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Operetten-Open-Air in Riveris: Mit der Csárdásfürstin durch den Wald

Operetten-Open-Air in Riveris: Mit der Csárdásfürstin durch den Wald

In Riveris, unweit der Talsperre, gibt es einen Ort, der idyllischer nicht sein könnte: der Waldfestplatz mit seinen hohen schattigen Bäumen. Dort haben Chorsänger und Solisten 200 Zuhörer mit beschwingten und zu Herzen gehenden Liedern in die Welt der Operette entführt.

Riveris. Von weitem klingen helle Töne durch den urigen Forst. Es ist kein Vogelgesang - es ist der herrlich klare Sopran von Evelyn Czesla. Die aus dem Stadttheater Trier bekannte Sopranistin singt aus der bekannten Operette "Giuditta" von Franz Lehár: "Meine Lippen, die küssen so heiß." Dabei tanzt sie aufreizend und ausdruckstark im grünen Abendkleid und mit einem Fächer ausstaffiert auf der kleinen Waldbühne.Höhenstarker Gesang


Mit ihrem höhenstarken Gesang erreicht sie die Gäste und auch die Sänger tief im Herzen. Hans Jakobs, der das Operetten-Open-Air-Konzert gekonnt moderiert, ist begeistert und sagt: "War das nicht eine Wohltat." Sie sei etwas für das Auge und für das Ohr, schwärmt er. Er ist erster Vorsitzender des Männergesangvereins Liederkranz 1921 Riveris, der erst vor kurzem seinen stolzen 95. Geburtstag gefeiert hat und mit der Operetten-Premiere unter freiem Himmel nun mutig neue Wege geht.

Gerrit Klein (50) aus Mertesdorf lobt: "Das Konzert ist klein, intim und familiär. Es ist viel schöner als auf den großen Musikfestivals, und es ist erstaunlich, was solch ein kleiner Verein auf die Beine gestellt hat." Mit dem kleinen Verein meint er die 20 aktiven Sänger. Sie geben das bekannte Trinklied aus "Traviata" von Verdi zum Besten und ein Stück, das Rudolf Schock bereits in den 50er Jahren voller Inbrunst gesungen hat: "Ach, ich hab in meinem Herzen da drinnen, einen wundersamen Schmerz." Ihr Dirigent ist Thomas Siessegger, der als ausdrucksstarker Tenor mit Gänsehauteffekt gefällt. Mit seinem Vortrag "Gern habe ich die Frauen geküsst" aus "Paganini" von Franz Lehár zeigt er seine lyrische Klasse.

Begleitet werden die Solisten von István Dénes am Klavier. Der ehemalige Generalmusikdirektor des Stadttheaters Trier besticht durch eine originelle Eigenkomposition. Er zückt sein altes Nokia-Handy und lässt es im Mikrofon laut klingeln. Und genau zu dieser Melodie hat er einen fröhlichen Nokia-Walzer komponiert, den er zum Besten gibt und viel Applaus dafür bei den Zuhörern erntet. Zu den Solisten gehört auch Bariton Arnold Wichmann. Er singt aus dem Musical "Anatevka" von Jerry Bock das sehr bekannte "Lied des Milchmanns Tevje".Junge Blonde und ihr Galan


Zu den Höhepunkten der gelungenen Premiere gehört der Auftritt von Operetten-Tenor Ferry Seidl und Evelyn Czesla mit ihrem Duett aus der "Csárdásfür-stin" von Emmerich Kálmán. Sie singen "Tanzen möcht' ich, jauchzen möcht' ich." Gekonnt lässig tanzen sie dazu den ungarischen Csárdás auf der Bühne.

Die junge Blonde und ihr ewig flirtender Galan Seidl, der es bestens versteht, das Publikum zu unterhalten. Der in Ungarn geborene Künstler ist schon in neun Ländern aufgetreten, unter anderem auch mit der legendären Marika Rökk. Ob der jüngste Gast des Tages diese noch kennt, ist eher unwahrscheinlich. Auf Mark Foster und die Wise Guys steht eigentlich die neunjährige Mertesdorferin Emily Richter. Von Evelyn Czesla braucht sie aber unbedingt und sofort ein Autogramm, so begeistert ist sie von ihr.