"Ohne Piepser fühle ich mich fast nackt"

"Ohne Piepser fühle ich mich fast nackt"

Ein freundliches Lächeln auf den Lippen oder ein herzliches Lachen für sein Gegenüber - so kennen und lieben die Feuerwehrleute in der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer ihren Chef. Nach 26 Jahren rein ehrenamtlicher Amtszeit legt Josef "Jupp" Hartmann Ende Mai schweren Herzens sein Amt als VG-Wehrleiter nieder.

Waldrach/Kasel. "Ich kann mir das noch gar nicht vorstellen", sagt er. "Auch wenn meine Frau diesem Tag schon entgegenfiebert - mir wird es sehr schwer fallen, aufzuhören", gibt Josef Hartmann (62) zu. Ende Mai dieses Jahres geht die Amtszeit als Wehrleiter der Verbandsgemeinde Ruwer für den zweifachen Familienvater aus Kasel zu Ende. Mit 63 Jahren ist endgültig Schluss - so schreibt es das Gesetz vor.
26 Jahre lang hat der sportlich-elegante Herr mit der mittlerweile weißen Kopf- und Gesichtsbehaarung die Geschicke der VG-Ruwer-Feuerwehren erfolgreich geleitet - und ist dabei stets bescheiden geblieben. Als Respekts person, Vorbild und Kamerad zugleich hat sich Josef Hartmann auch überregional längst einen Namen gemacht. Obschon ihm die Aufsicht über 450 Wehrleute in 20 großen und über 169 Kinder und Jugendliche in 13 Jugendwehren (kreisweiter Rekord) obliegt, hat er bis heute nie den Chef raushängen lassen. "Warum sollte ich mir etwas auf meine Position einbilden?", fragt er. "Die Leute, die vorne an den Strahlrohren stehen, das sind letztendlich die, die die Arbeit machen", sagt er. "Ohne die wäre ich nichts."
Mehrfacher Abteilungsleiter



Die 45 Jahre als Floriansjünger, auf die Josef Hartmann mittlerweile zurückblicken kann, fanden ihren Anfang 1966. Gleich nach dem Besuch der Ruwerer Volksschule trat er in die Feuerwehr ein. Zeitgleich fing er eine Lehre bei der Verbandsgemeindeverwaltung an, wo er nun bereits seit Jahren auch die Verantwortung als Abteilungsleiter für verschiedene Bereiche, darunter den der Feuerwehr, trägt. "Feuerwehr hat mich immer schon fasziniert", sagt Hartmann. Es folgten Jahre des Einsatzes bei der Bereitschaft der Verbandsgemeinde, bevor er 1987 von 19 der 20 Wehrführer zum Wehrleiter der VG Ruwer gewählt wurde.
Mittlerweile hat er sich etliche Auszeichnungen erarbeitet, darunter das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber, das Goldene Feuerwehrehrenzeichen am Bande und die Ehrennadel der Rheinland-Pfälzischen Jugendfeuerwehr. Bei seinem Amtsantritt gab es in der VG Ruwer gerade mal eine Jugendwehr, mittlerweile sind es 13. Ehrenamtsbedingt besucht Hartmann bis heute durchschnittlich 150 Abendveranstaltungen (Sitzungen, Lehrgänge, Ehrungen) im Jahr. Hinzu kommen bis zu 100, teils überregionale Einsätze. Er ist Mitglied im Arbeitskreis Feuerwehr des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz. Hartmann ist 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr in Bereitschaft. "Das war auch oft sehr schwierig, besonders als die Kinder noch klein waren", sagt er nachdenklich. Doch schon einen Moment später lächelt er wieder: "Ohne meinen Piepser fühle ich mich fast nackt. Und meine Frau weiß, dass Feuerwehr für mich alles ist."Extra

"Es ist sehr schade, dass wir jetzt so einen kompetenten Fachmann verlieren werden." Gerd Dietzen (45) FFW Ollmuth "Als der Jupp damals kam, war die Jugend begeistert. Der hat die Jungs alle gekannt, die sind ja quasi mit ihm groß geworden. Sein Abschied wird ein Einschnitt für die Feuerwehren bedeuten." Paul Wahlen (68), inaktiv bei der FFW Herl "Das ist total schade, dass er geht. Der war ja immer da und hat sich sehr für uns interessiert. Das Gesicht ist einem so bekannt. Es ist schwer, sich vorzustellen, dass da demnächst jemand anderes steht." Helena Terres (13) Jugendfeuerwehr Schöndorf "Josef Hartmann hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Feuerwehren der VG Ruwer, ungeachtet ihrer regionalen Unterschiedlichkeit, sich als Gesamtmannschaft verstehen und dass die Nachwuchsarbeit unserer Feuerwehren sehr erfolgreich verläuft. Sein Markenzeichen ist die Kombination von fundiertem Fachwissen, langjähriger Erfahrung und gleichzeitig einem sehr menschlichen Umgang mit den Feuerwehrkameradinnen und -kameraden. Mit der von ihm maßgeblich gestalteten Konzeption 2015 hat er wichtige perspektivische Regeln für die Feuerwehren der VG Ruwer aufgestellt und damit auf absehbare Zeit die Zukunft unserer Wehren gesichert. Sein Abschied ist für die Feuerwehren ein tiefer Einschnitt." Bernhard Busch, Bürgermeister der VG Ruwer und Arbeitgeber von Josef Hartmann anfExtra

Hartmanns Nachfolger(in) für den Posten des Wehrleiters in der Verbandsgemeinde Ruwer wird am 10. April in geheimer Abstimmung im Waldracher Rathaus von den 20 Wehrführern der VG-Wehren gewählt. Amtsantritt wie -niederlegung sind am 29. Mai 2013. "Es sollte jemand mit guten Fachkenntnissen sein", sagt Josef Hartmann. "Jemand, der mit Menschen umgehen kann. Denn es ist wichtig, die Mannschaft zusammenzuhalten." anf

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