufatmen für die Langsurer. Seit der vierten Augustwoche leiden sie unter dem täglichen Chaos. Am 31. Oktober sollte wieder Ruhe vor der Brücke und in der engen Wasserbilliger Straße einkehren. Nun aber wird es noch bis Mitte November mit dem ständigen Durchgangsverkehr und den langen Autoschlangen vor den roten Brückenampeln weitergehen. Kolonnen, Sprinter und Finger auf der Hupe

Heinrich Permesang im Haus Wasserbillger Straße 38 ist unmittelbarer Brückennachbar und blickt auf unruhige Wochen zurück. "Schlimm sind auch die losspurtenden Nachzügler, wenn die Ampel umspringt. Die wollen dann noch mit Vollgas durchschlüpfen", sagt Permesang, während sich vor seinem Haus gerade die nächste Autokolonne in Bewegung setzt. Die Stimmung der Autofahrer wirkt gereizt - es wird schneller zur Hupe gegriffen als sonst üblich. Wie viele andere Langsurer hält Permesang das alles für ein notwendiges Übel - auch im Sinne der guten Nachbarschaft. Er glaubt aber nicht so recht an den neuen Stichtag: "Wer weiß, was da noch für Probleme auftauchen." Auch Ortsbürgermeister Karl Heinrich Orth teilt diese Skepsis.