OB-Wahl 2014 in Trier: CDU nominiert parteilose Unternehmerin Hiltrud Zock als Oberbürgermeister-Kandidatin
Trier · Es war ein geheimes Kommandounternehmen bis zur letzten Minute: Am Freitagabend haben die Trierer CDU-Chefs Bernhard Kaster und Ulrich Dempfle den überraschten Gremien ihre erste Wahl für das Amt des Oberbürgermeisters vorgestellt. Genauer gesagt: der Oberbürgermeisterin. Nach dem Willen der Christdemokraten soll die Unternehmerin Hiltrud Zock (parteilos) die Nachfolge von Oberbürgermeister Klaus Jensen antreten.
Hiltrud Zock (50), Inhaberin des Marketing- und Kommunikationsunternehmens "Agenturhaus", gebürtige Triererin, versierte Stadtentwicklungs-Moderatorin: Das sind biographische Daten, die eine Kandidatur durchaus nahelegen. Aber Zock ist parteilos, trat kommunalpolitisch in Trier nie in Erscheinung, hat Freunde auch in SPD-Kreisen. Deshalb dürfte die Nominierung durch die CDU innerhalb und außerhalb der Partei viele überraschen.
"Wir suchen neue Wege", sagen Parteichef Kaster und der Fraktionsvorsitzende Ulrich Dempfle fast unisono. Mit ihrem stark parteipolitisch eingebundenen Kandidaten Ulrich Holkenbrink war die CDU bei der Wahl 2006 dramatisch gescheitert. SPD-Mitglied Klaus Jensen hatte sich seinerzeit als überparteilicher Kandidat präsentiert und fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmen gewonnen. Ob Jensen im Herbst 2014 noch einmal antritt, hat er bislang offen gelassen.
Seine mögliche Gegenkandidatin setzt auf ihre ausgeprägte Vernetzung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. "Wir müssen die Stadt weiterentwickeln und dürfen nicht in Konflikten stecken bleiben", sagt Hiltrud Zock. Sie will ihre Erfahrungen als selbstständige Unternehmerin auch bei der Führung einer Verwaltung einbringen.
Zock ist die erste Kandidatin, die ihren Hut in den Ring wirft. Angesichts der gewachsenen Distanz zwischen SPD und Grünen dürfte mit einem eigenen Bewerber der Grünen zu rechnen sein. Sie hatten 2006 die Kandidatur von Jensen unterstützt.
Der Trierer Oberbürgermeistersessel wird für jeweils acht Jahre vergeben. Der OB ist der einzige im Stadtvorstand, der direkt von den Bürgern gewählt wird. Er hat keine Richtlinienkompetenz gegenüber den vom Stadtrat gewählten Dezernenten. Porträt
Hiltrud Zock: Selfmade-Frau, Ideenlieferantin, StrippenzieherinWenn der Begriff Netzwerkerin auf jemanden zutrifft, dann auf Hiltrud Zock. Seit 25 Jahren macht sie in Trier Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, erst als Ein-Frau-Büro, dann als kleine Agentur, inzwischen als Chefin eines Unternehmens mit sechs festen Mitarbeitern. Sie ist Managerin der Trierer Kulturstiftung, Vorsitzende des Vereins der Theaterfreunde, engagiert sich für Nestwärme, Aids-Hilfe, Caritas, aber auch für die Initiative Region Trier, die Miezen, die Agenda 21 und den Marketing-Club. Das schafft umfängliche Verbindungen in die unterschiedlichsten Milieus.
Auch ihre beruflichen Tätigkeiten spielen sich oft im gleichen Umfeld ab. Zock, 1962 in Ehrang geboren, hat die Aktion "Trier spielt" entwickelt, Messen organisiert, zuletzt die erfolgreiche "Elephant Parade" auf die Beine gestellt. In Konz und Wadern übernahm sie die Aufgabe einer Moderatorin für Stadtmarketing.
Inzwischen ist die einstige Absolventin des Angela-Merici-Gymnasiums Lehrbeauftragte an der TU Kaiserslautern. Für die Uni Trier und die Kammern hat sie lange Jahre Existenzgründer betreut. Sie plädiert für das soziale Engagement von Unternehmen, aber auch für eine enge Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und privaten Firmen in Form einer Public-Private-Partnership.
Hiltrud Zock, mit einem Unternehmer verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes, gilt als kommunikative Motivationskünstlerin und stets freundliche Virtuosin des Zusammenbringens unterschiedlicher Menschen und Interessen.
Mit Parteipolitik hatte sie bislang allerdings kaum Berührungspunkte. Selbst Freunde können sie politisch nicht einordnen oder sich an ein klares Statement zu politischen Fragen erinnern. Zu den persönlichen Gästen bei ihrem 50. Geburtstag gehörte SPD-Frau Katarina Barley ebenso wie CDU-Fraktionschef Dempfle oder der (seinerzeit noch) FDP-Politiker Thomas Egger.Meinung
Kann sie auch Politik?Das ist schon ein cleverer Schachzug der CDU-Granden: Die Nominierung einer Seiteneinsteigerin ohne politischen Stallgeruch eröffnet ihnen ungeahnte Chancen auf die Wiedereroberung des OB-Postens - wenn es funktioniert. Und wenn nicht, dann wird wenigstens kein Parteifreund beschädigt.
Zugegeben: Vielleicht ist die Betrachtungsweise etwas zynisch. Womöglich wollen die Christdemokraten tatsächlich neue Akzente setzen. Dann ist Hiltrud Zock die richtige Wahl. Sie verkörpert das, was viele Bürger bei der von Parteien geprägten Politik vermissen: den Glauben, dass man Dinge im Zusammenwirken aller Beteiligten pragmatisch regeln kann. Dass es vertrauensvoller Netzwerke mehr bedarf als politischer Hahnenkämpfe. Dass Kümmerer fehlen und nicht Schönredner.
Aber mit Freundlichkeit alleine bekommt man keine Stadt regiert. Und keine Mammut-Behörde auf Trab gebracht. Hiltrud Zock kann Networking, sie kann Kreativität, sie kann Motivation, und sie kann Kommunikation.
Aber kann sie auch Politik? Kann sie Verwaltung? Kann sie Macht? Das sind die Fragen, die sie beantworten muss, wenn sie eine Chance haben will, die Funktion einer Stadt-Chefin zu übernehmen. Die Trierer werden Zeit genug haben, sich eine Meinung zu bilden. d.lintz@volksfreund.de