Nur in Flaschen bringt Wein Geld

Die Traubenlese läuft an der Ruwer auf vollen Touren. In wenigen Tagen werden die Trauben gepresst sein, und der Most wartet in den Kellern auf seine weitere Verarbeitung. Die Winzer sind zufrieden.

Waldrach. Samstagmorgen 10 Uhr: Es regnet wieder. Trotzdem stehen die Winzer Rainer Steffes, Herbert Steffes und Wolfgang Mertes mit ihren Helfern in den Weinbergen. Der Boden im Waldracher "Scheiterberg" ist durchnässt und klebt an den Schuhen. Die Ärmel der Jacken werden langsam nass und kühl von den feuchten Trauben und dem braunen Laub. Wolfgang Mertes, der auch für sein elterliches Weingut arbeitet, ist im Hauptberuf Betriebsleiter beim Weingut Reichsgraf von Kesselstatt im Schloss Marienlay bei Morscheid.

"In diesem Jahr ernten wir deutlich weniger Tauben als in den Vorjahren", sagt er. Dies führt er auf die Verrieselungsschäden, also nicht befruchteter Blüten, und den zu trockenen September zurück.

Insbesondere bei den Burgundersorten würden 30 bis 40 Prozent weniger Früchte geerntet. "Bei den Rieslingtrauben verzeichnen wir etwa 20 Prozent Verlust", sagt er. Trotzdem ist er, wie auch seine Kollegen, mit der Qualität der Trauben sehr zufrieden.

Die Burgunder weisen erfreuliche 100 Grad Oechsle auf, und beim Riesling sind es immerhin noch 90 Grad. Mertes: "Damit liegen wir gut im Spät- und Auslesebereich." Trotzdem will er mit seinen Eltern Alberta und Heinrich Mertes noch weiterhin an der Qualität arbeiten. So lesen sie die "gesunden" Trauben ganz besonders heraus, "um damit gute trockene Weine zu erarbeiten".

Um die Mittagszeit scheint die Sonne im Ruwertal. Beim Weingut Mertes ist Zeit Geld. Die Trauben werden in Bütten gelesen und dann gleich auf die Kelter gebracht. "Dadurch vermeiden wir, dass Stoffe aus dem Stiel in den Wein gelangen und den Geschmack verfremden."

Seit einigen Tagen ernten Mertes, seine Eltern und einige Helfer in den Weinbergen um Waldrach. Nach dem ersten Nachtfrost hängen die braunen Blätter an den Stöcken.

Jetzt gilt es, die Trauben schnellstens auf die Presse zu bringen.

"In diesem Zustand können die Trauben nichts mehr an Zucker zusetzen", sagt Winzer Helmut Reis aus Mehring. Auch er ist seit Tagen mit vielen Helfern bei der Traubenern te und ist zufrieden mit dem Ergebnis.

Großes Thema ist dabei sowohl an der Ruwer als auch an der Mosel immer wieder der niedrige Fasswein-Preis. Rund 500 Euro gibt es derzeit für das Fuder Wein. Mertes führt dies auch auf die derzeit herrschende Unsicherheit in der wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Seine Empfehlung: "Soweit möglich, sollen die Winzer auf den Verkauf von Fasswein im Herbst verzichten."

Wegen der Preisentwicklung wollen einige Winzer im Ruwertal ihre Anbaufläche deutlich reduzieren. Viele von ihnen beabsichtigen, künftig nur noch so viel Wein anzubauen, wie sie auf der Flasche vermarkten können. Den Fasswein-Markt wollen sie somit nicht mehr beliefern.