Nur Druck hilft

Immer mal wieder wundern sich Politiker und Behörden über die Staatsverdrossenheit der Bürger und über das miserable Image, das sie beim Volk haben. Sie bräuchten gar nicht weit zu laufen für die Ursachenforschung: Ärgernisse wie die Verkehrsregelung auf der Moselbrücke zwischen Wellen und Grevenmacher sind geradezu eine Brutstätte für Bürger-Frust. Da sehen Politiker und Straßenplaner seit Jahren, dass immer mehr Leute nach Luxemburg zur Arbeit fahren. Da sehen sie, wie das Chaos Monat für Monat wächst und verweisen auf irgendwelche Maßnahmen im Jahr Zweitausendypsilon. Da schicken sie Experten hin, die wackeln weise mit dem Haupt - und ändern nichts. Da werden die Alarmsignale von den Nachbarn auf der anderen Moselseite immer drängender, aber keiner hört sie. Wer ausrechnen wollte, wie viele Stunden nutzlos im Stau zugebracht werden, wie viele Tonnen Abgase unnötig die Gegend verpesten, käme auf irre Zahlen. Aber weil niemand den Schaden einklagen kann, fühlt sich keiner zum Handeln bemüßigt. Nun gibt es Straßenbau-Projekte, die Millionen und Milliarden kosten oder die Umwelt über Gebühr belasten. Da kann es durchaus sein, dass die Priorität zu Recht gegen die Interessen der Autofahrer gesetzt wird. Aber darum geht es in Wellen nicht. Das Problem wäre lösbar, wenn man es auf der Prioritätenliste nur halb so hoch setzen würde wie die genervten Bürger, die die Folgen täglich ausbaden müssen. Dabei müssen die verkehrstechnischen Einwände der zuständigen Behörden ernst genommen werden. Wenn sie der Meinung sind, dass eine simple Veränderung der Vorfahrt an anderer Stelle Probleme verursacht, kann man das nicht ignorieren. Aber wir leisten uns unsere Fachbehörden nicht, damit sie sagen, was nicht geht und was nichts bringt, sondern damit sie Konzepte vorlegen, wie das Problem beseitigt werden kann. Einbiegespur, Ampel, was auch immer: Es hätte längst ein Konzept vorliegen müssen. Das Problem ist lange genug bekannt. Jetzt, da von allen Seiten geschoben wird, beginnt der Koloss, sich zu rühren. Dabei scheint es, als gehorche er weniger dem eigenen Antrieb als dem Druck von außen. Wer also Bewegung will, wird weiter Druck machen müssen. d.lintz@volksfreund.de