1. Region
  2. Trier & Trierer Land

OB-Wahl Trier 2022: Amtsinhaber Leibe und Herausforderer​ Molitor stellen sich Fragen in TV-Forum

TV-Forum : Oberbürgermeisterwahl in Trier: Souveräner Amtsinhaber, selbstbewusster Herausforderer (Fotos)

Wolfram Leibe und Michael Molitor stellen sich beim TV-Forum zur OB-Wahl kniffligen, aber auch lustigen Fragen. Den Vogel schießt aber ein anderer ab.

Der eine, Wolfram Leibe (SPD), will Triers OB bleiben. Der andere, Michael Molitor (CDU), will am 1. April 2023 selbst auf den Chefsessel. Amtsinhaber gegen Herausforderer: Die Rollen sind klar verteilt im Vorfeld der Wahl des Trierer Stadtoberhauptes am 25. September. Wer der Beste für diesen Job ist? Diese Frage beantwortet das Wahlforum des Trierischen Volksfreunds nicht umfänglich. Schon deshalb nicht, weil die Dritte im Kandidierenden-Bunde, Vera Ganske (Die Partei), aus persönlichen Gründen nicht dabei sein kann. Dennoch entwickelt sich eine spannende und unterhaltsame Veranstaltung, die den rund 250 Besucherinnen und Besuchern durchaus neue Erkenntnisse vermittelt.

Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl in Trier stehen beim TV-Forum Rede und Antwort

Die erste davon: Die Kenntnisse der Kandidaten in Trierer Mundart sind bescheiden. Was ein Dilldääbschi (Spielkreisel) oder Schnorresgrondel (Kaulquappe) ist? Da passen beide. Trierisch-Oberguru Helmut Leiendecker bohrt genüsslich weiter. Igaggschi (Erstklässler)? Mumiengrieweler (Archäologe)? Wieder Schulterzucken. „Leute, in Trier-Nord wärt ihr verloren“, unkt Leiendecker. Immerhin kann der aus der Vulkaneifel stammende Molitor die zweite Strophe des Duumstaan-Gedichts auswendig, und Leibe schlägt sich beim Vorlesen der ersten („Om Duumstaan sömmer rommgeröddscht ...“) ganz passabel für einen gebürtigen Badener.

Weitere Erkenntnis: Leibe hasst Unehrlichkeit, Molitor Untätigkeit. Wo werden die Kandidaten am Wahlabend anzutreffen sein? Molitor in der Gaststätte Aom Ecken in der Maarstraße gleich neben seinem Wohnhaus, Leibe in der Arena bei der Stimmenauszählung. Leibe bevorzugt die Arena auch beim Sport. Dort spielen die Römerstrom-Gladiators, während Molitor eher zur Eintracht gehen würde – er hat ja das Moselstadion fast vor der Tür.

Nach der lockeren Einstiegsrunde ist aber erst mal Schluss mit lustig. Das Moderationsteam Rebecca Schaal (TV-Lokalchefin Trier/Trier-Saarburg) und Alexander Houben (Chef vom Dienst) will wissen, was die Bewerber denn vorzuweisen haben. Leibe über einen seiner laut eigenem Bekunden größten Erfolge: „Wir sind die einzige Großstadt, die wieder eine Wohnungsbaugesellschaft gegründet hat und auf diesem Weg 800 bezahlbare Wohnungen realisiert.“ Nachhaltig enttäuscht zeigt er sich über die „Abmoderation“ des Baugebiet-Brubach-Vorhabens der Verwaltung durch den Stadtrat.

Molitor will einen Schwerpunkt auf die Verkehrswende legen und beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) anfangen: „Es würden viel mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen, wenn sie das Angebot für die Arbeit nutzen könnten.“ Da geben es großen Nachholbedarf. Außerdem plädiert er – ganz auf Kurs der CDU Rheinland-Pfalz – für ein 365-Euro-Jahresticket.

Thema Schulen: Leibe gibt sich auch da ganz souverän und weist dezent darauf hin, dass nicht alle Aufregerthemen in seiner persönlichen Verantwortung liegen. Beispiel Egbert-Grundschule: „Dazu will ich nichts sagen.“ Gleichwohl werde er den Neubau-Beschluss des Stadtrates loyal umsetzen. Die Frage, ob er denn zur Eröffnung gehe, kontert er mit: „Warten wir doch mal, wann die Eröffnung ist ...“

Michael Molitor ist auch der Karnevalsprinz von Trier

Der 62-jährige Sozialdemokrat ist schon siebeneinhalb Jahre Rathaus-Chef, Molitor (34) dagegen ein Youngster, der noch keine großen politischen Duftmarken hat setzen können – und das auch nicht wollte. Er habe sich auf seinen beruflichen Werdegang im Brüderkrankenhaus konzentriert, wo er als Vize-Hausoberer und als Vorsitzender des Seniorenzentrum-Direktoriums fungiert. Das sei Ende des Jahres erst mal vorbei, denn in der kommenden Session ist er Triers Karnevalsprinz – und will den symbolischen Stadtschlüssel, den er an Weiberfastnacht bekommt, gar nicht mehr abgeben.

