Nur kein zweites Aach

Am 1. Dezember startet Marion Jonas (45) als Ortsbürgermeisterin von Farschweiler. Sie folgt Silke Bigge, die Mitte Oktober überraschend zurückgetreten war. Warum ausgerechnet der Ort Aach (Verbandsgemeinde Trier-Land) Pate stand, als sich Jonas als Ortsbürgermeisterin bewarb, verrät sie im Gespräch mit dem TV.

Farschweiler. Als die Eifelgemeinde Aach nach der Kommunalwahl 2014 lange Zeit vergeblich nach einem Ortsbürgermeister suchte, verfolgte auch Marion Jonas aus Farschweiler interessiert die Berichte im Trierischen Volksfreund. "Ohne Ortsbürgermeister droht Eingemeindung" und "Notfalls wird Aach von Trier aus regiert" lauteten die Schlagzeilen. In Aach dauerte es mehr als ein Jahr, bis sich schließlich Claudia Thielen bereiterklärte, das Amt zu übernehmen. Die befürchtete "Fremdverwaltung" war da schon Realität geworden; ein Mitarbeiter der VG-Verwaltung führte die Amtsgeschäfte.
Keine einfache Entscheidung


"Aach war für mich ein mahnendes Beispiel, deshalb habe ich mich zur Kandidatur in Farschweiler durchgerungen", sagt Marion Jonas. Diese Entscheidung hat sich die 45-Jährige nicht einfach gemacht. Ihr Tag ist auch so gut ausgefüllt: Halbtagsjob als Erzieherin, Mann und vier Kinder (wobei drei Jungs noch im Haus wohnen), der große Garten, Hund Leo, dazu Hobbys (Lesen und Fahrrad fahren) und das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe.
"Ich weiß, wie stressig und nervig der Job sein kann", sagt Jonas. Das habe sie bei Werner Schmitt gesehen. Der 2010 verstorbene langjährige Ortsbürgermeister von Farschweiler sei der Schwiegervater ihres Bruders gewesen. Als Gemeinderätin und Beigeordnete war die 45-Jährige zudem selbst an vorderer Front in der Kommunalpolitik tätig. Von 1994 bis 2007 gehörte sie dem Gemeinderat Farschweiler an - für die Freien Wähler. Die letzten drei Jahre in der Funktion der zweiten Beigeordneten. Dann kam der Rücktritt. "Die Luft war raus, außerdem habe ich eine berufliche Weiterbildung gemacht."
Über den Telekolleg holte Marion Jonas 2004 das Fachabitur nach, startete eine Ausbildung als Hauswirtschafterin und schließlich als Erzieherin. Sie arbeitet halbtags in der Osburger Kita. Von ihrem Arbeitgeber, dem Bistum, hat sich Jonas von Januar bis September 2017 beurlauben lassen. Dadurch könne sie sich besser als Ortsbürgermeisterin einarbeiten. Ohne die berufliche Freistellung und das Okay der Familie ("Die hat gesagt, wenn es dir am Herzen liegt, mach's") hätte sie ihren Hut nicht in den Ring geworfen, sagt Jonas.
Alt und Neu verbinden


Dass es noch einen weiteren Bewerber gab, habe sie zunächst nicht gewusst, bemerkt die künftige Ortschefin. Der Mann hatte sich zwar im Rat vorgestellt, war aber nicht von einem Ratsmitglied nominiert worden. Das ist Voraussetzung für eine Wahl. So kam es, dass Marion Jonas vorgeschlagen und gewählt wurde. Sie erhielt acht Jastimmen, ferner gab es eine Neinstimme und eine Enthaltung. "Darauf lässt sich aufbauen", sagt die 45-Jährige.
Am 1. Dezember geht es offiziell los, dann übernimmt sie die Amtsgeschäfte von der ersten Beigeordneten Elke Morgen.
Im Farschweiler Rat gibt es keine Parteien. Die Mandatsträger sind von der Bevölkerung per Mehrheitswahlrecht gewählt. Marion Jonas ist SPD-Mitglied, aber das will sie nicht überbewertet wissen: "In der Dorfpolitik spielt die Parteizugehörigkeit keine Rolle, ich will als Ortsbürgermeisterin neutral und kollegial sein." Ihr gehe es vorrangig darum, begonnene Projekte in der 813-Einwohner-Gemeinde zu Ende zu bringen. So sollen die als Erweiterung des Gemeindelagers gedachten Garagen an einer geeigneten Stelle auf dem Dorfplatz aufgestellt werden. Auch soll der Bedarf für eine pädagogische Fachkraft für die Jugendlichen im Ort ermittelt werden. Um der Raserei am Ortsende Richtung Herl Einhalt zu gebieten, wird die Aufstellung einer Geschwindigkeitsmesstafel erwogen.
Wichtig ist Marion Jonas, dass Rat und Verwaltung untereinander, aber auch mit der Dorfbevölkerung, gut kommunizieren. "Das ist bei uns ein wenig eingeschlafen. Was wir tun, soll transparent sein. Keiner soll sich benachteiligt fühlen". Die neue Ortsbürgermeisterin will darauf hinwirken, dass die Einwohnerfragestunde mehr genutzt wird als bisher. Ihr Ziel ist es darüber hinaus, "Traditionen weiterzuführen und Neues zuzulassen". Alteingesessene und Zugezogene sollen sich als Gemeinschaft verstehen.
Wie man dem Vereinssterben wirksam begegnen könne, das sei beim Krumpernfest und bei St. Martin deutlich geworden. Die Frauengemeinschaft und die Jugendgruppe hätten die Feste federführend organisiert, und andere Vereine und Einzelpersonen seien helfend eingesprungen. Jonas: "Wir haben leider keinen Musikverein mehr, aber eigens für den Martinszug haben sich Musiker aus Farschweiler und Umgebung zu einer Kapelle zusammengefunden und den Zug begleitet. Die Atmosphäre war toll, so kann's doch auch gehen, wenn sich immer weniger Leute vereinsmäßig binden wollen", sagt Jonas.
Aber man brauche halt jemanden, der die Kontakte knüpfe, einen Kümmerer. Und der möchte Marion Jonas sein. Zunächst einmal bis 2019, denn dann steht die nächste Kommunalwahl an mit der Frage, die sich nicht nur in Farschweiler und Aach stellt: Wer macht's die nächsten fünf Jahre?