Operetten-Häppchen zum Café

Operetten-Häppchen zum Café

TRIER. Das macht Lust auf Mehr: Schauspieler und Regisseur Gerhard Weber servierten im Theatercafé Kostproben aus "Die Csárdásfürstin" und gewährten einen Blick hinter die Kulissen. Premiere der Operette von Emmerich Kálmán ist am Sonntag, 29. Januar, um 19.30 Uhr im großen Haus.

Reichlich fließt der Champagner im Budapester "Orpheum". Flotte Adlige auf der Suche nach Vergnügen feiern mit den Mädels von Chantant. Doch Edwin, Geliebter der berühmten Chansonette Sylva Varescu, genannt "Die Csárdásfürstin", muss Lebewohl sagen, denn er hat der Einberufung zum Militär zu folgen. Dahinter steckt die Absicht seines fürstlichen Vaters, den Sohn standesgemäß zu verheiraten. Man verliert sich aus den Augen, und beim Wiedersehen gibt es ein böses Erwachen. Die heißen Gefühle sind nicht erloschen, und so bahnt sich letzten Endes das Glück seinen Weg.Champagner-Seligkeit in plüschigen Salons

Die Wirren um die Liebe sind der Stoff der 1915 uraufgeführten Operette von Emmerich Kálmán. Eine Stunde lang entführten die Schauspieler des Theaters Trier und Regisseur Gerhard Weber die Besucher des Theatercafés in die schillernde Glamourwelt und Champagner-Seligkeit der plüschigen Salons, in denen Lebemänner, schneidige Offiziere und kokette Damen verkehren. Mit einem "Operetten-Happen" regte Darstellerin Vera Wenkert den Appetit der Zuhörer auf mehr Informationen über die Inszenierung an. Als Sylva Varescus, genannt "Die Czárdásfürstin", sang, kokettierte und lachte sie im langen, tief dekolletierten Abendkleid ein paar Minuten auf der Bühne des Theatercafés. Es sei eine Herausforderung, Sylva, die Femme fatale, die charismatische Chansonette, die Heiterkeit und Leidenschaft versprühe, mit all ihren Facetten darzustellen. Denn Sylva sei der delikate Leckerbissen für Männer, den jedoch niemand heiraten wolle. "Männer verlieben sich in die Figur, aber nicht in den Menschen Sylva", plauderte Vera Wenkert auf dem weißen Operettensofa neben "Theatercafé-Moderator" Peter Larsen. Die Brüche, die Fassade und das wirkliche "Ich" dieser Figur darzustellen, nehme sie sehr ernst. "Es geht um die Tiefsinnigkeit im Leben einer Frau". Szenenwechsel: In lockerer, charmanter Art erzählte auch Operettenlegende Ferry Seidl Anekdoten von einem gemeinsamen Silvesterfest und Auftritten mit Marika Rökk, der legendären Csárdásfürstin. Als Lebemann Ferri Bácsi wird auch er in der Trierer Inszenierung zu sehen sein. Gemeinsam mit Tenor Peter Koppelmann, der ebenfalls einen Lebemann spielt, gab er Kostproben seines gesanglichen und darstellerischen Könnens - begleitet von Christoph Jung am Klavier. Nick Herbosch gab Stimmproben und erzählte von seinem beständigen Theaterleben. Mit seiner sonoren, Respekt einflößenden Stimme, scheint ihm die Rolle des Fürsten auf den Leib geschrieben zu sein. Einziger Wermutstropfen des Theatercafé-Morgens: Thomas Kiessling, der die Rolle des Edwin spielt, war nicht dabei. Doch Regisseur Gerhard Weber ließ sich ein paar Minuten bei der Arbeit über die Schultern blicken. Es sei ein großes Glück, mit dieser Operette großartige Musik und wirklich gute, pointenreiche, quirlige Texte zu haben. Beispielsweise komme es darauf an, das Timing richtig zu setzen. Dreimal mussten Peter Koppelmann und Evelyn Czesla einen Dialog wiederholen, bis der Regisseur zufrieden war. Die Zuhörer begriffen, dass bereits eine Zehntelsekunde weniger Pause zwischen zwei Sätzen oder ein anderer Blick eine Szene beim Zuschauer anders ankommen lässt. Vor den Darstellern liegt noch einige Arbeit, denn "zwei Wochen vor der Premiere sind es gerade die letzten Zweifel, die nochmals einen kreativen Schub geben", sagte Weber. Nicht nur die Besucher des Theatercafés können sich auf ein turbulernttes Stück freuen, das garniert ist mit dem Csárdás, jenem ungarischen Tanz, dessen Pirouetten immer größer werden. Regisseur Weber verspricht ein Fest für Augen und Ohren, wenn es am 29. Januar um 19.30 Uhr im großen Haus heißt: Vorhang auf für "Die Csárdásfürstin".

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