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Originale und ihre Fälschungen

Originale und ihre Fälschungen

Polizist, Koch oder Schornsteinfeger: alles klassische Fastnachtskostüme, mit denen Narren für kurze Zeit in eine fremde Haut schlüpfen können. Was jedoch bedeuten Kochjacke, Zylinder und Uniform den Menschen, die sie täglich bei der Arbeit tragen? Und was denken sie über ihre närrischen Imitatoren? Der TV hat nachgefragt.

Kein Karnevalskostüm, sondern täglicher Begleiter: In Zylinder, schwarzem Arbeitsanzug und mit Stoß- und Leinenbesen in der Hand machen sich die Schornsteinfeger Alexander Poetsch (links) und Elmar Filz an die Arbeit. TV-Foto: Christa Weber

Trier. (cweb) Wenn er morgens das Haus verlässt, trägt Bernd Schwickrath eine schwarze Hose, eine weiße Jacke und ein gestreiftes Halstuch. Der Trierer arbeitet seit 30 Jahren als Koch im Restaurant Brasserie in der Fleischstraße. Seine Berufskleidung trägt er bis zu 14 Stunden am Tag und fühlt sich darin "absolut wohl". Die weiße Jacke, berichtet der Koch, erfülle nicht nur praktische Zwecke: "Sie zeigt dem Gast, dass Koch und Küche sauber sind." Auch außerhalb des Restaurants begegneten ihm die Menschen dank seiner Kleidung mit Respekt. "Wenn ich darin Lebensmittel einkaufe, werden die Verkäuferinnen immer ganz ängstlich."

Respekt einflößend ist auch die Polizeiuniform, die Hauptkommissar Johannes Michels von der Polizeiinspektion Schweich seit 29 Jahren trägt. Anfangs habe er sich darin "sonderbar" gefühlt, verrät der Polizist. Mittlerweile sei die Uniform aber "wie eine zweite Haut". Michels trägt die Berufskleidung gern, auch seine Familie ist daran gewöhnt. Bekannte seien jedoch manchmal "etwas befangen", wenn sie dem 1,86 Meter großen Mann in seiner Dienstkleidung begegneten.

Bei den Trierer Schornsteinfegern Elmar Filz und Alexander Poetsch ist der schwarze Arbeitsanzug Pflicht, der traditionelle Zylinder sitzt aber nur noch selten auf dem Kopf. "Die Anfertigung ist recht teuer", erklärt Filz. Zudem sei das klassische Kehr-Outfit wegen der zunehmenden Messarbeiten nicht mehr so häufig im Einsatz. Dass sie mit ihrer Kleidung überall auffallen, daran sind die beiden Schornsteinfeger gewöhnt.

"Die Leute bleiben stehen, wollen uns anfassen - und das ist auch schön so", findet Filz, der seinen Beruf bereits seit 40 Jahren ausübt. Auch dass ihre Kleidung bei Kindern als Karnevalskostüm beliebt ist, stört die Schornsteinfeger nicht. "Uns rufen Kunden an, die sich unser Outfit für Fastnacht ausleihen möchten", berichtet Poetsch. Elmar Filz besitzt sogar einen alten Zylinder nur für diesen Zweck.

Polizist Michels fühlt sich - nach zehn Dienstjahren in der Karnevalshochburg Mainz - von den Narren ebenfalls nicht auf den Schlips getreten. "Der klassische deutsche Polizist wird kaum als Kostüm gewählt", sagt Michels. Beliebter sei der amerikanische Cop. Aus rechtlichen Gründen dürften die Jecken zudem nur Fantasie-Uniformen tragen, niemals vollständige Polizeiuniformen mit Wappen.

Koch Schwickrath findet die Kostüme seiner närrischen Alter Egos meist sehr amüsant: "Karierte Schürzen und Holzlöffel - so sehen wir Köche ja in Wirklichkeit gar nicht aus."