Obst und Gemüse für alle

Vitamine machen schlau, fördern die Konzentration und sind dazu noch gesund. Um schon die Jüngsten an eine ausgewogene Ernährung heranzuführen, erhalten seit kurzem alle Grund- und Förderschulen in der Region einmal pro Woche eine Ration Obst oder Gemüse - und zwar auf Staatskosten.

Trier/Region. Grün, rot, gelb, lila - Obst und Gemüse in allen Farben leuchtet an den Verkaufsständen des Trierer Wochenmarkts genauso wie in den Regalen der Supermärkte. Doch lange nicht alle Kinder essen genügend Obst und Gemüse, geschweige denn kennen sie sich mit den Sorten aus. Wie wichtig Früchte und Gemüsesorten für eine gesunde Ernährung sind, sollen Kinder im Grundschulalter jetzt durch das EU-Schulobstprogramm lernen.

Schulen sind zur Teilnahme verpflichtet



Einmal pro Woche bekommen alle Grund- und Förderschulen in der Region zwei Sorten der gesunden und vitaminreichen Fitmacher geliefert, die von den Schülern der einzelnen Einrichtungen gemeinsam verzehrt werden. Das sind insgesamt 84 Schulen in der Region mit insgesamt rund 9500 Schülern.

Rheinlandpfalzweit werden 160 000 Schüler in 1100 Schulen mit Obst und Gemüse versorgt. Warum das Programm so wichtig ist, erklärt Christa Klass, Abgeordnete des Europaparlaments: "Es ist Aufgabe der Schulen, gesunde Ernährung und deren Vielfalt zu vermitteln. Es geht hier um eine wichtige Alltagskompetenz, die wir an die kommende Generation herantragen wollen." Auch Günther Schartz, Landrat des Landkreises Trier-Saarburg, befindet das Programm für sinnvoll und gut. "Allerdings dürfen die Eltern nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Im Gegenteil, sie müssen miteingebunden werden, auch wenn man mit diesem Programm auf verschiedene soziale Entwicklungen reagiert." Damit sind Schulen gemeint, in denen Kinder nicht vertraut sind mit einfachen Obst- und Gemüsesorten wie Äpfel, Bananen oder Möhren. Deshalb sei das EU-Programm wichtig, sagt Schartz. Die wöchentliche Ration der gesunden Kost kommt vom Obstlieferanten Theis aus der Pfalz, der die Produkte an das Deutsche Rote Kreuz ausliefert. Dieses übernimmt die Verteilung an alle Schulen in der Stadt und im Kreis Trier-Saarburg. Schartz: "Es wäre wünschenswert, mit heimischen Lieferanten zu arbeiten. Dann könnten Schulen und Bauernhöfe zusammenarbeiten, auch über die Obstlieferung hinaus." Nachdem die Verteilung in einigen Schulen getestet wurde, sind jetzt alle Grund- und Förderschulen verpflichtet teilzunehmen. Die Landesregierung begründet das so: "Auf Abfrage haben sich 86 Prozent für eine Teilnahme ausgesprochen. Angesichts der überschaubaren administrativen Aufgaben ist eine Teilnahme für jede Schule zumutbar." Die Resonanz sei überwiegend positiv, heißt es vonseiten der Landesregierung. Das Programm laufe jedoch erst seit Anfang September. Erste Meinungen gibt es schon. Das Kollegium der Grundschule Irsch begrüßt das Programm. Allerdings sei das Obst vereinzelt nicht gewaschen gewesen, was einen Mehraufwand für die Lehrer bedeutete. "Ernst Huber (60), Leiter der Grundschule Zemmer-Rodt, sagt: "Es gibt Kinder, die zum Frühstück oft Süßes dabeihaben, deshalb ist das Programm wichtig. Allerdings haben wir uns für die Standardprodukte entschieden wie Äpfel und Birnen, weil die Sonderprodukte wie Ananas oder Mango in der Vorbereitung viel aufwendiger sind." Die Schulen haben die Wahl zwischen zwei Standardprodukten, meist einer Sorte Gemüse und einer Sorte Obst, oder einem Standard und einem Sonderprodukt. Als Standard sind Trauben, Bananen oder Pflaumen deklariert, Sonderprodukte sind Orangen, Kiwi oder Honigmelone. Letztere können nicht einfach an die Kinder verteilt werden, sondern müssen geschält und geschnitten werden. Deshalb ist der Aufwand für die 15-minütige Frühstückspause oft zu groß.

Adolf Morbach, Schulleiter der Grundschule Welschbillig, findet die Idee Schulobst gut. "Allerdings haben die Kinder bei uns regelmäßig gesunde Sachen dabei. Deshalb mussten wir den Eltern sagen, dass sie den Kindern montags kein Obst oder Gemüse mitgeben."

Auch Verbesserungsvorschläge gibt es bereits. Peter Hardt vom Ministerium für Landwirtschaft sagt: "Manche Schulen möchten lieber nur eine Sorte und nicht zwei verschiedene Sorten Obst oder Gemüse, da es bei der Aufteilung Probleme gibt. Diesem Wunsch wollen wir so bald wie möglich entsprechen."

Meinung

Eltern bleiben verantwortlich

Dass der Staat jetzt Verantwortung für die gesunde Ernährung der Kinder übernehmen will, ist gut. Doch die verpflichtende Teilnahme der ländlichen Schulen am EU-Schulobstprogramm ist oft überflüssig. Die Kinder sind durch die Nähe zur Natur an frisches Obst und Gemüse gewöhnt. Doch so wird der Aufwand kleiner. Nur für die Lehrer ist er gestiegen, denn sie müssen nun einmal pro Woche Obst und Gemüse teilen, damit genug für alle da ist. Denn die zwei Produkte reichen jeweils nur für die Hälfte der Schüler. Die Vorteile sehen sie trotzdem: Das Obst gibt es auf Staatskosten, die Eltern sparen etwas Geld, und die Kinder lernen etwas. Doch eines muss klar sein: Das Programm soll unterstützend auf eine gesunde Ernährung wirken. Der Staat kann und will die Funktion der Eltern nicht ersetzen. Sie sind weiter dafür verantwortlich, dass ihre Kinder sich durch eine gute Ernährung gesund entwickeln. m.radics@volksfreund.deExtra Das EU-Schulobstprogramm soll Grund- und Förderschüler an eine gesunde Ernährung heranführen und sie mit der Vielfalt der Obst- und Gemüsesorten vertraut machen. Dabei wird darauf geachtet, dass vorwiegend heimische Produkte angeboten werden. An dem Programm beteiligen sich Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Saarland, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die übrigen Länder nehmen nicht teil. Die Verteilung der Produkte im Kreis Trier-Saarburg wird vom Deutschen Roten Kreuz übernommen, das das Obst und Gemüse fertig zusammengestellt und in sogenannten Klassenkisten von einem Lieferanten aus der Pfalz bekommt. Dieser wurde in einer europaweiten Ausschreibung ermittelt. Einmal pro Woche erhält jedes Kind 100 Gramm Obst oder Gemüse. Die Kosten für das Schuljahr 2010/11 von 2,4 Millionen Euro teilen sich Europäische Union (EU) und Länder je zur Hälfte. Das EU-Schulobstprogramm soll längerfristig weitergeführt werden. (MRA)