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Nur noch kurz die Welt retten?

Nur noch kurz die Welt retten?

Nachhaltig leben - für immer mehr Menschen wird das wichtig. Der Begriff nachhaltig kommt aus der Forstwirtschaft. Vereinfacht gesagt: Es wird nicht mehr Holz gefällt als nachwächst. Bei der 1992 in Rio verabschiedeten Agenda 21 wurde das Prinzip auf die Umwelt- und Entwicklungspolitik übertragen. Wie kann die Menschheit die vorhandenen Ressourcen auf der Erde verantwortungsbewusst nutzen? Die Frage wird seitdem nicht nur in der großen Politik gestellt, sondern auch im Lokalen. In Trier vom gemeinnützigen Verein Lokale Agenda 21 (LA 21). In loser Reihenfolge erklären LA-21-Mitglieder in TV-Gastbeiträgen, wie sich Nachhaltigkeit konkret in der Region Trier leben lässt. Heute: Simon Mewes.

Ein Bekannter von mir geißelt sich gern selbst: Er engagiert sich für den Umwelt- und Klimaschutz. Mit verbissenem Eifer demonstriert er und schreibt seit Jahren Protestbriefe zur Rettung der Wale und der Eisbären. Wenn man ihn fragt, ob es ihm Spaß macht, seufzt er und zuckt mit den Schultern, die die Last der Welt tragen.
Geht es auch eine Nummer kleiner?, frage ich mich da manchmal. Statt die ganze Welt im schmerzverzerrten Blick zu haben, könnte man doch mit der Welt vom Verteilerkreis bis zum Südbad anfangen. Wie sähe ein klimafreundliches, ein lebenswerteres Trier aus, in 20 oder 30 Jahren?
Ordentliche Fahrrad-Fahrspuren auf dem Alleenring und ein Fahrradleihsystem wie in Luxemburg? Allerorten Solarpaneele auf den Mietshäusern, getragen von Bürger-Genossenschaften? Kartoffel- und Zucchiniblüten verschönern den Palastgarten, und wer fertig ist mit dem Sonnenbad, der pflückt sich noch schnell das Abendessen? Wenn das die Bürger wollen, wer sollte so etwas realisieren? Der Stadtrat etwa?
In vielen Städten und Dörfern in Deutschland und der Welt findet zurzeit ein großes Mitmach-Experiment mit dem Namen Transition (Englisch: Übergang) statt. Gemeint ist der Übergang zu einer Gesellschaft, die ohne fossile Brennstoffe wie Gas oder Öl auskommt. In der Transition-Bewegung versuchen Bürger, Nachhaltigkeit in ihren Nachbarschaften und Stadtteilen direkt umzusetzen, statt auf die große Politik zu warten. Vor sechs Jahren begann das Projekt Transition in einer britischen Kleinstadt , heute gibt es schon über 400 offizielle Initiativen auf der ganzen Welt, dazu Tausende im Entstehen. Wann kommt eine in Trier hinzu? Einige Interessierte gibt es hier schon. Damit daraus eine tragfähige Gruppe wird, werden noch mehr Menschen gesucht. Wie sich ein fahrradfreundliches Trier anfühlen könnte, kann man übrigens heute ausprobieren. Um 16 Uhr startet am Viehmarkt die nächste "Critical Mass", ein Fahrradkonvoi durch die Straßen der Stadt, als kleiner Hinweis darauf, dass der Verkehr in Trier nicht nur aus Autos bestehen muss. Mitmachen können alle, die keine Lust haben, bis 2025 zu warten, um sich nachhaltig fortzubewegen. Einige Trierer Bürger fangen einfach schon mal an. Sind Sie dabei?
Informationen zur Transition-Bewegung: http://transition-
initiativen.de/
Kontakt zu den Transition-Interessierten in Trier:
transition.trier@gmx.de
Extra

Simon Mewes (28) ist seit zwei Jahren im deutschen Transition-Netzwerk aktiv. Aus dem Hamburger Raum ist er vor einem halben Jahr in seine neue Wahlheimat Trier gezogen. red