Als Verwaltungs-Quereinsteiger auf dem Chefsessel zu landen, ist aus Molitors Sicht „ein Vorteil. Ich will ein Rathaus als Dienstleister, der auf die Menschen zugeht und fragt: Wie können wir euch helfen?“ Neue Impulse geben, mehr gestalten als verwalten – das ist der rote Faden, der sich durch Molitors Ausführungen zieht. Dabei präsentiert er sich sehr selbstbewusst und fühlt sich „bestätigt durch den großen Zuspruch“, den er auf seiner Wahlkampf-Tour durch die Stadtteile erhalte. Als jemanden, der, wie der CDU-Vorsitzende Thomas Albrecht in einem TV-Interview sagte, lediglich Außenseiterchancen habe, sieht er sich jedenfalls bei der Wahl nicht: „Wir haben alle drei die gleichen Chancen.“

Leibe prophezeit der Stadt zunächst noch „zwei schwere Jahre“ infolge der Auswirkungen des Ukraine-Krieges, ehe es 2024 wieder aufwärts gehen könne. Er wolle bis 2032, wenn seine mögliche zweite (und letzte) Amtszeit enden würde, dazu beitragen, Trier als städtische Gemeinschaft sozial, wirtschaftlich und ökologisch weiterzuentwickeln – „damit wir gut aufgestellt sind und gut miteinander umgehen.“

Molitor wirbt mit einer längerfristigen Perspektive: Er wolle Aufbruchstimmung erzeugen und könne acht, 16 oder auch 24 Jahre an der Spitze der Stadt stehen, „in der die Menschen gut und gerne arbeiten und wohnen“.

Kandidaten haben 60 Sekunden Zeit für Wahlwerbung

Jeweils 60 Sekunden Zeit haben beide Kandidaten für persönliche Wahlwerbung. Molitor wiederholt, er werde für die Menschen da sein, für sie in die Bresche springen und schließt mit dem Angebot: „Lassen Sie uns Trier gemeinsam lebenswert gestalten!“

Leibe beschränkt sich auf 30 Sekunden und steigt mit einem Appell ein: „Bitte gehen Sie zur Wahl!“ In eigener Sache: „Sie kennen mich. Sie haben es nicht mit einer Mogelpackung zu tun.“ Und dann nochmal: „Gehen Sie bitte wählen!“

TV-Forum  zur Oberbürgermeisterwahl in der Europahalle (von lins): Rebecca Schaal, Michael Molitor, Wolfram Leibe und Alexander Houben.
TV-Forum zur Oberbürgermeisterwahl in der Europahalle (von lins): Rebecca Schaal, Michael Molitor, Wolfram Leibe und Alexander Houben. Foto: HANS-KRAEMER

Großer Beifall für die beiden Kandidaten und alle anderen Akteure des von Chefredakteur Thomas Roth eröffneten TV-Forums. Den Vogel aber schießt der Unternehmer Peter Weber aus Trier-Irsch ab. Der 61-jährige liefert sich mit Marco Fusaro (56), Geschäftsführer des Bildungswerks des Landessportbundes Rheinland-Pfalz und früherer Zehnkämpfer, ein aufregendes Bieteduell bei der Benefiz-Versteigerung eines Bildes, das der Cartoonist Johannes Kolz während der Veranstaltung gezeichnet hat. Startgebot: 100 Euro. Es folgen Zehner-, dann Zwanzigerschritte, dann geht’s rund. Ab 650 Euro sind nur noch Fusaro und Weber im Rannen. Fusaros finales Angebot: 1000 Euro, Weber bietet 100 mehr und erhält von Auktionator Alexander Houben den Zuschlag. Wem das Geld zugute kommt, haben die OB-Kandidaten bestimmen dürfen. Gewinnt Leibe, fließt es in ein Mundart-Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Verein Trierisch an Trierer Grundschulen. Heißt der Wahlsieger Molitor, geht es je zur Hälfte ans Hospizhaus und das Geburtshaus Trier, das sich gerade im Aufbau befindet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: TV Forum: Bürgermeisterkandidaten in der Europahalle