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Ohne Schirm, aber mit Charme und Melone

Ohne Schirm, aber mit Charme und Melone

Vierzehn ausgesuchte Lieder des legendären Otto Reutter in passendem Ambiente: Ewald Schu und Christoph Schach haben rund 140 Zuschauer im ausverkauften Casino am Kornmarkt begeistert.

Trier. (fgg) "Beim Genuss des Hühnereis frag ich nicht, woher's gekommen - was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!", singt Ewald Schu und manch' einer der Gäste mag sich fragen, ob der ehemalige Bäcker dem Originalrezept des legendären Otto Reutter noch eine Zutat hinzugegeben hat: Doch nein, auch diese Zeile stammt original aus dem Couplet von 1929, dessen Titel es zum geflügelten Wort gebracht hat. "Es ist schon erstaunlich, wie aktuell diese Texte heute erscheinen", sagt Ewald Schu, der seit gut fünf Jahren die Texte Reutters intoniert: In Frack und mit Melone, die Blume im Knopfloch, gibt er die meist schlitzohrigen, manchmal melancholischen Lebensbetrachtungen mit sonorer Stimme und feinen Gesten wieder, während am Klavier Christoph Schach dezent und punktgenau begleitet.

Natürlich ist nicht nur die Frage nach der Herkunft des Hühnereis hoch aktuell: Vor allem die Zeilen zur aufziehenden Wirtschaftskrise ("Jetzt krachen viele Banken, wer hätte das gedacht!") scheinen wie für die heutige Zeit geschrieben. Zwar verursachen sie im ersten Moment ein ungutes Gefühl im Magen, doch Reutters Texte erinnern daran, auch missliche Lagen mit Humor zu nehmen: Neben den Strapazen der Liebesmühen, die in praktisch jedem Lied besungen werden, wird auch dem Tod frech ins Gesicht gelacht - warum auch nicht: "Vorm Tode sich fürchten hat keinen Zweck, man erlebt ihn ja nicht, wenn er kommt, ist man weg!"

Bei diesem "großen Konzert" im Casino steuerte auch der von Schu begründete Männerchor "Choract" Lieder der unvergessenen Comedian Harmonists bei. Wer Ewald Schu als Otto Reutter erleben möchte, hat am 14. Mai noch eimal im Casino Gelegenheit dazu - oder aber bei den Sitzungen des Heuschreck in der Europahalle.