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Onlinekurse? - Fitness vor dem Bildschirm - Und das geht so

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Onlinekurse? - Fitness vor dem Bildschirm - Und das geht so

Sportanbieter setzen auf Online-Kurse: Ob Tanz, Yoga oder Kampfsport – das Repertoire und die Umsetzung von Trainings-Angeboten im Internet überzeugen viele Menschen in der Region. Einen Haken hat die Sache allerdings.

„Eins und zwei“, ruft Reveriano Camil in der Camil Dance Academy in der Trierer Wechselstraße, während er sein linkes Bein nach vorne bewegt, tief abknickt, um sich bei „drei“ kraftvoll mit dem gekrümmten Bein vom Boden abzustoßen und bei „vier“ den linken Fuß dicht neben dem rechten mit Schwung abzusetzen. Mit dabei: 32 begeisterte Tänzer, die mit vielen „Daumen-Hochs“ und positiven Kommentaren bei Instagram ihre Begeisterung zeigen und mitmachen. In Zeiten der Isolation wäre das unmöglich – gäbe es das Internet nicht.

Über ein Live-Video schaltet die Tanzschule an jedem Werktag einen öffentlich zugänglichen Tanzkurs unter dem Motto „Camil Dance Academy gegen Corona“. Voraussetzung ist ein Account beim sozialen Netzwerk Instagram, eine gute Internetanbindung und viel Motivation.

Foto: Sandra Hermes

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Logo Mutmacher PRINT. Foto: TV/Schramm, Johannes

Was leicht mit wenigen Schrittabfolgen beginnt, entwickelt sich in dem einstündigen Kurs zu einer anspruchsvollen Choreografie. Auch Krafttraining und Dehnübungen fehlen nicht. Zwischendurch wendet sich Camil mit Tanzpartnerin Felizia Roth immer wieder an die Zuschauer. „Geht es euch gut?“, ruft er verschwitzt seinem Smartphone entgegen. „Klar geht es uns gut“, antwortet laura_biebel im Instagram-Chat. _happy_ghost sendet „greetings from philadelphia“.

Seit einigen Tagen ist auch der Gerätepark am Mattheiser Weiher geschlossen, um die weitere Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Sportangebote im Internet stoßen in diesen Zeiten auf große Resonanz. Foto: TV/Lisanne Dornoff

Auch Anikó Thesen-Marosváry ist nun online unterwegs. Seit 25 Jahren leitet sie das Yogastudio „Iyengar Yoga“ in der Südallee, vergangene Woche hat die 70-Jährige zum ersten Mal Unterricht per Youtube angeboten. Die Resonanz war so gut, dass sie kurzerhand ein Mikrofon, eine neue Kamera und Lampen angeschafft hat, um die Qualität ihrer Videos zu verbessern. Jeden Mittwoch und Samstag hält sie nun auf YouTube eine Live-Yogasitzung, zu der allerdings nur Mitglieder ihrer Yogaschule Zugang haben. „Der Unterricht wird einfach fortgesetzt“, erklärt sie. Anders als bei anonymen, öffentlichen Videos möchte sie durch den privaten Rahmen die Verbundenheit ihrer Schüler untereinander fördern. Schließlich ziele Yoga nicht nur auf die Stärkung des Körpers, sondern auch auf die des Geistes. Ihre Videos sollen den Yoga-Übenden das Gefühl geben, „nicht wirklich isoliert zu sein“ und „auch in diesen Zeiten Stärke zu bewahren“, erzählt Anikó Thesen-Marosváry. Für die Zukunft plant sie nun sogar einen YouTube Channel, der nach Anmeldung über ihre Website für alle kostenlos sein soll.

Reveriano Camil hat derweil die Dehnübungen und das Krafttraining abgeschlossen, jetzt geht es an Part zwei der Choreografie. „Vier und fünf, sechs!“ ruft er, während er mit seinen Zuschauern die neuen Schritte einstud... Plötzlich ist das Bild weg! Ein Technischer Fehler. Mehrere Sekunden dauert es, bis das Live-Video wieder zu sehen ist. Die verwirrten Gesichter von Camil und seiner Partnerin Felizia Roth beugen sich unsicher über das Handydisplay. Nach zwei Minuten geht das Training reibungslos weiter. Auch, wenn die Illusion von der perfekten Sportstunde zwischendurch mal platzt: Vielen helfen Angebote wie die von Reveriano Camil, Anikó Thesen-Marosváry und zahlreichen weiteren Trierer Sportanbietern (siehe Info) durch die Corona-Krise.