OB-Wahl
Zur Berichterstattung über die Oberbürgermeisterwahl (TV vom 13. Oktober):
Nun ist es soweit: Der neue Oberbürgermeister ist gewählt. Was bleibt ist ein fader Nachgeschmack: die Wahlbeteiligung. Statt zu lamentieren und zu moralisieren, seien ein paar Überlegungen erlaubt: Die Wahl von Klaus Jensen vor etlichen Jahren war eine Richtungswahl, getragen von großer Hoffnung auf Veränderung. Das war diesmal anders. Die zaghafte Parole von Frau Zock "es muss sich was ändern" löste keine Begeisterung aus. Die geringe Wahlbeteiligung - nicht nur in Trier - ist ein realistischer Ausdruck davon, dass die Versprechungen der Kandidaten nicht glaubwürdig und die Profile zu ähnlich sind. Spätestens nach Obama wissen wir, dass die Verheißung einer anderen Politik illusionär ist. Die Spielräume der Politikgestaltung sind - nicht nur aufgrund finanzieller Restriktionen, sondern auch aus Gründen der Komplexität, der Verflechtung und Globalisierung - äußerst gering geworden. So scheint es fast egal zu sein, ob ein Herr Leibe oder eine Frau Zock Oberbürgermeister wird. Ihre Unterschiede, die ohnehin kaum erkennbar waren, würden verschwinden vor den realen Gegebenheiten, Machbarkeiten und Abhängigkeiten. Vielleicht sollten Oberbürgermeister nicht mehr von den Bürgern gewählt werden, sondern wie Geschäftsführungen durch ein Expertengremium ausgewählt werden. Das Auswahlverfahren durch Experten würde eher dem gerecht, was ein Oberbürgermeister an Aufgaben zu bewältigen hat. Dies gilt auch für die Dezernenten, deren politische Wahl die Tür für eine ineffiziente Steuerung der Verwaltung weit öffnet. Die dringende Wiederbelebung des Politischen, das Denken über das Machbare hinaus und die Wiedergewinnung des eigenen produktiven Lebens, statt einer Orientierung an Konsum, findet nicht in Parteien statt, nicht in Wahlen und auch nicht in Bürgerbeteiligung. Gut, dass ich inzwischen in Gutweiler wohne; somit blieb mir die Entscheidung, ob ich einen Oberbürgermeister wähle oder nicht, erspart. Alfred Gettmann, Gutweiler