Orgelmusik mit Schweizer Präzision

Von der Elbe an die Mosel kam die Konzertorganistin Barbara Kraus, um einen Abend der sommerlichen Orgelkonzerte zu gestalten. Ein interessantes Programm und technische Präzision standen nüchterner und lehrbuchhafter Interpretation gegenüber.

Kam für ein Orgelkonzert von der Elbe an die Mosel: Konzertorganistin Barbara Kraus aus Hamburg. TV-Foto: Gerhard W. Kluth

Trier. (gkl) Für die vierte der insgesamt acht Veranstaltungen im Rahmen der sommerlichen Orgelkonzerte in der Konstantin-Basilika, die auch in diesem Jahr wieder im Rahmen des Mosel Musikfestivals laufen, war die Organistin Barbara Kraus aus Hamburg an die Mosel gekommen. Auf ihrem Programm fanden sich Werke von Jehan Alain und Johann Sebastian Bach, die sie einrahmte mit zwei von Glocken inspirierten Kompositionen von Jules Grison und Henri Mulet. Bei Grison war es eine Magnificat-Verset aus "Les Cloches de Reims", bei Mulet das "Carillon-Sortie".

Alain war einer der hoffnungsvollsten Komponisten Frankreichs zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Es waren ihm jedoch nur 29 Lebensjahre vergönnt, in denen er allerdings mehr als 140 Werke verfasste. Er fiel am 20. Juni 1940 bei der Verteidigung der Stadt Saumur, wenige Stunden, bevor der Waffenstillstand zwischen der französischen und der deutschen Armee in Kraft trat. Zwischen Bachs Präludium und Fuge a-Moll, BWV 543, dem Concerto a-Moll nach Vivaldi, BWV 593 und der Fuge d-Moll, BWV 539,2 hatte Kraus Alains phrygische Ballade, das "Petite pièce", die Monodie und die bekanntere Komposition "le jardin suspendu" gesetzt.

Was Kraus zu bieten hatte, war ein technisch nahezu perfektes Spiel, geprägt von zuverlässiger Präzision. Kaum einmal ein Ausrutscher, weder in den Manualen noch im Pedal. Mit deutlicher Akzentuierung nahm sie auch Rücksicht auf die Akustik der Basilika, wodurch ihr Spiel sauber und deutlich durchhörbar die rund 150 Zuhörer erreichte. Kraus erinnerte an ein Schweizer Uhrwerk. Viele Menschen sind von der Zuverlässigkeit dieser kleinen technischen Wunderwerke fasziniert. Reicht das aber auch für die Musik? Kraus hat sich vor allem einen Namen als Publizistin musikwissenschaftlicher Schriften gemacht, und genau daran erinnerte ihr Spiel. Trocken, nachprüfbar, lehrbuchhaft, bar jeden Risikos. Es fehlte die Lebendigkeit, die Agogik, die persönliche Aussage. Schade. Das Programm wäre durchaus geeignet gewesen, einen reizvollen Abend zu gestalten. So blieb er nüchtern und fast ein wenig unterkühlt.

Am Mittwoch ist um 20.30 Uhr der Londoner Organist Gerard Brooks Gast in der Konstantin-Basilika.