Nur am Leid kann man wachsen

TRIER-SÜD. Nach einer mehrjährigen Pause zieht es Elsbeth Feld seit acht Jahren wieder regelmäßig zu den Heimspielen der Eintracht Trier. Aus Reihe acht im Block A feuert sie die Mannschaft an. Auch nach dem bitteren Abstieg bleibt die 67-Jährige dem Verein treu. Ihr Herz jedoch gehört den Alten, Kranken und Schwachen.

Distinguiert und gebildet, bescheiden und religiös, kulturell sehr bewandert und vielfältig ehrenamtlich engagiert ist die ehemalige Pfarrsekretärin Elsbeth Feld. Dass sie sich für Fußball interessiert und sogar ins Stadion geht, den Fan-Jargon und den Regel-Katalog inklusive der Abseitsregel beherrscht, mag da auf den ersten Blick verwundern. "Ich habe sogar ein Eintracht-Tuch, eine Mütze und einen Schal", sagt Elsbeth Feld. "Ich kann mich da sehr ereifern." Eine neue Karte für das nächste Eintracht-Jahr hat sich die 67-Jährige bereits gesichert, ihrem Verein hält sie die Treue. Als die Mannschaft vor einigen Wochen den Klassenerhalt verpasste, habe sie Trainer Paul Linz im Fernsehen weinen und die Reaktionen der Fans gesehen. "Das hat mich sehr aufgeregt. Da habe ich Paul Linz angerufen, denn er hat mir so leid getan." Dass der erneute Aufstieg nur eine Frage der Zeit sei, dessen ist sie sich sicher. Diese Freizeitbeschäftigung hilft Elsbeth Feld, einen Ausgleich zu den Aufgaben zu finden, die ihre ganze Konzentration und Aufmerksamkeit, ihr Herz und Mitgefühl verlangen. "Ich bleibe lieber im Hintergrund und arbeite im Stillen." Verstecken muss sich Elsbeth Feld allerdings nicht. Denn wenn es um ehrenamtliches Engagement und beispielhaften, uneigennützigen Einsatz geht, stellt die 67-Jährige so manchen jungen Menschen in den Schatten. Elsbeth Feld wuchs mit sechs Geschwistern in einem kleinen Dorf im Hunsrück auf und hat sich dort schon immer für Menschen und Gerechtigkeit eingesetzt. Sie wurde Buchhalterin und zog 1960 nach Trier - ein schwieriger Schritt mit einigen Anpassungsschwierigkeiten. Nachdem sie mit ihrem Mann 1969 ins Pfarreigebiet von Herz Jesu zog und 1971 Sohn Lukas zur Welt kam, "war klar, dass ich mit meinem Beruf aufhöre". Drei Jahre später begann sie mit ihren ersten Aktionen in der Pfarrei, initiierte unter anderem Handarbeitskreis, Flohmarkt und Familienwanderungen. Durch die Verbindungen zum Pfarrhaus übernahm sie zunächst die Urlaubsvertretung, 1984 dann die Stelle als Pfarrsekretärin, die sie bis September 2001 engagiert ausfüllte. Mit vielen Menschen sei sie während dieser Zeit in Kontakt getreten. Vor allem Menschen in schwierigen Situationen, etwa bei Sterbefällen, habe sie gerne begleitet. "Mit Menschen zu sprechen, für sie da zu sein, darin habe ich Sinn gefunden. Das war anfangs schwierig, ich habe manches nicht so richtig verarbeiten können. Aber das muss man lernen: Abschalten können, ohne die Sache aus dem Blick zu verlieren."Alten und Kranken Mut machen

Nach ihrer Pensionierung begann sie mit Besuchsdiensten im Reha-Zentrum des Irminenstifts und im Haus für betreutes Wohnen in der Löwenbrückener Straße. Dort singt und betet sie sonntags mit den Bewohnern und teilt die Kommunion aus. Als Lektorin, Kommunionhelferin und als Mitglied im Kirchenchor hat sie weitere Aufgaben in der Pfarrei. Alten und kranken Menschen Mut machen, "Freude und Trauer erleben und teilen und zuhören können", dies ist in ihren Augen wichtig. Manchmal sei es aber auch besser, gemeinsam zu schweigen. Denn "mit guten Ratschlägen macht man manchmal nichts besser". Den Hospizverein, bei dem sie einen Kurs für Sterbebegleitung belegte, unterstützt sie nicht nur durch ihre Mitgliedschaft, sondern auch aktiv mit ihren Besuchdiensten bei sterbenden Patienten. "Das ist schön", sagt Elsbeth Feld trotz des Leides, das sie miterlebt. "Denn nur am Leid kann man wachsen."