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Ordentlich rocken beim Pflichttermin

Ordentlich rocken beim Pflichttermin

Der rockigste Trierer Neujahrsempfang ist laut über die Bühne gegangen: Beim traditionellen Festival "Bunker bebt" im Exhaus haben etwa 550 Gäste am Samstag gefeiert.

Trier. Es ist laut, es ist warm, es rockt. Und das auf und vor drei Bühnen. Das Traditionsfestival "Bunker bebt" ist am Samstagabend wieder in vollem Gang. 17 Bands spielen im Exzellenzhaus auf den drei Bühnen im Balkensaal sowie im kleinen und im großen Exil.
Alle Musiker proben im Trierer Hochbunker und bringen bei dem Festival ihren Pflichtauftritt hinter sich - mit Freude. Denn die Bunker-Bands müssen, dürfen und wollen einmal im Jahr beim "Bunker bebt" auf die Bühne. Die musikalische Vielfalt unter den 17 Gruppen lässt kaum musikalische Geschmacksrichtungen außen vor. Lediglich den Schlager aus dem Plattenschrank der Großmutter sucht man vergebens.
Da sind zum Beispiel die jungen Indierocker wie White Men Can\'t Dance, die von dem ein oder anderen weiblichen Besucher auch mal als "süß" bezeichnet werden. Den Ausdruck nutzt zum Beispiel Marie Jechel, 22 Jahre alt, aus Koblenz und Studentin an der Uni in Trier "Eine Freundin hat mir White Men Can\'t Dance empfohlen, die fand ich süß." Marie ist zum zweiten Mal bei "Bunker bebt" dabei. "Vergangenes Jahr bin ich von Kommilitonen mitgeschleppt worden und fand das hier richtig gut. Also sind wir alle wiedergekommen."
Und warum kommen Hunderte Menschen immer wieder zu der Veranstaltung? Längst nicht jede Band und jeder Künstler ist in Trier und Umgebung wirklich bekannt. Zum Beispiel Jimi Berlin, Popperklopper und My First Robot bilden da die Ausnahme. Die Formation Surface Sky - bisher unter The Orange Indiependence in der Szene zu finden - sagt dem ein oder anderen auch was.
Ziehen diese Namen also an? "Wir sind zu dritt das erste Mal hier. Ich hab das im Internet gesehen, kenne My First Robot und hab schon öfter was von Jimi Berlin gehört. Da die beiden hier spielen, hab ich meine Freundinnen dann überredet, hier hinzukommen", sagt Nadja Schneiders aus Trier. Aber die Begleiterinnen der 23-Jährigen seien "nicht so begeistert wie ich".
Corinna Reitz, ebenfalls 23, nickt. "Ja, ich hab mir das irgendwie anders vorgestellt. Die sagen alle, es wäre hier heute so wenig los, und trotzdem kommt man nirgendwo durch. Und ich kenne halt keine einzige Band. Dafür hab ich acht Euro bezahlt. Das ist ein bisschen viel." Dass das Geld in das Bunker-Projekt fließt, weiß sie zunächst nicht. "Ach so, echt? Das ist dann ja irgendwie was anderes. Dann ist das ja noch was Gutes. Aber acht Euro ist immer noch ein bisschen viel."
Mike Rogalsky sieht das anders. Der 29-Jährige zahlt den Preis gerne. "Ich find das hier echt gut. Ich kenne ja auch ein paar Musiker. Die spielen gerne hier, ihrem Proberaum zuliebe. Nur schade, dass immer weniger Leute kommen. Heute war es im Keller teilweise echt leer. Das ist doof für die Bands. Das Datum ist aber auch blöd gewählt. Ich bin erst gestern aus dem Urlaub zurückgekommen und dann direkt Party. Wenn nicht meine Kumpels hier spielen würden, wär\' ich auch nicht da."
550 Leute kamen, nicht so viele wie in der Blütezeit des Festivals (siehe Extra). Vielleicht gehen die Besucherzahlen auch wieder nach oben. "Bunker bebt" bleibt jedenfalls ein fester Bestandteil des Trierer Kulturkalenders.Extra

Entwicklung der Besucherzahlen: Das "Bunker bebt"-Festival findet seit 1994 zugunsten des Hochbunkers in Trier-Nord statt, in dem Trierer Bands ihre Proberäume haben. Zu Höchstzeiten kamen bis zu 1000 Besucher zu der Veranstaltung. Mittlerweile hat sich die Besucherzahl zwischen 450 und 600 eingependelt. Folgende Besucherschätzungen der vergangenen Jahre beziehen sich auf die Angaben der Veranstalter: 2006: 800 2007: 700 2008: 450 2009: 700 2010: 450 2011: 600 2012: 550 sve