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Glaube im Alltag: Opium des Volkes

Glaube im Alltag : Opium des Volkes

In dem Ausdruck Religion sei das „Opium des Volkes“ bündelt Karl Marx 1844 seine Religionskritik: Religion sei nur dazu da, die notleidenden Menschen zu betäuben, sie auf bessere Verhältnisse im Jenseits zu vertrösten, um sie gleichzeitig daran zu hindern, gegen die ungerechten Strukturen zu kämpfen, unter denen sie leiden.

Kurz: Religion als willkommenes Mittel jener, denen die ungerechten Strukturen dienen, die arme Bevölkerung bei Laune zu halten, um sie noch stärker ausbeuten zu können. Wo Religion so verstanden oder gepredigt wird, muss nicht die Religion kritisiert werden, sondern jene, die die Religion zu ihren Zwecken missbrauchen.

Richtig verstanden wirkt die christliche Botschaft nicht betäubend, sondern weckt auf, lässt Ungerechtigkeit und Leid erkennen und enthält gleichzeitig den Auftrag, gegen diese vorzugehen.

Zu allen Zeiten findet man Menschen, die diesen Auftrag erkennen und aus ihrem Glauben heraus die Kraft finden, die Verhältnisse der Menschen zu verbessern.

Ein Beispiel: Nur ein Jahr nach Marx, 1819, wurde Peter Friedhofen, Gründer der Barmherzigen Brüder Trier, geboren. Während Marx seine Religionskritik schreibt – setzen sich Peter Friedhofen und viele andere Frauen und Männer aus christlicher Motivation heraus konkret für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen ein und verändern damit auch die Welt – bis heute.

Dass christlicher Glaube auch hierzu in der Lage ist, kann Marx nicht entgangen sein – und sollte uns auch heute nicht entgehen.

Markus Leineweber, Diplom-Theologe und Hausoberer im Krankenhaus und Seniorenzentrum der Barmherzigen Brüder Trier