Ortsbeirat Filsch wehrt sich gegen Neinsager-Image

Ortsbeirat Filsch wehrt sich gegen Neinsager-Image

Teils heftige öffentliche Reaktionen hat die ablehnende Haltung einer Mehrheit im Filscher Ortsbeirat gegen ein soziales Wohnungsbauprojekt ausgelöst, in dem auch anerkannte Flüchtlinge untergebracht werden sollen (der TV berichtete). Nun bemühen sich Mitglieder des Stadtteilgremiums um Entspannung der Situation und verbales Abrüsten.

Trier-Filsch. Als eigener Tagesordnungspunkt war das Bauvorhaben in der Carl-Carstens-Straße in der jüngsten Filscher Ortsbeiratssitzung nicht ausgewiesen. Die vielfach nach der vorangegangenen Abstimmung laut gewordene Kritik (etwa zahlreiche Leserbriefe im TV) ließ jedoch bereits erahnen, dass das Thema nochmals auftauchen würde. Ortsvorsteher Karl-Josef Gilles (FDP) kündigte zu Beginn auch eine entsprechende persönliche Erklärung an, auf die er letztlich jedoch verzichtete.
Bestimmte Formulierungen hätte man besser vermieden, wandte sich der Ortsvorsteher an Valentin Weber (CDU). Der hatte in der Februarsitzung von den Sorgen einiger Anwohner berichtet und vor einem "Land der fliegenden Messer" gewarnt. Aus dem Zusammenhang herausgelöst, sei dies möglicherweise falsch angekommen, antwortete Weber: "Ich wollte nur sagen: Wir müssen darauf achten, dass kein neuer sozialer Brennpunkt entsteht." Kurzzeitig drohte zwischen Gilles und Weber ein Streit aufzuflammen, aber der übrige Beirat rief zur Besonnenheit auf.
Peter Kritzke (SPD), der selbst bei der Februarsitzung nicht anwesend war, wehrte sich gegen pauschale Verurteilungen des Stadtteils in der Öffentlichkeit.
Beispiel für Gastfreundschaft


"Bestimmte Verallgemeinerungen sind nicht in Ordnung. Ich wehre mich dagegen, wenn beispielsweise in Leserbriefen von ,den Neinsagern aus Filsch' die Rede ist." Der erweckte Eindruck einer grundsätzlichen Verweigerung gegenüber der Integration von Flüchtlingen sei schlicht falsch. So habe man beispielsweise schon seit längerem eine pakistanische Familie im Ort aufgenommen, die nun im Gegenzug für die Gastfreundschaft zu einem Kochkurs eingeladen habe.
Die ablehnende Haltung einer Mehrheit des Filscher Ortsbeirats zum neuen Wohnungsbauprojekt führte Joachim Gilles (FDP) in erster Linie auf mangelnde Unterstützung durch die Stadt zurück. "Wir können Integration nicht unbegrenzt in unserer Freizeit leisten." Hilfe durch hauptamtliche Kräfte sei zwingend erforderlich. Dem schloss sich Kritzke an und verwies darauf, dass bei einem aus seiner Sicht ähnlichen Projekt in Euren von Anfang an ein Sozialarbeiter miteingeplant wurde.
Den äußeren Druck von nicht im Stadtteil Wohnenden empfindet der Ortsbeirat als unangemessen. "Es ist unfair, dass wir hier von der Stadtverwaltung und Vertretern anderer Stadtteile vor der Abstimmung in die Zange genommen wurden", formulierte Joachim Gilles. Gerade unter diesen Vorzeichen sei auch die geheime Abstimmung keinesfalls ungewöhnlich gewesen. ten
Extra

Insgesamt rund 9500 Quadratmeter an Wirtschaftswegen sind in der Gemarkung Filsch über die Jahre verschwunden, etwa durch Umpflügen. Die Stadtverwaltung wird in Kürze Eigentümer betroffener Grundstücke bezüglich der Wiederherstellung dieser Routen anschreiben. Der verlängerte zweite Teil der Von-Babenberg-Straße im Neubaugebiet soll in Martin-Luther-Straße umbenannt werden. Eine entsprechende Bitte der Stadtverwaltung mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 wurde vom Ortsbeirat einstimmig gebilligt. Für den Einfahrtsbereich der Filscher Straße von der L 143 aus soll ein eingeschränktes Halteverbot die Parksituation entschärfen. ten

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