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Olewig: Peter Wilhelm Stein setzten seine Schüler 1831 ein Denkmal

Serie „Landmarken“, Teil 11 : Blick zu den Sternen: War ein Mathelehrer vom FWG einst Triers beliebtester Pädagoge?

Serie „Landmarken“: Im Stadtteil Olewig haben die Schüler von Johann Peter Wilhelm Stein ihm 1831 ein Denkmal gesetzt.

Ein altes Gesetz scheint in jeder Schule zu gelten: Manche Lehrer sind beliebter als andere. Nun schwankt die Popularität natürlich – je nachdem, auf was man besonderen Wert legt und ob einen das Schulfach überzeugt. Auf jeden Fall erreichen aber nur wenige Lehrkräfte eine solch hohe Beliebtheit, dass ihnen nach dem Tod die Schüler ein Denkmal setzen. Einer, dem diese Ehre zuteil wurde, ist Dr. Johann Peter Wilhelm Stein. An den 1831 verstorbenen Pädagogen er­innert ein weißer Obelisk an der Kreuzung Riesling-Weinstraße/Brettenbach in Olewig.

Namentlich genannt wird er darauf nicht. Dort heißt es im Sockel nur: „Unserem Lehrer“. Womit offenbar alles gesagt war. Die Seitenmotive verraten da schon mehr. Sie zeigen Zirkel und Globus beziehungsweise ein astronomisches Symbol aus Sonne und vier Planeten. Mathematik und Sternkunde waren also offenbar die Stärken des ver­ehrten Magisters. Die schriftlichen Quellen ordnen das Denkmal eindeutig Johann Peter Wilhelm Stein zu. Der war von 1816 bis 1831 Oberlehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG). Jenes älteste der Trierer Gymnasien ist aus einen Kolleg hervorgegangen, das 1561 von Jesuiten-Patres ge­gründet wurde.

 Eine Seite des Sockels zeigt Zirkel und Weltkugel.
Eine Seite des Sockels zeigt Zirkel und Weltkugel. Foto: TV/Martin Recktenwald

Für das 19. Jahrhundert gibt es einige Hinweise auf die intensive Beschäftigung an dieser Schule mit dem Sternenhimmel. So ist aus dem Jahr 1857 eine Veröffentlichung von Prof. Johann Jakob Flesch unter dem Titel „Über die Bewegung der Himmelskörper“ bekannt. Flesch war – ebenso wie Stein – Oberlehrer am FWG. Man kann also vermuten, dass beide die Astronomie zu einem Schwerpunkt ihres Unterrichts gemacht haben. Zumeist wurde dieses Feld damals im Rahmen der Mathematikstunden behandelt. Wer gerne mit wirklich großen Zahlen rechnet, kommt bei der Beschäftigung mit kosmischen Entfernungen voll auf seine Kosten. Die sind derart gigantisch, dass selbst „kleinere“ Rechenfehler von einigen Tausend Kilometern meist gar nicht ins Gewicht fallen.

Doch die Gymnasiasten hatten vermutlich nicht nur durch Mathematik, sondern auch über praktische Beobachtung Kontakt mit den Sternen. Vieles spricht dafür, dass es zu Steins Zeiten ein geeignetes Fernrohr an der Schule gab. Einige Astro-Begeisterte unserer Tage haben schon gemutmaßt, dass es sich dabei um den „90 Millimeter Refraktor der Firma Merz/München“ handelte. Dessen Objektiv wurde später noch in einem Zweitfernrohr der Sternwarte verwendet. Heute ist die Alfred-Wegner-Sternwarte auf dem Dach der Trierer Universität ein guter Anlaufpunt für Himmels­beob­achter. Noch bessere Einblicke ins All sind von der Außenstelle in Trier-Irsch möglich, die ebenfalls der Verein Sternwarte Trier unterhält. Dort sind weniger künstliche Stadtlichter in der Nähe, die vom Sternenlicht ablenken.

 Auf der zweiten Sockelseite sind die Sonne und vier Planeten zu sehen.
Auf der zweiten Sockelseite sind die Sonne und vier Planeten zu sehen. Foto: TV/Martin Recktenwald

Die Verbindung zum Schul­unterricht ist bis heute geblieben: Eine Astro-Arbeitsgemeinschaft der Gymnasien in Trier, Konz und Schweich ist regelmäßig zu Gast an den Teleskopen. Welchen Anteil an einer anhaltenden Astronomie-Begeisterung in Trier Stein tatsächlich hatte, lässt sich wohl nicht mehr end­gültig klären. Seine damaligen Schüler jedenfalls waren so überzeugt, dass sie einen Obelisken zur Erinnerung an ihn aufstellten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Serie „Landmarken“: Obelisk in Trier-Olewig