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OB-Wahl in Trier 2022: Vieles stimmt nach der Wahl nachdenklich

Meinung : Warum nach der Wahl von Wolfram Leibe in Trier vieles nachdenklich macht

Über die Mitbewerber hat sich Wolfram Leibe im Wahlkampf nie offiziell geäußert. Nur einmal indirekt. „Ich bin keine Mogelpackung“, sagte das amtierende und künftige Stadtoberhaupt Triers beim TV-Forum zur OB-Wahl und ging damit deutlich auf Distanz zur Konkurrenz.

Da war zum einen der sehr selbstbewusst auftretende Michael Molitor, der aber außer gebetsmühlenartig wiederholten Visionen vom frischen Wind im Rathaus wenig zu bieten hatte und der selbst von großen Teilen der CDU, für die er antrat, verschmäht wurde. Und Vera Ganske, deren Kandidatur erst gar nicht den Anspruch von Ernsthaftigkeit erhob. Da blieb Die Partei sich treu und ganz Spaßpartei – und war hinterher dennoch verblüfft vom außerordentlich guten Abschneiden. Mehr als sieben Prozent – das hatte Die Partei deutschlandweit noch bei keiner Wahl geschafft.

Gut 70 Prozent entfallen auf den alten und neuen OB. Dennoch ist Leibe kein strahlender Gewinner. Denn eine Wahlbeteiligung von knapp über 30 Prozent – ähnlich gering wie bei der OB-Wahl 2014 und der Stichwahl, bei der er denkbar knapp die Nase vorn hatte – bedeutet im Umkehrschluss vor allem eines: Die große Mehrheit der Trierer hat ihn nicht gewählt. Abgesehen davon muss der Mini-Zuspruch jeden politisch interessierten Menschen erzürnen. Hierzulande ist Wählen ein Grundrecht. Andernorts wird man gewaltsam zur Teilnahme an Scheinreferenden gezwungen.

Weiterer Verlierer neben der Demokratie: die CDU Trier. Es war kein Debakel für Molitor, sondern eins für seine Partei. Die hat nie in Erwägung gezogen, ein zugkräftiges personelles Angebot zu machen. Man hätte sich etwa um die im Saarland wohnende Ex-Bundesministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (hat an der Uni Trier studiert) oder die Schweicher Bürgermeisterin und frühere Trierer Wirtschaftsdezernentin Christiane Horsch bemühen können. Nun also geht es vom 1. April 2023 bis 31. März 2031 weiter mit Wolfram Leibe. Immerhin gibt es an dessen OB-Tauglichkeit keine Zweifel.

r.morgen@volksfreund.de